Trends im UC-Markt

„Es gibt in der Geschäftskommunikation kein One-Size-fits-all“

19. Dezember 2022, 10:00 Uhr | Interview: Diana Künstler | Kommentar(e)
Markus Henk von Mitel
Markus Henk, Managing Director von Mitel Germany: „UC-Lösungsanbieter und Reseller müssen als ‚Enabler‘ funktionieren. Denn es ist deutlich, dass der Erfolg von hybridem Arbeiten mit der Collaboration-Lösung steht und fällt.“
© Mitel

Die Unternehmenskommunikation hat einen erheblichen Anteil am Erfolg und am Wachstumspotenzial eines Unternehmens. Nach fast 50 Jahren im Geschäft weiß auch UCC-Spezialist Mitel davon zu berichten und blickt im Interview auf Entwicklungen und Trends im Bereich der Unternehmenskommunikation.

funkschau: Herr Henk, Sie sind nun seit knapp zwei Jahren Deutschlandchef von Mitel. Seitdem hat sich einiges getan in Sachen Unternehmenskommunikation. Wie schätzen Sie die Entwicklungen am Markt in den letzten zwei Jahren ein?

Markus Henk: Angesichts der Pandemie und der vielen Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren konfrontiert sahen, sind UCC-Lösungen heute eine entscheidende Komponente für den Erfolg und das Wachstum von Unternehmen. Eine aktuelle globale Studie, die von Mitel gesponsert wurde, bestätigt, dass 74 Prozent der deutschen Unternehmen der Meinung sind, dass die Unternehmenskommunikation entscheidend ist, um ungenutztes Wachstumspotenzial freizusetzen. Sie zeigt aber auch, dass obwohl die Pandemie weithin als Katalysator für die digitale Transformation angesehen wird, die letzten zwei Jahre zu einer Verlangsamung von Unternehmensmodernisierungen geführt haben. Vor allem in Deutschland sahen sich 36 Prozent der Unternehmen gezwungen, ihren Schwerpunkt auf andere Prioritäten zu verlagern. Nur 29 Prozent der deutschen Unternehmen haben während der Pandemie eine Beschleunigung ihrer Modernisierungspläne festgestellt.

funkschau: Inwiefern unterstützt Mitel hier?

Henk: Mitel unterstützt seine Kunden auf jedem Schritt ihrer Kommunikationsreise. Wir wissen, dass Unternehmen die Flexibilität benötigen, ihren eigenen Weg zu wählen, sei es vor Ort, in der Cloud oder in einer Kombination aus beidem. Es gibt keinen einheitlichen Ansatz für die Unternehmenskommunikation, der für alle passt. So stellt Mitel sein flexibles, modernes Portfolio auch auf unterschiedliche Art und Weise zur Verfügung, sei es über ein CapEx- oder OpEx-Modell. Anfang dieses Jahres hat Mitel zudem abonnementbasierte Angebote für alle Flaggschiff-Plattformen seines globalen Portfolios eingeführt. Um unser Portfolio zu komplettieren, sind wir eine strategische Partnerschaft mit Ringcentral, dem Marktführer im Bereich UCaaS, eingegangen. Als Teil seiner Unternehmensstrategie legt Mitel auch einen Schwerpunkt auf das Customer Lifecycle Management (CLM), welches eine Schlüsselrolle im Auswahlprozess von UC-Lösungen spielt. Denn es unterstützt Unternehmen bei der Auswahl eines geeigneten Stacks auf Basis ihrer Bedürfnisse. Mitel arbeitet daher eng mit Vertriebspartnern zusammen und nutzt Daten und Analysen, um festzustellen, wo die Kunden sich auf ihrer Lifecycle-Management-Reise befinden.

funkschau: Welche Learnings und Entwicklungsschritte haben das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist? Schließlich feiert man im kommenden Jahr 50-jähriges Bestehen.

Henk: Das stimmt, wir sind sehr stolz darauf. Es gibt nicht viele Unternehmen in der Technologiebranche, die so lange dabei sind. Bei Mitel blicken wir auf eine lange Innovationskultur zurück: Als langjähriger Akteur in der Kommunikationsumfeld hat Mitel in den fast 50 Jahren seiner Geschäftstätigkeit bei zahlreichen Technologien Pionierarbeit geleistet, sei es das Angebot von offenen Schnittstellen, die Kommunikation zwischen Telefonen und PCs über USB, hybriden Cloud-Lösungen oder antimikrobiellen DECT-Handsets. Auch heute treiben wir innovative Produkt- und Markteinführungsmodelle voran, um unseren Kunden auf der ganzen Welt die flexibelsten und zukunftssichersten Lösungen anbieten zu können. Im Laufe der Jahre haben wir ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse von Unternehmen und die Branchen, in denen sie agieren, entwickelt. Wir sind der Überzeugung, dass es in der Geschäftskommunikation keine „One-Size-fits-all“-Lösung gibt und dass wir unsere Kunden nur durch die Bereitstellung von Auswahlmöglichkeiten am besten beim Erreichen ihrer Geschäftsziele unterstützen können.

Nicht zuletzt möchte ich die Teamkultur bei Mitel hervorheben. Unsere Teams auf der ganzen Welt und in Deutschland sind definitiv eine unserer Stärken. Sie bringen ein hohes Maß an Leidenschaft für ihre Arbeit und Technologie im Allgemeinen mit. Einige von ihnen arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und haben starke Beziehungen zu ihren Kollegen und unserer Partner-Community aufgebaut, was die tägliche Arbeit reibungslos macht.

funkschau: Vor Kurzem hat Mitel die Ergebnisse einer Tech Aisle-Studie1 bekanntgegeben, die die Modernisierung des Arbeitsplatzes von rund 1.300 Unternehmen in Australien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA beleuchtet. Was sind die Haupterkenntnisse der Befragung, die übergreifend für alle Länder zutreffend sind?

Henk: Ein zentrales, länderübergreifendes Ergebnis der Studie ist, dass sich trotz der gesammelten Erfahrungen der letzten beiden Jahre noch immer keine „Hybrid First“-Denkweise durchgesetzt hat: Gerade einmal elf Prozent der befragten Unternehmen legen eine solche an den Tag. Dabei wünschen sich 44 Prozent der Mitarbeiter, an mindestens drei bis vier Tagen in der Woche von zuhause zu arbeiten. Es zeigt sich also, dass der Weg zu einem dauerhaften hybriden Modell noch lange nicht beschritten ist. Es gibt immer noch Hindernisse zu überwinden. Unternehmen müssen zudem mehr in die UC-Modernisierung investieren, um hybride Arbeitsmodelle zu unterstützen. Dies ist umso wichtiger vor dem Hintergrund, dass die Umfrage auch eine Diskrepanz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Bezug auf die Wahrnehmung und die Auswirkungen des hybriden Arbeitens auf ihr Berufs- und Privatleben ergab.

funkschau: Worauf ist diese Diskrepanz in Nachfrage und Angebot Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Henk: Auffällig ist hier, dass die Erwartungen und Wahrnehmung von hybriden Arbeiten zwischen Arbeitgebern und -nehmern stark auseinander gehen. 51 Prozent der Arbeitnehmer sind besorgt um ihre Work-Life-Balance, doch nur 24 Prozent der Arbeitgeber teilt diese Sorge. 36 Prozent der Arbeitgeber befürchten hingegen Produktivitäts- und Konzentrationsverluste, eine Wahrnehmung, die wiederum von nur 26 Prozent der Arbeitnehmer geteilt wird. Obwohl es eine übereinstimmende Auffassung darüber gibt, dass Collaboration-Tools der Schlüssel zu einem effektiven hybriden Modell sind, ist das Konzept der hybriden Arbeit für viele Unternehmen noch sehr neu. Auch gibt es immer noch Hindernisse, die eine breitere und schnellere Umsetzung von wirkungsvollen Modernisierungsinitiativen verhindern. So führt die Komplexität zu einer gewissen Entscheidungsträgheit, da die Kunden versuchen, die beste Wahl zwischen einer Vielzahl von Lösungen, Technologien und Kaufmodellen zu treffen. Der Mangel an betrieblicher Flexibilität, die Angst vor Sicherheitslücken und Unfähigkeit, Anwendungen und Systeme in die Cloud zu migrieren, sind ebenfalls entscheidende Hindernisse für die UC-Modernisierung.

funkschau: Was zeichnet speziell die befragten Unternehmen mit Sitz in Deutschland aus?

Henk: In den meisten Punkten unterscheiden sich die Antworten deutscher Unternehmen oft nur um wenige Prozentpunkte von den internationalen Ergebnissen. Insgesamt sehen sich deutsche Unternehmen ähnlich gut aufgestellt in Sachen Heimarbeit und die dafür benötigten Voraussetzungen wie andere internationale befragte Unternehmen. In Deutschland sehen sich sogar 47 Prozent der Befragten (44 Prozent international) mit den benötigten Kompetenzen ausgestattet, um flexible Heimarbeit zu ermöglichen. Sie messen dieser jedoch auch einen höheren Stellenwert bei als im internationalen Vergleich. So bewerten 53 Prozent der Unternehmen Flexibilität der Arbeitszeiten als eine der wichtigsten Initiativen zur Förderung produktiver Mitarbeiter, gegenüber nur 46 Prozent international. Auf der anderen Seite sind deutsche Arbeitgeber im Vergleich besorgter, was ihre Fähigkeiten im Hinblick auf das Management von Mitarbeitern im Homeoffice angeht (55 Prozent in Deutschland gegenüber 50 Prozent weltweit).

funkschau: Was sollten zeitgemäße Lösungen für die Unternehmenskommunikation leisten können, um Firmen bei der Bewältigung ihrer drängendsten Herausforderungen unterstützen zu können?

Henk: UC-Lösungsanbieter und Reseller müssen hier als „Enabler“ funktionieren. Denn es ist deutlich, dass der Erfolg von hybridem Arbeiten mit der Collaboration-Lösung steht und fällt. So geben 77 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, dass bessere Kommunikations- und Collaboration-Tools ihnen helfen, ihre Arbeit effektiver und zielführender zu erledigen, während nur 34 Prozent der Arbeitgeber der Ansicht sind, ausgereifte Maßnahmen für die Heimarbeit zu haben. Eine wichtige Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist, dass es keine fertige Patentlösung gibt. Jedes Unternehmen hat, abhängig von Branche, Größe und anderen Faktoren, unterschiedliche Bedürfnisse. Die Komplexität bei der Auswahl der passenden Lösung kann überwältigend sein − von der Umsetzung hybrider Arbeitsformen über die Auswahl der richtigen Kommunikations- und Collaboration-Tools bis hin zur Schaffung einer Kultur, die dafür sorgt, dass Mitarbeiter zufrieden und engagiert bleiben. Hier kommen UC-Lösungsanbieter zusammen mit Channel-Partnern ins Spiel: Sie sind nicht nur diejenigen, die Lösungen bereitstellen, sondern auch Kunden bei der Suche nach einer maßgeschneiderten Lösung helfen. In ihrer Funktion als Wegbegleiter können sie Unternehmen bei ihrer Modernisierungstransformation unterstützen. Diese sollte eine UC-Lösung mit fünf Schlüsselattributen umfassen: agil, anpassungsfähig, transformativ, flexibel und befähigend.

1 https://www.mitel.com/de-de/mehr-erfahren/resource-center/der-aufbau-eines-soliden-fundaments-fur-hybrides-arbeiten

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