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Unternehmenskultur: Tabus und blinden Flecken erfolgreich mit Diskursen begegnen

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Simulationen helfen, Latenzen zu identifizieren

Denn ein wesentliches Charakteristikum dieser Simulationen ist, dass sie einen intensiven Diskurs der Teilnehmer ermöglichen. In den meist ein bis zwei Tagen einer Simulation müssen die Teams in realitätsnahen Situationen Einschätzungen vornehmen, Abwägungen treffen und über ihr Vorgehen entscheiden. Die Entscheidungen können Fragen zu Cash- und Inventory-Management, Investitionen in Produkte und Märkte, die Unternehmensstrategie oder auch das Kompetenzmanagement betreffen. Es gibt nicht „die“ Lösung, da das Geschehen immer auch von den anderen Teams beeinflusst wird. So kann beispielsweise ein Kundenauftrag immer nur von einer Firma gewonnen werden und neue Mitarbeitende nur von einem Unternehmen eingestellt werden. Die Gruppen müssen daher ihre Strategien und Ziele entsprechend anpassen.

Durch die zeitliche Komprimierung wird automatisch ein intensiver Austausch angestoßen. Da es in der Simulation im Rahmen der Regeln wenig Einschränkungen gibt, welchen Weg die Teams einschlagen können, sind Vorgehensweisen möglich, die in der realen Organisation so nicht diskutierbar wären.

Ein Beispiel: Geht es in einer Simulation wie Celemi Enterprise um die strategische Positionierung der Teams im Wettbewerb untereinander, so könnte sich ein Team für eine hochpreisige Strategie mit einem hochspezialisierten Produktportfolio entscheiden. Innerhalb der Simulation kann dies gefahr- und risikolos erfolgen: Es ist ja nur ein Spiel. Eine solche Vorgehensweise wäre niemals diskutabel, wäre man im echten Unternehmen der Meinung, dass man nur als Komplettanbieter erfolgreich sein kann.

Durch die Freiräume in der Simulation werden daher Diskussionen ermöglicht, die zum einen erkennen lassen, was in der realen Welt nicht angesprochen werden kann oder darf. Zum anderen wird es möglich, zu erkunden, was Alternativen wie die geschilderte Hochpreisstrategie für eine Firma bedeuten würden. Wer aufmerksam und mit Fingerspitzengefühl mit Fragen arbeitet, bekommt auf diese Weise wertvolle Hinweise und Einblicke in die Denkwelt des Unternehmens. Blinde Flecken können so im Schutzraum der Simulation beleuchtet und Tabus vorsichtig andiskutiert werden. Wie mit diesen Erkenntnissen weiterzuarbeiten ist, muss sorgfältig geklärt werden. Die Grundlagen dafür sind aber zumindest geschaffen.

Wolfgang Karrlein ist Geschäftsführer von Canmas Business Learning und Consulting