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KI und kreatives Arbeiten: Alleskönner KI?

Kann Künstliche Intelligenz kreativ sein? Diese Frage wird noch einige Zeit die KI-Forschung und -Praxis beschäftigen. Doch es gibt schon heute einige konkrete Beispiele – darunter Erfolge, aber auch fehlgeschlagene Versuche.

Infinite Drum Machine Google Bildquelle: © Google

Ein Beispiel für Maschinen mit Künstlicher Intelligenz, die es Nutzern erlauben, selbst ein musikalisches Meisterwerk zu schaffen, ist Googles KI-Experiment "The Infinite Drum Machine". Es nutzt maschinelles Lernen, um Tausende von Geräuschen aus dem Alltag (zum Beispiel das Öffnen einer Chipstüte oder eines Aktenschranks) aufzunehmen, zu analysieren und sie schließlich so zu organisieren, dass lange Aneinanderreihungen von Schlaglauten oder Perkussionsmuster entstehen.

Wird Künstliche Intelligenz (KI) zu höherer Arbeitslosigkeit führen? Während sich die einen über Unterstützung durch smarte Helfer freuen, bangen andere um ihre Jobs und fürchten, von intelligenten Maschinen ersetzt zu werden. Chatbots, also textbasierte Dialogsysteme, sind derzeit schon ein gutes Beispiel dafür, wie uns KI Arbeit abnehmen kann – und das klassische Callcenter ist vielleicht bald obsolet. Viele stellen sich daher Fragen wie: Welche Tätigkeiten wird KI künftig noch übernehmen können? Wie sieht es mit kreativer Arbeit aus? Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2018 verdeutlicht, dass die kreativen Branchen in den nächsten Jahren zunächst zu den weniger gefährdeten Segmenten zählen. Laut verschiedener KI-Experten wie beispielsweise Neil Jacobstein, dem Leiter des Artificial Intelligence and Robotics Track an der Singularity University, ist es jedoch nur noch eine Frage der Zeit, bis Maschinen auch künstlerisch aktiv werden. Wie kreativ KI heute schon ist und wie die entsprechenden Versuche zu kuriosen Ergebnissen führen können, zeigen die folgenden Beispiele.

Der beleidigende Twitter-Bot Tay.ai
„Der offizielle Account von Tay, Microsofts KI-Familie aus dem Internet... Je mehr du redest, desto klüger wird Tay.” – mit diesen Worten begrüßte der 2016 von Microsoft erschaffene Chatbot die Twitter-Gemeinde. Mit Hilfe von KI und einem selbstlernenden System sollte sich Tay wie ein durchschnittlicher Jugendlicher auf Twitter verhalten. Um Auftreten und die sprachliche Kreativität der Nutzer zu erlernen, wurde der Chatbot darauf programmiert, andere Twitter-Nutzer nachzuahmen. Allerdings war das System hinter Tay genau aus diesem Grund anfällig für Sabotage – und andere Nutzer begannen, den Chatbot mit sexistischen, rassistischen und hasserfüllten Aussagen zu füttern. Die Problematik wurde auch Microsoft schnell bewusst: Zwar ist es möglich, andere Nutzer nachzuahmen, doch der Chatbot kann keine eigenen ethischen Entscheidungen treffen. Die Informationen dazu, was richtig oder falsch ist, erhält die KI nur von dem zugrunde liegenden Algorithmus. Tay fing nach einer kurzen Zeit also an, das Verhalten der Nutzer – oder in diesem Fall die Sprache der Tweets – nachzuahmen. Unglücklicherweise kamen dabei hauptsächlich antisemitische und frauenfeindliche Aussagen heraus; nach nur 16 Stunden stellte Microsoft den Dienst wieder ein.

Mit KI produzierte Filme
Zum Filmfestival „Sci-Fi-London 2016“ reichte eine Künstlergruppe den Kurzfilm „Sunspring“ ein. Zuvor hatten der junge Filmemacher Oscar Sharp und der KI-Experte Ross Goodwin überlegt, ob es möglich wäre, ein Drehbuch nur mit Hilfe von KI zu schreiben. Genau wie die Smartphone-Tastatur durch Texte und Nachrichten trainiert wird und vorgibt, welches Wort als nächstes geschrieben wird, wollten sie eine Software anlernen, die ein Science-Fiction-Drehbuch schreiben sollte. Dazu dienten Skripte von Klassikern wie Ghostbusters, Jurassic Park oder Men in Black als Basis und wurden mit vielen weiteren in ein neuronales Netzwerk gespeist, um ein originelles, von KI geschriebenes Drehbuch zu kreieren. Die Künstler produzierten das Ergebnis genau nach den Vorgaben der Software, doch der daraus resultierende Kurzfilm ist eher surreal und die Dialoge komplett ohne Logik – einen Preis gab es wohl nicht. Weitaus gelungener, aber auch etwas weniger ambitioniert war der Versuch von IBM Watson, den Trailer für einen Gruselfilm zu produzieren. Die KI begutachtete dafür insgesamt 100 Trailer von anderen Horrorfilmen. Mit dem Wissen, welche Szenen in der Regel verwendet werden, analysierte Watson den Blockbuster „Morgan“ und filterte die passenden Stellen für den Trailer heraus. Watson benötigte dafür gerade einmal 24 Stunden. Die traditionelle Herstellung einer solchen Filmzusammenfassung nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch – in der Regel zehn bis 30 Tage. Der Trailer von Watson ist zwar nicht spektakulär, aber durchaus solide.