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Deloitte-Studie: Sorge vor Cyber-Angriffen nimmt zu

Cyber-Risiken stellen eine ernsthafte Gefahr für deutsche Unternehmen dar. Wie eine Studie zeigt, fürchten sich Entscheider aus Wirtschaft und Politik zunehmend vor den Folgen sogenannter "Fake News". Gleichzeitig wächst die Sorge vor Cyber-Angriffen, deren Zahl im letzten Jahr erneut gestiegen ist.

Cybersicherheit Gefahr Bildquelle: © Igor Stevanovic-123rf

Ebenfalls kritisch gesehen wird laut Studienerkenntnissen die Tatsache, dass wichtige Schlüsseltechnologien zunehmend aus dem Ausland kommen.

Der aktuelle „Cyber Security Report“ von Deloitte und dem Meinungsforschungsinstitut Allensbach zeigt, wie deutsche Top-Manager sowie Abgeordnete aus Bundestag, Landtagen und EU-Parlament das Thema Cyber-Risiken einschätzen. Erstmals landete das Thema „Fake News“ dabei auf dem unrühmlichen 1. Platz der Liste der wichtigsten Cyber-Risiken. Demnach stufen 74 Prozent der Entscheider aus Wirtschaft und Politik diese unlautere Beeinflussung für ein „großes Risiko“ für die Menschen in Deutschland ein – noch vor Cyber Crimes wie Datenbetrug im Internet (70 Prozent), Diebstahl privater Daten bzw. Informationen durch Cyber-Angriffe (67 Prozent) oder Computerviren und Schadsoftware (65 Prozent). Bei der allgemeinen Risikoeinschätzung bewerteten die Unternehmensvertreter viele Gefahren dabei noch deutlich höher als Politiker, zum Beispiel beim Datenbetrug im Internet (73 Prozent gegenüber 58 Prozent) oder bei Eingriffen in die Privatsphäre von Bürgern durch vernetzte Haustechnik (55 Prozent gegenüber 43 Prozent).

Bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin fand Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, deutliche Worte angesichts der jüngsten Entwicklungen. Es sei sehr beunruhigend, so Köcher, dass 40 Prozent der deutschen Bevölkerung der Ansicht seien, was wahr sei und was falsch, was Fakt ist und was kein Fakt ist, sei Ansichtssache.

Cyber-Angriffe nehmen zu – und mit ihnen die Sorge der Unternehmen
Aus der Studie geht ebenfalls hervor, dass 67 Prozent der Abgeordneten und Führungskräfte den Diebstahl von privaten Daten und Informationen durch Cyber-Angriffe als großes Risiko für die Menschen in Deutschland ansehen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 62 Prozent. Die zunehmende Sorge dürfte mitunter darauf zurückzuführen sein, dass die Frequenz der IT-Angriffe auf deutsche Unternehmen nach Angaben der befragten Führungskräfte zugenommen hat. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) gab an, ihr Unternehmen sei täglich oder mindestens einmal in der Woche Cyberangriffen ausgesetzt, mit dem Ziel, an Firmengeheimnisse zu gelangen oder das Unternehmen anders zu schädigen. 2018 hatten noch 46 Prozent der Befragten diese Sorge geäußert.

„Die Studie zeigt, dass die zunehmende Sorge durchaus ihre Berechtigung hat“, sagt Oliver Hüttig, Vorstand des Software- und Beratungsunternehmens Cocus. „Wer sich als Unternehmen oder Institution nicht ausreichend schützt, wird früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer von Cyber-Kriminellen werden. Umso wichtiger ist es, mit entsprechenden Maßnahmen wie Penetrationstests, bei denen IT-Experten das Unternehmen wie ein Hacker nach Schwachstellen absuchen, den Angreifern zuvorzukommen“, mahnt Oliver Hüttig. Sind die Angreifer einmal im System, werde es deutlich schwieriger, mitunter unternehmenskritische Schäden abzuwenden.

Sorge vor Sicherheitslücken bei Schlüsseltechnologien aus dem Ausland
Ebenfalls groß ist die Sorge von Managern und Politikern vor großflächigen Spionage-Aktivitäten im Rahmen der Digitalisierung. Trotz der damit verbundenen Möglichkeiten wird die Einführung von Schlüsseltechnologien wie 5G deshalb nicht ausschließlich positiv gesehen. Schließlich stammt die dafür nötige Ausrüstung häufig aus dem außereuropäischen Ausland, etwa aus China und den USA. Laut der Studie sehen viele Beobachter darin ein Sicherheitsrisiko. Für beachtliche 89 Prozent der Abgeordneten und 71 Prozent der Top-Manager wäre es wichtig, dass solche Technologien stattdessen in Deutschland oder Europa selbst entwickelt würden. Sonst bestünde nicht nur eine Abhängigkeit von den Herstellerländern, sondern auch Sicherheitslücken in den Netzwerken durch Chips aus Drittstaaten könnten zu einem Problem werden, so die Sorge. Zugleich sehen 50 Prozent der befragten Entscheider grundsätzlich eine drohende Gefahr durch staatliche Überwachung aus Drittländern, während nur 16 Prozent ein großes Risiko durch inländische staatliche Überwachung konstatieren. Das Problem ist jedoch, dass lediglich 6 Prozent der Wirtschaftsführer überhaupt eine Alternative zur 5G-Technologie aus den erwähnten Ländern sehen.

Angesichts der aktuellen Faktenlage dürfte es wohl wichtiger denn je sein, dass die einzelnen Unternehmen alles Mögliche tun, um sich und ihre IT bestmöglich vor Cyber-Angriffen zu schützen.

Tillmann Braun ist Fachjournalist und lebt in Stuttgart.