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Digitalisierung in der Autoindustrie: Wenn jedes Rädchen im Getriebe greifen muss

Ein Großteil der Prozesse eines Automobilkonzerns und seiner Wertschöpfungskette ist datengetrieben und die Digitalisierung hinterlässt in fast allen Unternehmensbereichen ihre Spuren. Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Automobilindustrie.

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Fast keine andere Branche auf der Welt ist so stark vernetzt und hat zudem eine so eng verzahnte Wertschöpfungskette wie die Automobilindustrie. Ein Automobil wird bisweilen aus abertausenden Teilen hergestellt, die aus einem Netzwerk von unzähligen Lieferanten zusammengeführt werden. Diese vergleichbar hohen Abhängigkeiten bringen eine Reihe an ineinandergreifenden und systemischen Risiken mit sich. Jeder Vorfall bei einem Zulieferer kann bereits Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette mit sich ziehen.

Schneller, effektiver, effizienter – die Vorteile der Digitalisierung für Autohersteller
Ein Großteil der Prozesse eines Automobilkonzerns und seiner Wertschöpfungskette ist datengetrieben und die Digitalisierung hinterlässt in fast allen Unternehmensbereichen ihre Spuren. „Die Zukunft der Mobilität und ihre Umsetzung, seien es autonome Fahrzeuge oder gemeinsame Mobilitätsdienste, ist nur mit fundiertem Digitalisierungswissen in allen Anwendungsbereichen möglich. Das bedeutet, dass sich die Wertschöpfungskette immer mehr auf Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)- bezogene Systeme und Komponenten verlagert und sich die Unternehmen dieser Branche zu Softwareunternehmen entwickeln,“ weiß Luz Mauch, Senior Vice President Automotive bei T-Systems.

Die Digitalisierung ist für die Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung. „Sie spielt nicht nur für den Automobilbau und den gesamten Kaufprozess eine wichtige Rolle, sondern betrifft auch Bereiche wie Instandhaltung, vernetzte Fahrzeuge und autonomes Fahren,“ ergänzen Dr. Christof-Ulrich Goldschmidt, Partner und Susanne Werry, Senior Associate im Frankfurter Büro der Rechtsanwaltskanzlei Clifford Chance Deutschland LLP. Die Angriffspunkte sind schier endlos und ein erfolgreicher Cyber-Angriff auf einen Teil des Systems aus Zulieferern und Herstellern kann fatale wirtschaftliche Einbußen zur Folge haben.

Generation C betritt die Bühne
Die Automobilindustrie befindet sich in einer radikalen Transformation. Nirgendwo zeichnet sich die Transformation von „Hardware“ zu „Software“ plastischer ab als in dieser Branche. Durch Einflüsse wie die Urbanisierung ändert sich auch das Konsumverhalten und die Bedürfnisse der Kunden in der Automobilbranche. „Mit dem Eintritt der Generation C (=connected) in den Konsummarkt wird das Automobil immer mehr ein ‚Mittel zum Zweck‘. Kunden möchten heutzutage Carsharing, Entertainment und Komfort. Der Markt verlangt ein radikales Umdenken und in vielen Anwendungsbeispielen vor allem Echtzeit, was im Umkehrschluss einen reibungslosen Prozess in der Herstellung und Umsetzung verlangt. „Intelligente Parkleitsysteme oder Carsharing-Dienste sind nur zwei Schlagwörter. Das Hier und Jetzt ist zunehmend gefragt und wird schlicht weg vorausgesetzt“, weiß Marc Wilczek, Geschäftsführer beim IT-Sicherheitsanbieter Link11. „Um dies zu gewährleisten, müssen IT-gestützte Prozesse wie ein Schweizer Uhrenwerk funktionieren. Schon ein Fehler beim kleinsten Zahnrad kann das System aus dem Gleichgewicht bringen – Verzögerungen oder Ausfälle sind die Folge“, ergänzt Wilczek.

„Crime goes digital“ – die Schattenseite der Digitalisierung für den Automobilsektor
Die Digitalisierung bringt eine Menge Chancen mit sich für den Automobilsektor – jedoch birgt sie auch einige Risiken, denen sich die Unternehmen stellen müssen. Mit immer mehr digitalem Geschäft, vergrößert sich auch die Angriffsfläche für Cyber-Kriminelle dramatisch. „Seit Jahrzehnten hat die Automobilindustrie ein Vertrauen in ihre Produkte aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Die Sicherheit schien selbstverständlich, da es sich bei einem Auto um ein geschlossenes und per se gesichertes Ökosystem handelte. Da die Digitalisierung jedoch Offenheit (zum Beispiel APIs, Internet Access) benötigt, um von den Veränderungen in der Wertschöpfungskette zu profitieren, entstehen neue Einstiegspunkte für Gefahren, sodass Sicherheit zu einem strategischen Tätigkeitsfeld wird,“ erklärt Mauch. Die Liste der möglichen Angriffspunkte ist lang und reicht vom Angriff auf das einzelnes Fahrzeug bis hin zum Herbeiführen der Handlungsunfähigkeit des gesamten Unternehmens. „Gerade in der Automobilbranche ist Cyber-Kriminalität ein großes Problem. Aufgrund der starken Integration der Lieferketten bei Automobilkonzernen kann bereits der Ausfall eines kleinen Zwischenhändlers in der Lieferkette zu einem Dominoeffekt führen, der die Prozesskette zum kompletten Stillstand bringt,“ ergänzt Wilczek. „Dabei muss nicht einmal ein Zulieferer direkt betroffen sein. Auch beispielsweise ein IT-Ausfall bei einem der unzähligen Logistikpartner kann bereits für ein ähnliches Szenario sorgen,“ sagt Wilczek.