Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Big Data & Industrie 4.0: Geschüttelt, nicht gerührt

Big-Data-Probleme gibt es in den verschiedensten Branchen. Wie sie sich in der Industrie 4.0 lösen lassen, verrät Frank Thurner von Contech Software & Engineering im Interview mit funkschau am Beispiel der KI-Software "Analyser" und der Methode Robust Design.

Industrie 4.0 Bildquelle: © Fotolia.com / Sergey Nivens

funkschau: Daten werden gerne als der Rohstoff des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Viele Firmen denken daher “viel hilft viel” und sammeln Unmengen davon. Oft haben diese Daten aber keine Relevanz bei den eigentlichen Analysen und verstopfen die Datenbanken. Was können Unternehmen dagegen tun?
Frank Thurner: Viel hilft nicht immer viel. Schon heute stehen Milliarden von Einzelinformationen bereit, die exponentiell zunehmen. Aus immer mehr bereitstehenden Daten folgt oft, dass es immer schwerer wird, genau die benötigten Informationen zu erhalten. Es kommt da-rauf an, sich auf die relevanten Daten zu konzentrieren. Robust Design gelingt genau das – über gezielt gezogene Stichproben aus Big Data, dem Priorisieren von Faktoren etc. konzentriert sich diese Methode auf die Daten, die der Problemlösung dienen.

funkschau: Kann man in dem Kontext eigentlich noch von “Big Data” sprechen? Oder bräuchte es nicht vielmehr eine Wortneuschöpfung, um dem Thema gerecht zu werden?
Thurner: Big Data ist eine Tatsache, noch keine Lösung. Unter Big Data verstehen wir Datenmengen, die zu groß, zu komplex, zu wenig strukturiert oder zu schnelllebig sind, um sie mit herkömmlichen Methoden auszuwerten. Lösungen versprechen Data Warehouses oder Data Lakes. Beide arbeiten mit riesigen Datenbeständen und versuchen, ihnen Herr zu werden. Robust Design dagegen kombiniert menschliches Erfahrungs- und Ingenieurswissen mit Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI), um das Problem der Datenüberflutung zu umschiffen. Da diese Methode sehr viel Intelligenz voraussetzt, die entscheidenden Informationen herauszukristallisieren und intelligent auszuwerten, wäre die Bezeichnung „Intelligent Data Analysis“ treffender.

funkschau: Contech hat mit dem Analyser eine KI-Software am Markt, die Produkte und Prozesse analysieren und optimieren kann. Was hat das genau mit Big Data zu tun? Wie funktioniert der Analyser?
Thurner: Der patentierte Analyser ist eine KI-Software, die automatisiert mit seiner Trichterfunktion Einflussfaktoren aus einer Unmenge von Einzelinformationen herausfiltert. Damit löst der Analyser eines der Kernprobleme, die mit Big Data einhergehen. Eine einzigartige Möglichkeit dabei ist, dass er in der Lage ist, bisher unbekannte Wirkzusammenhänge sogar aus Kurvenverläufen zu ermitteln. Dadurch lassen sich die Produktionskosten nachhaltig verringern. Ein Beispiel: In einem Montagewerk mussten viele Werkstücke aufwändig überarbeitet werden. Durch den Einsatz von Analyser ließen sich die Nacharbeitskosten binnen drei Monaten halbieren. Zudem konnten wir gemeinsam mit dem Kunden das Gewährleistungsrisiko drastisch reduzieren. Bereits im laufenden Betrieb kann der Analyser herausfinden, wenn etwas schiefläuft und Gegenmaßnahmen vorschlagen – ohne erst Ausschuss zu produzieren.