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Industrie 4.0: Deutschland auf Kurs?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Ohne KI geht es künftig nicht mehr

Gerade im IT-Umfeld wird gerne über künftige Hypes berichtet, die sich letztlich dann doch nicht durchsetzen. Dass Künstlicher Intelligenz ein ähnliches Schicksal bevorsteht, lässt sich allerdings ausschließen. Wer sich mit Amazons Alexa unterhält, bekommt bereits eine Vorahnung dessen, was möglich ist. Und auch für Industrieunternehmen können KI-basierte Lösungen schon heute wichtige Dienste und Funktionen übernehmen. Predictive Maintenance ist dabei nur ein Gebiet. Transportsysteme mit entsprechenden Sensoren und Kameras können ihre Umwelt erfassen und auf diese reagieren, indem sie ihre Umgebung scannen und analysieren. Soll etwas innerhalb einer Fabrik von A nach B transportiert werden, berechnen die Roboter die Route selbst – und können sogar unerwarteten Hindernissen ausweichen. Ist die nächste Produktionsstation bereits belegt, fährt der Roboter ohne menschliches Zutun zur nächsten Station. In den deutschen Führungsetagen scheint KI dennoch keine großen Begeisterungsstürme auszulösen. Ganz anders sieht es beispielsweise in den USA aus. Und auch in China zeigen die Unternehmen mehr Weitblick. Unter anderem arbeitet Alibaba an ambitionierten Projekten, mittels Künstlicher Intelligenz komplette Fabriken oder gar Stadtteile zu entwickeln.

Cloud-Lösungen und Apps kommen fast nie aus Deutschland
Cloud-Lösungen wie auch Business-Apps stammen nur in den seltensten Fällen aus Deutschland. Will man nicht nur Nutzer sein, sondern auch die Entwicklung mitsteuern, muss sich etwas ändern. Hinzu kommt: Alle Informationen, die in Cloud-Lösungen abgespeichert werden, können von den jeweiligen Anbietern potenziell auch ausgewertet werden. Wer sich die persönlichen Kaufempfehlungen etwa bei Amazon anschaut, wie Anbieter entsprechende Daten bereits nutzen, um daraus Profit zu schlagen. Wenn deutsche Unternehmen in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen wollen, müssen sie stärker in die Digitalisierung investieren und idealerweise auch die Expertise von Forschungseinrichtungen und Hochschulen etwa in Form von Kooperationen nutzen. Wie wichtig KI für den Standort Deutschland ist, scheint mittlerweile auch bei der Bundesregierung angekommen zu sein. Drei Milliarden Euro sollen deshalb in den nächsten Jahren in den Bereich Künstliche Intelligenz fließen. Das ist ein guter Anfang. In China liegt diese Summe mit fast 130 Milliarden Euro allerdings über 40 Mal höher.

Trotz der Diskrepanz ist Tanja Rückert, Leiterin des Geschäftsbereichs Bosch Building Technologies sowie Lenkungskreismitglied in der Plattform Lernende Systeme, dennoch optimistisch, dass Deutschland der Umschwung gelingen kann. Um Anwendungs-Know-how und Künstliche Intelligenz effektiv zu verbinden, müsse jedoch die Förderung von Forschung und Entwicklung, das Zusammenbringen von Forschungseinrichtungen und Unternehmen jeder Größenordnung sowie die Bildung und die Kommunikation in Richtung Gesellschaft besser gefördert werden.

Tillmann Braun ist Fachjournalist mit Sitz in Haiterbach