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Cloud-Computing: Die Zukunft der Multi-Cloud

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Die Qualifikationslücke schließen

In der heutigen sicherheitsbewussten Multi-Cloud-Welt steigt die Nachfrage nach Fachkräften, die mit der neuesten Technologie umgehen und daraus strategischen Mehrwert schöpfen können. Doch der aktuelle Fachkräftemangel ist kein unlösbares Problem. So sollten Unternehmen das vielfältige Potenzial der Jugend nutzen, Diversität fördern sowie durch intelligente, kontextbasierte und automatisierte Lösungen neue Karrieremöglichkeiten eröffnen. Auch bestehenden Mitarbeitern muss es ermöglicht werden, strategischere und lohnenswertere Aufgaben zu übernehmen.

Laut der Studie „2017 State of Enterprise MultiCloud“ von Cloudify und IOD sind die drei größten Hindernisse für den Einsatz neuer Technologien Mensch und Politik (32 Prozent), Fähigkeiten und Kompetenzen (22 Prozent) sowie Unternehmenskultur (21 Prozent). Diese Punkte machen insgesamt drei Viertel aller Hürden für die Einführung neuer Technologien aus. Das verdeutlicht die Notwendigkeit einer angemessenen Verbreitung von Informationen innerhalb eines Unternehmens. Der Aufbau von Fähigkeiten und Kompetenzen ist dabei wohl die schwierigste Aufgabe. Die Einführung geeigneter Maßnahmen für Ausbildung oder Einstellung von Mitarbeitern kann für Unternehmen einen enormen Aufwand darstellen. Dabei gestaltet sich schon die Entscheidung, welche Fähigkeiten überhaupt notwendig sind, oft als schwierig.

Obwohl Amazon und Microsoft Produktschulungen anbieten, gibt es nur wenige Drittanbieter, die IT-Teams dabei unterstützen, „multi-cloud ready“ zu werden. Eine zukunftsweisende technologische Lösung wäre laut der FOMC-Studie die Nutzung mehrerer Dashboards für verschiedene Abstraktionsebenen, etwa Sicherheit, Überwachung, Compliance und Container. Diese gibt es zwar bereits, doch die Überwachung von Containern oder serverlosen Anwendungen über verschiedene Clouds hinweg ist derzeit noch nicht möglich.

Zukunftsfähig und vertrauensbildend
IT-Sicherheit bleibt auch in Zukunft ein wichtiges Thema. Die Angriffsflächen erweitern sich exponentiell. Cyberkriminelle sind längst keine Hobbybastler mehr, sondern Teil einer neuen „Hacking Economy”, neben der die Innovationskraft der legitimen Wirtschaft häufig blass aussieht. Unternehmen müssen sich diesem Problem stellen, ohne Kompromisse bei der Sicherheit und der Servicequalität einzugehen. Die Fähigkeit, skalierbare Anwendungen und Services – unabhängig von der Plattform – schnell zu entwickeln und zu implementieren, ist heutzutage unverzichtbar, wenn man die Kundennachfrage bedienen will und wettbewerbsfähig bleiben möchte. Die Einführung eines robusten, zukunftsfähigen Gesamtsystems aus integrierten Sicherheits- und Cloud-Lösungen hilft bei der Entwicklung umfassender IT-Services, die allen Beteiligten mehr Kontrolle, Transparenz und Einblick in die Bedrohungslandschaft ermöglichen. Dies stärkt außerdem das notwendige Vertrauen in die angebotenen Dienste.

Die Einführung einer Multi-Cloud muss dabei die Sicherheit nicht beeinträchtigen. Mit fortschrittlichen Security-Lösungen können Unternehmen ihre Anwendungen ohne geographische oder infrastrukturelle Einschränkungen sicher auf jedes Cloud-Modell übertragen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Bedrohungslandschaft immer komplexer wird. Viele traditionelle Methoden sind daher nicht mehr wirksam, weil sie zu arbeitsintensiv und zeitintensiv werden. Hier setzt die Automatisierung an, um IT-Prozesse zu rationalisieren und zu standardisieren sowie menschliche Fehler zu beseitigen.

Zudem ist die Vermeidung einer unkontrollierten Ausbreitung von Multi-Cloud-Anwendungen wichtig. Daher sollten Unternehmen feststellen, welche Workloads in welche Umgebung passen. Hier sind die Anwendungs- und Sicherheitsfunktionen der einzelnen Cloud-Provider sowie immer wieder auftretende Probleme im Zusammenhang mit mangelnder Transparenz und Kontrolle zu berücksichtigen.

Rechtliche Anforderungen erfüllen
Neben Sicherheit müssen Unternehmen auch die Compliance beachten: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt als die umfassendste und weitreichendste Reglementierung ihrer Art. Damit nicht genug: Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird ein weltweiter Standard für Datensicherheit nötig, um Chaos zu vermeiden. Eine grenzenlose digitale Multi-Cloud-Welt zu regulieren, bildet aber eine der größten Herausforderungen für die Regierungen auf der ganzen Welt. In der Zwischenzeit müssen die Unternehmen selbst dafür sorgen, dass sie die bestehenden Rechtsvorschriften erfüllen. Dies wird durch den wachsenden Einfluss von Cloud-Computing allerdings immer schwieriger.

Zukünftige regulatorische Änderungen sind nicht genau vorhersehbar, insbesondere für verschiedene Regionen dieser Welt. Probleme bei der Entwicklung neuer Compliance-Strategien für jedes Gebiet könnten zu neuen Plattformen und Diensten führen, die speziell auf die regulatorischen Besonderheiten einer Region zugeschnitten sind. Dienste von Drittanbietern, die die Einhaltung der Vorschriften überregional standardisieren, werden voraussichtlich im Rahmen des AWS- oder Azure-Serviceangebots bereitgestellt. Trotzdem muss die Rechtsabteilung eines Unternehmens verstehen, welche Aspekte der Multi-Cloud durch sich ändernde Regelungen berührt werden. Entsprechend sollten Rechts- und IT-Abteilung stärker zusammenarbeiten.

Resümee für die nächsten fünf Jahre
Unternehmen müssen in den kommenden fünf Jahren immer schneller die von Kunden geforderten Services liefern, um überlebensfähig zu bleiben. Dazu dienen Automatisierung, Orchestrierung und Optimierung. Gleichzeitig ist mit Herausforderungen durch Cyberkriminalität, Fachkräftemangel und neue Regularien zu rechnen. Entsprechend sollten sie sich jetzt auf die kommenden Veränderungen vorbereiten – mit Hilfe der Multi-Cloud.

Ralf Sydekum ist Technical Manager DACH bei F5 Networks