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Luckycloud im Interview: "Iberico-Fleisch oder Mastschwein-Produkt?"

Das Berliner Start-up Luckycloud hat sich auf die Fahnen geschrieben, gegen die großen Datenkraken anzutreten. Im funkschau Interview erklärt Gründer und CEO Luc Mader seinen Ansatz und spricht auch über klassische Start-up-Fallstricke.

Cloud Start-up Luckycloud Bildquelle: © Luckycloud

Luc Mader, Gründer und CEO von Luckycloud

funkschau: Mit Luckycloud wollen Sie einen Gegenpol aufbauen zu sogenannten Datenkraken. Laut Ihrer Webseite wird Luckycloud zu 100 Prozent mit Ökostrom und in Deutschland betrieben: Das alles hört sich nach einem Konzept für einen „anderen“, nachhaltig aufgesetzten Cloud-Dienst an. Wie würden Sie das Konzept beschreiben?
Luc Mader: Für uns stehen Datenschutz, Sicherheit und Verfügbarkeit im Fokus aller Unternehmensüberlegungen. Luckycloud ist eine ganzheitliche Cloudplattform, die 100 Prozent Open Source ist. Nur so lässt sich unserer Überzeugung nach im Zeitalter immer neugieriger werdender Behörden und Großkonzerne plausibler Datenschutz gewährleisten. Um das zu erreichen, setzen wir auch auf das Zero-Knowledge-Prinzip. Der Kunde ist bei uns mitsamt seiner Daten König und nur er besitzt die Schlüsselhoheit über diese. Bei uns gibt es keine Deals mit den großen Datenkraken – der Nutzer bekommt das, was er bestellt: Datenschutz und Sicherheit ohne Kompromisse und ohne jegliche Datenspionage.

funkschau: Sind datenkrakenkritische Ansätze wie der von Luckycloud die Zukunft? Oder haben wir uns schon daran gewöhnt, dass Daten abgegriffen werden?
Mader: Klar ist, es wird immer solche und solche Anbieter geben. Die Frage ist aber, was ist mir Qualität wert? Oder anders gesagt: Kaufe ich mir bewusst ein teureres Stück Iberico-Fleisch oder für 99 Cent ein Mastschwein-Produkt? Das Problem ist eben, dass viele noch immer lieber zum 99-Cent-Produkt greifen. Der Grund ist aber gar nicht nur der Preis, sondern das noch nicht ausgereifte Datenschutzbewusstsein. Vielen ist also nicht klar, wofür sie tatsächlich Geld ausgeben oder eben nicht und welche Gefahren möglicherweise damit einhergehen. Wir wollen hier einen Ausweg bieten und beweisen, dass das Übliche nicht immer das Beste ist. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen, die tatsächlich auf datenschutzfreundliche Lösungen setzen, über Gefahren und Möglichkeiten aufklären. Es muss ja nicht immer erst ein Whistleblower auf der Bildfläche erscheinen, bevor ein Umdenken stattfindet.

funkschau: Wie hat sich Luckycloud seit dem Gründungsjahr 2015 entwickelt? Was waren die größten Fallstricke für Ihr Start-up-Vorhaben?
Mader: Luckycloud begann 2007 als Studentenprojekt, bei dem wir an der HTW Berlin eine Plattform zum Speichern und Teilen von Studienmaterialien entwickelt haben – das war quasi der Ursprungsgedanke. Aus dem Archiv mit Studienmaterial wurde dann in nur sieben Jahren ein end-to-end verschlüsselter Cloudspeicher. Mittlerweile steht ein mehr als 15-köpfiges Team aus festen Mitarbeitern, Werkstudenten und Freelancern hinter Luckycloud. Zum Thema Fallstricke habe ich tatsächlich meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht und musste hier und da das berühmte Lehrgeld zahlen. Hätte ich beispielsweise gewusst, dass die Luckycloud so erfolgreich wird, dann hätte ich die gesamte Infrastruktur von Anfang an anders aufgesetzt und manche Hardware-Entscheidungen anders getroffen. Dazu zählt zum Beispiel die Wartung der Infrastruktur, bei der ich rückblickend recht blauäugig auf Dritte vertraut habe. Aber bekannterweise lernt man ja aus Fehlern. Und das haben wir gemacht.

funkschau: Derzeit bieten Sie im Wesentlichen einen Cloud-Speicher und Team- und Mail-Manager an. Soll es dabei bleiben oder ist in naher Zukunft eine Erweiterung des Produktangebots geplant?
Mader: Viele Start-ups scheitern, weil sie ihr Portfolio zu schnell ausweiten wollen, obwohl die Kernprodukte noch nicht vollends ausgereift sind. Wir konzentrieren uns daher weiter darauf, eine sichere Cloud-Plattform bereitzustellen, die wir stetig verbessern. Aber natürlich lernen wir auch immer mehr dazu und erweitern unser Portfolio. - Dabei hören wir vor allem auch auf das Feedback beziehungsweise die Bedürfnisse unserer Kunden. Aktuell arbeiten wir etwa daran, ein Kalendertool zu implementieren. Das haben sich viele gewünscht. Einen Großteil unseres Umsatzes erwirtschaften wir aber nach wie vor mit Consulting. Wir setzen Plattformen für Firmen auf, betreuen sie und managen die Hardware der Kunden vor Ort. Zudem vertreiben wir auch eigene Hardware an Kunden, die lieber eine Private oder Hybrid Cloud haben möchten. Wir sind nun einmal Cloud-Experten durch und durch.