Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Fantasy-Serie im Realitäts-Check: Game of Thrones: Hat Westeros das Zeug zum Silicon Valley?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Am Kapital und den Entrepreneuren liegt es nicht

Nun stellt sich die Frage, was die Gründe für diese Innovationsarmut sind. Ein Mangel an Kapital ist es nicht. Die Eiserne Bank von Bravos hält das Finanzierungssystem in Westeros kühl und rational aufrecht. Es fehlt auch nicht an Entrepreneuren. Eine ganze Reihe der zentralen Charaktere hat große Stärken im Erkennen von neuen Möglichkeiten. Tyrion, Tyvin, Varis, Samwell, Missandei und Kleinfinger wirken klug und einfallsreich.

Unternehmerische Durchsetzungskraft ist ebenfalls vorhanden. Cersei, Daeneris, Stannis und viele andere sind nicht zimperlich, wenn es um Festigung und Ausbau der Machtpositionen geht. Ethische Erwägungen schränken sie dabei wenig ein. Die Gestaltung der sogenannten roten Hochzeit oder Ramsays Provokationen bei der Schlacht der Bastarde können als einfallsreiche Manöver gelten. Durch alle Staffeln hindurch werden ungewöhnlichen Allianzen geschlossen. Die Kooperation der verschiedenen Stämme der Wildlinge untereinander zeigt Manke Rayders Fähigkeit zur Geschäftsmodellinnovation. Der Entrepreneur Jon Schnee übertrifft ihn mit dem organisatorischen Schachzug der Kooperation der Bewohner von Westeros mit den Wildlingen und zur Herbeiführung der bisher umfassendsten Allianz der gesamten Handlung, dem Pakt der Lebenden gegen den Nachtkönig und sein Heer, findet sogar eine Art Elevator Pitch statt: Die Vorführung des aufwendig festgesetzten prototypischen Toten scheint sogar die notorisch kooperationsunwillige Cersei kurzzeitig ins Wanken zu bringen. Praktische Beispiele überzeugen eben immer. Der oft zitierte Wahlspruch „ein Lannister bezahlt stets seine Schuld“ zeugt von einem intuitiven Verständnis für die so genannte Tit-for-Tat-Strategie, einem Klassiker der spieltheoretisch ausgerichteten Kooperationsforschung. Die Agilität der Kämpferin Arya wiederum steht stellvertretend für die flexiblen und unkonventionellen Start-ups, die den „Großen“ zu schaffen macht.

Karger Boden in Westeros’ Innovationsökosystem
Wenn es also nicht die Personen und das Kapital sind, was ist es dann? Zwei Gründe erscheinen ausschlaggebend:

Erstens fehlt es an Institutionen zur Innovation. Universitäten, Forschung- und Bildungseinrichtungen, die Epizentren der Innovation, sind völlig unterentwickelt. Die häufigsten Schulungen beziehen sich auf den Waffengebrauch (immerhin mit einer sehr handfesten Anwendungsorientierung), die Fähigkeit zum Lesen erwirbt man anscheinend autodidaktisch beziehungsweise selbstorganisiert (wie Davos Sewert und Goldie). Der einzige Ort von Forschung und Entwicklung scheint die Zitadelle zu sein. Dort arbeitet zwar eine große Zahl von Gelehrten und sie verfügen auch über viele Bücher. Aber sie ist anscheinend – so wie die wenig kundenorientierte Eiserne Bank auch – ein Monopolist. Ohne Wettbewerb wirkt sie sehr innenorientiert und mit sich selbst beschäftigt. Für die sehr bürokratisch organisierte Maesterausbildung hat sie hohe Eintrittsbarrieren errichtet. Den genialen, aber skrupellose Erfinder Qyburn schließt sie aus und auch der Pragmatiker Samwell kann die Grauschuppenerkrankung von Jorah Mormont nur heilen, indem er die konservativen Spielregeln bewusst verletzt. Eine Schlüsselrolle für die Innovationsarmut in Westeros spielt der Bereich von Information und Kommunikation. Der technologische Stand ist dürftig, es ist bezeichnend, dass noch nicht einmal der Buchdruck erfunden wurde. Kurznachrichten werden unverschlüsselt über Raben verschickt und die einzigen Bereiche, in denen es zu einer gewissen Blüte gekommen ist, scheinen Giftproduktion und Geheimdienste zu sein.

Nikolaus Franke WU Bildquelle: © Wirtschaftsuniversität Wien

Prof. Nikolaus Franke ist wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Womöglich kausal für das fehlende Innovations-Ökosystem in Westeros ist der zweite Grund: Die gesellschaftliche Struktur. Es überwiegt ein innovationsfeindliches Klassensystem. Statt Leistungsorientierung und Marktsystemen gibt es ein planwirtschaftliches Erbfolgeprinzip. Die Ziele der Herrschenden sind entsprechend nahezu vollständig auf die Erlangung von Macht ausgerichtet, nicht auf das Ziel, das Leben der Menschen zu verbessern. Die häufigen Kriege zerstören Infrastruktur und damit auch Ansätze zu innovationsfördernden Institutionen. Unterstützt wird diese Orientierung durch ein wenig rationales Weltbild. Gottesurteile, Schicksalsgläubigkeit und Okkultismus zeigen, dass die Aufklärung in Westeros noch nicht angekommen ist. In gewisser Weise ist dies nachvollziehbar, denn in einer Welt mit mordenden Schatten, auferstehenden Toten und fliegenden Drachen hat es die Vernunft notorisch schwer.

Den Bewohnern von Westeros bleibt entsprechend zu wünschen, dass es Social Entrepreneurs wie Daeneris, Jon Schnee und Tyrion gelingt, die Voraussetzungen für mehr Innovation zu schaffen, um damit Fortschritt, Wohlstand und Frieden herbeizuführen. Die WU Executive Academy stellt die Innovationsideen von Brandbomben und Drachenglas-Schrot zu diesem Zweck lizenzfrei zur Verfügung und bietet den Bewohnern von Westeros 10 Prozent Rabatt auf ihre vielfältigen Angebote im Bereich Entrepreneurship & Innovation.