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Digitale Welt: Lebendige Innovationsprojekte

Wer in der digitalen Welt bestehen möchte, muss innovativ sein. Fünf Faktoren verhelfen bei der Realisierung entsprechender Projekte zum Erfolg.

Brücke Bildquelle: © lightwise - 123RF

Innovativ zu sein, ist für Unternehmen mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg. Ein Grund ist der digitale Umbruch, mit dem sich ein Großteil der Wirtschaft konfrontiert sieht. Beispiele dafür gibt es genug. So mutieren beispielsweise Maschinenbaufirmen zu Anbietern von digitalen Produkten und Services, die sie über IoT  (Internet der Dinge)- Plattformen und Software-Bots bereitstellen. Doch viele Unternehmen kommen mit dem Innovationsdruck nicht so richtig klar, wie eine Studie des Digitalverbandes Bitkom belegt. 80 Prozent der deutschen Firmen stufen daher sowohl Big Data als auch IoT als wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit ein. Nur rund 60 Prozent setzen Big Data bereits ein oder diskutieren zumindest darüber. Beim Internet der Dinge sind es nur 44 Prozent.

Ein Grund für die zögerliche Haltung ist, dass ein beträchtlicher Teil der Firmen Defizite beim Innovationsmanagement hat: Es ist unklar, auf welche Weise innovative Ansätze und Geschäftsmodelle entwickelt und in der Praxis umgesetzt werden sollen. Entsprechende Projekte laufen daher in etlichen Fällen ins Leere. Das lässt sich vermeiden, wenn die folgenden Ansatzpunkte berücksichtigt werden.

Wirklich relevante Probleme lösen
Ein großes Missverständnis im Zusammenhang mit einer Innovationsstrategie ist, dass sie nur dann funktioniert, wenn innerhalb kurzer Zeit die gesamte Organisationsstruktur eines Unternehmens angepasst wird. Das ist weder realistisch noch praktikabel. Wichtig ist vielmehr, Innovationen aus Sicht derjenigen zu betrachten, die sie letztlich erarbeiten und umsetzen müssen. Das bedeutet für ein Beratungshaus, dass es eng mit seinen Kunden zusammenarbeiten sollte, um es Schritt für Schritt durch den Innovationsprozess zu begleiten. Das ist die Voraussetzung dafür, um neue Ideen zügig umzusetzen.

Wichtig ist zudem, dass alle Innovationen durch eine strategische Denkweise "unterfüttert" werden. Erfolgversprechend ist folgender Ansatz: Das Beratungshaus konzentriert sich auf eine oder ausgewählte Fragestellungen, die aus Sicht des Anwenders und sowie aus kommerziellen Erwägungen heraus beantwortet werden sollten. Anschließend wird geklärt, auf welche Weise Innovationsteams diese Punkte angehen können. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mitarbeiter. Dieser pragmatische Ansatz erlaubt es Innovationsteams, innerhalb kurzer Zeit greifbare Ergebnisse vorzuweisen – und das ohne große Budgets und monatelanges Vorarbeiten.

Helmut Scherer Futurice Bildquelle: © Futurice

Helmut Scherer, Managing Director bei Futurice

Die passenden Mitarbeiter einbinden
Innovation lebt davon, kreative Ideen unterschiedlicher Persönlichkeiten aufzugreifen. Es ist nicht zielführend, auf Mitarbeiter zu setzen, die nur die Denk- und Arbeitsweise anderer kopieren. Das sehen laut Forbes im Übrigen auch 56 Prozent der Großunternehmen so, deren Umsatz bei mindestens zehn Milliarden Dollar liegt. Wenn Unternehmen Innovationsteams zusammenstellen, dann müssen sich die Verantwortlichen auch über die Auswirkungen  von Stereotypen und starren Denkmustern im Klaren sein.

Für den Experten, der Mitglieder für ein Innovationsteam sucht, heißt das: Schaue nicht nur auf diejenigen Mitarbeiter, die sich am besten verkaufen. Wirf auch einen Blick auf eher introvertierte Kollegen, die sich nicht so gut vermarkten können. Wichtig ist zudem, dass alle Mitglieder der Gruppe mit Enthusiasmus an ihre Aufgaben herangehen. Außerdem sollten sie ähnliche Visionen haben, wenn es darum geht, Dinge besser zu machen und neue Wege zu beschreiten.

Konsens herstellen
Damit digitale Innovationsprozesse auch wirklich "greifen", gilt es die Interessenten aller Beteiligten auf einen Nenner zu bringen. Dies ist die Aufgabe des Chief Digital Officer (CDO). Er muss den Part des "Mediators" übernehmen. Einen Konsens zwischen den Stakeholdern herzustellen, ist oft nicht einfach, aber entscheidend für den Erfolg von Innovationsprojekten. Innovationsteams müssen beispielsweise klären,

  • welche Problembereiche angegangen werden sollen,
  • welche Effekte Innovationen haben und welche Bereiche davon profitieren können, etwa Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftsbereiche,
  • auf welche Weise die Arbeitsabläufe in einer Organisation angepasst werden müssen und wie sich das erreichen lässt.

Eine gemeinsame Sprache sprechen
Zu den größten Hürden bei Innovationsprojekten zählt die "Babylonische Sprachverwirrung". Der Hintergrund: Begriffe wie "agil", "Innovation" und "Design" lassen sich auf vielfältige Weise interpretieren. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, dass Business-Manager, IT-Spezialisten, Fachbereichsleiter und Mitglieder von Innovationsteams dieselbe Sprache sprechen. Es muss Einigkeit darüber bestehen, welchen konkreten Bedeutungsinhalte Begriffe haben.

Dies zu erreichen, ist keine triviale Aufgabe. Das gilt vor allem für Unternehmen mit komplexen Entscheidungs- und Organisationsstrukturen. Je mehr Ebenen involviert sind, desto größer ist die Gefahr, dass sich unterschiedliche Auffassungen darüber herausbilden, welche Ziele mit einem Innovationsprojekt erreicht werden sollen. Außerdem können unterschiedliche Interpretationen von Schlüsselbegriffen wie "Innovation" dazu führen, dass wichtige Informationen nicht bei den zuständigen Mitarbeitern landen.

Die richtigen Tools einsetzen
Eine gute und effektive Kommunikation ist dann gegeben, wenn den relevanten Personen zum passenden Zeitpunkt die richtigen Fragen gestellt werden. Das hört sich einfach an, doch oft zeigt sich in der Praxis eine andere Erfahrung. Nur wenige Unternehmen haben ihre Kommunikationswege entsprechend optimiert. Die Folge ist, dass Innovationsinitiativen keinen substanziellen Beitrag zur Wertschöpfung einer Firma leisten.

Es gibt jedoch Tools und Methoden, welche die Kommunikation und Zusammenarbeit von Mitarbeitern einfacher und effektiver machen. Diese helfen, Innovationsstrategien in der Praxis umzusetzen. Zu diesen Ansätzen zählt beispielsweise Lean Service Creation. Dieses Toolset kombiniert eine strategische Sichtweise mit Design Thinking, agilen Methoden und einem praxisbezogenen "Hands-on"-Ansatz. Speziell auf den Bereich Internet der Dinge ist das IoT Service Kit zugeschnitten – eine Art Brettspiel mit Spielkarten, "Token" (Spielfiguren) und Landkarten. Die Token repräsentieren User, Fahrzeuge und weitere Komponenten. Die Landkarte stellt die Umgebung dar, in der eine IoT-Lösung eingesetzt werden soll, etwa einen Supermarkt oder eine Fabrik. Die Spielkarten stehen für die Nutzer, Sensoren, Interaktionen, Services und Programmierschnittstellen (APIs). Mit diesem Kit können Teams auf spielerische Weise prüfen, wo und auf welche Weise sich mithilfe von IoT-Komponenten innovative Ansätze entwickeln lassen.

Solche Lösungen helfen zudem Unternehmen dabei, über alle Organisationsebenen und Funktionen hinweg ein gemeinsames Verständnis der Konzepte, Vorteile und Herausforderungen zu entwickeln, die mit maschinellem Lernen verbunden sind. Dies verhindert, dass sich Informationssilos bilden und trägt maßgeblich dazu bei, innovative Ansätze im Unternehmen voranzubringen.

Helmut Scherer ist Managing Director bei Futurice