Unified Communications

„Anbieter müssen ihre Lösungen vor allem einfach gestalten“

14. Juni 2022, 14:24 Uhr | Interview: Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Büro- und Kommunikationsmittel in einer Hand
© Sdecoret / 123rf

Im Gespräch mit funkschau erläutert Dietmar Kraume, Managing Director bei Alliance Technologies, welche Herausforderungen und Möglichkeiten Unified-Communications-Lösungen für Unternehmen mit sich bringen und wie sich der entsprechende Markt in den kommenden Jahren verändern könnte.

Dietmar Kraume, Alliance Technologies
Dietmar Kraume, Managing Director bei Alliance Technologies: „UC-Lösungen umfassen oftmals zu viele Aspekte in einem Paket beziehungsweise einem Client.“
© Alliance Technologies

funkschau: Herr Kraume, viele Unternehmen arbeiten aktuell im Zuge der pandemiebedingten Anforderungen mit digitalen Kommunikationswerkzeugen, oft remote. Wird sich das wieder ändern?
Dietmar Kraume: Kommunikation muss so aufgestellt sein, dass unabhängig vom Standort kommuniziert werden kann – ob zu Hause, unterwegs oder auf Reise. Mit der Pandemie wurden alle plötzlich in diese Thematik reingeworfen. Diejenigen, die deshalb Teams oder Zoom nutzen, haben vielleicht noch nicht bedacht, dass sie ihre TK-Anlage abschaffen können und Teams als vollumfängliche Telefon-anlage einsetzen. Natürlich ändern sich Kommunikationsprozesse. Teams oder Zoom lassen sich nicht eins zu eins in ihren Funktionen mit TK-Anlagen vergleichen. Anwender erfahren immer wieder diesen Aha-Effekt, dass der Wandel auch Schritt für Schritt möglich ist.

funkschau: Meinen Sie, dass der Bedarf an Lösungen für hybride oder Remote-Arbeit mit der Rückkehr in die Büros zurückgehen wird?
Kraume: Ich denke, dass hybrides Arbeiten nicht mehr wegzudenken ist. Im Gegenteil. Vor allem auch wegen Themen wie dem Fachkräftemangel und der globalen Zusammenarbeit. Meine Prognose: Das bleibt so.

funkschau: Wie steht es wiederum um den Markt? Können sich kleine UC-Anbieter überhaupt noch etablieren, oder gehört dieser ganz den Platzhirschen?
Kraume: Ich denke schon, da es einen riesigen Markt gibt. Für viele war es der einfache Weg, Teams oder Zoom zu nutzen, weil es vollständig aus der Cloud zu konsumieren ist. Aber Nischenanbieter oder kleinere Anbieter haben durchaus noch einen Markt. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen. Aber man wundert sich schon ein wenig, warum nicht mehr Anbieter auf den Markt kommen. Aber ich glaube, das wird sich noch nivellieren. Im Moment sind alle panisch auf Teams und Zoom aufgesprungen, doch das wird noch viele Diskussionen nach sich ziehen.

funkschau: Sollten sich neue Anbieter in Anbetracht dieser Konkurrenzsituation denn vor allem auf Nischenmärkte konzentrieren?
Kraume: ‚Besser leben als Nischenlösung‘ ist ein guter Punkt. Noch viel wichtiger ist, dass Anbieter ihre Lösung einfacher gestalten. Für viele Unternehmen umfasst eine UC-Lösung oftmals zu viele Aspekte in einem Paket beziehungsweise einem Client. Wir merken auch immer wieder, dass diese Lösungen für Endanwender gar nicht so einfach zu bedienen ist. Das wird zwar immer versprochen, doch stellt es sich oft anders heraus. Und genau da entsteht ein Nischenmarkt: Eine Lösung, die sehr einfach bedienbar ist.

funkschau: Welche technischen Anforderungen müssen Unternehmen denn erfüllen, um UC-Lösungen effizient einsetzen zu können?
Kraume: Netzwerke sind inzwischen deutlich performanter ausgelegt. Beispielsweise sollte jedoch der Echtzeit-Verkehr nicht über Web-Proxys laufen. Zudem sollten die Traffic-Pakete nicht nochmal extra untersucht werden, sondern mit entsprechenden Security-Lösungen belegt sein. Für die Endnutzer im Homeoffice gilt: Es sollte nicht der ganze Echtzeit-Verkehr über einen VPN laufen, sondern daran vorbeigeschleust werden.

funkschau: Und wie können sich die Nutzer selbst darauf vorbereiten – vor allem auch im Hinblick auf das Netzwerk?
Kraume: Nutzer müssen sich dafür sensibilisieren, was es bedeutet, Realtime-Traffic in das Netzwerk zu lassen, Es sind oft keine großen Veränderungen, die die Nutzer vornehmen müssen, aber sie müssen sich dessen bewusst werden. Man muss verstehen, wie Tools wie Teams und Zoom arbeiten: welche Ports geöffnet werden müssen, wo der Haupt-Traffic passiert, wie sich Clients unterhalten, was bei einer Konferenz passiert und wo diese abgemischt wird. Es ist wichtig, das zu verstehen.

funkschau: Herr Kraume, Sie haben gesagt, dass viele Produkte zu viele Aspekte abdecken wollen. Gehört die Zukunft also vor allem spezialisierten Lösungen, die sich auf einen bestimmten Bereich wie beispielsweise Telefonie oder Videokonferenzen konzentrieren?
Kraume: Korrekt, da besteht durchaus Bedarf. Ich meine, wenn ich telefonieren will, einfach nur telefonieren will, warum keinen Telefonie-Client anbieten? Das passt aber nicht in die Teams-Strategie von Microsoft. Deshalb glaube ich nicht, dass Microsoft sich dahingehend öffnen oder ändern wird. Aber ich denke schon, dass es andere Anbieter geben wird, die diesen Bereich abdecken werden.

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