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Digitalisierung: Verschläft der Mittelstand den globalen Wettbewerb?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Beispiele aus der Praxis

Nicht nur die Produktion, auch die Produkte werden immer vernetzter. In einem Showcase gibt ein Kaffeeautomat für Großverbraucher bei Problemen selbst Rückmeldung an das ERP-System. Und das nicht nur, wenn die Maschine steht und einen Fehlercode anzeigt. Wird etwa die Türe in kurzen Abständen geöffnet und geschlossen, „vermutet“ die Maschine ein Problem. Über ihre Netzwerkschnittstelle sendet sie ihren „Hilferuf“ direkt an das ERP-System. Dort erzeugt dieses Ereignis einen kompletten Service-Call, inklusive Problembeschreibung, Priorisierung und Terminierung für den Service-Techniker. Und es geht noch mehr: Die Maschine meldet auch den laufenden Kaffeeverbrauch an das ERP-System und ermöglicht so eine verbrauchsabhängige Abrechnung.
Auch der Hersteller von platzsparenden Parksystemen, Klaus Multiparking, hat einen Predictive Maintenance-Ansatz umgesetzt. Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) liefert Daten zum Zustand der Parksysteme. Um zu identifizieren, welche Maschine ein Problem meldet, wurde ein Minirechner vorgeschaltet. Dieser fügt Zustandsdaten der SPS mit Geräteinformationen zusammen. Den Transport der Daten übernimmt ein  Enterprise Service Bus. Stehen Wartungen oder Reparaturen an, melden die Parksysteme selbstständig den Bedarf an die Unternehmenszentrale.
Diese Beispiele zeigen: Zur Vernetzung gibt es sowohl für eine smarte Produktion als auch für weitergehende Services ganz pragmatische Ansätze. Im ersten Schritt sind nicht immer Echtzeit-Massendaten à la Big Data  nötig, um einen Mittelständler in puncto Industrie 4.0 voranzubringen. Damit Unternehmen einen lohnenden Ansatzpunkt für sich finden, genügen wenige Fragen: Beispielsweise, welche Automatisierung oder Änderung in der Produktion würde helfen, damit unser Unternehmen flexibler oder effizienter produzieren kann? Welche Daten können die Produkte meines Unternehmens zum Nutzen meiner Kunden bereitstellen? Und welche Daten wären vorhanden, können aber noch nicht im nötigen Umfang bereitgestellt werden? Unternehmen, die diese Punkte für sich klären, haben bereits den ersten Schritt in Richtung Industrie 4.0 getan.

Unbegrenzte Möglichkeiten erfordern Gestaltungswillen
Die Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung sind nahezu unbegrenzt. Vorausgesetzt, die Verantwortlichen nehmen ihre Mitarbeiter mit auf den Weg und begreifen den Wandel als umfassende Herausforderung. Um das Potenzial auszuschöpfen, müssen Unternehmen ihre interne Organisation und sämtliche Abläufe auf den Prüfstand stellen, auch ihr Konstruktions- und Produktions-Know-how. Außerdem gilt es neue Fähigkeiten zu erwerben und Fachkräfte auszubilden. Der deutsche Mittelstand fokussiert sich bisher auf die effiziente Produktion und ist dabei sehr weit. Unternehmen in anderen Ländern setzen dagegen eher auf digitale, smarte Produkte und Services. Diesbezüglich hat  Deutschland noch Nachholbedarf.

Michael Finkler ist Geschäftsführer von Pro Alpha