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Internet of Things: Ein Markt im Wachstum

Wenn vom IoT die Rede ist, geht es zumeist um Erweiterungen von Produkten oder Dingen aus den Bereichen Industrie 4.0 oder Smart Living. Dabei ist der rasant wachsende Markt deutlich vielfältiger und aus Connected Devices sind echte IoT-Lösungen mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen geworden.

Eierschale Spuren Bildquelle: © fs

Was genau ist eigentlich eine IoT-Lösung? Ein Device, mit dem Internet verbunden, dessen Daten auf irgendeine Weise ausgewertet werden. So zumindest ließe sich das Internet der Dinge kurz umreißen. Eine IoT-Lösung kann jedoch extrem unterschiedliche Ausprägungen haben: von der einfachen Ergänzung eines herkömmlichen Produktes bis hin zum digitalen Ökosystem und der Erschaffung ganz neuer Teilmärkte. Heutzutage werden dank preisgünstiger Sensoren und flexibel skalierbarer Speicherkapazitäten für die riesigen Datenmengen immer mehr Bereiche smart: Smart Cities, die die Mülleimer-Entleerung per IoT steuern, Aufzüge, deren Betriebsdaten wie Belastung und Benutzungsintensität die Wartung optimieren und die Smart Factories, die sich anhand von Auftrags- und Lieferdaten selbst steuern.
 
Eine IoT-Lösung kann vieles sein
Die Technologie-Analysten von Crisp Research prognostizieren in ihrer aktuellen Studie zum IoT-Markt, dass es bis zum Jahr 2020 bereits mehr als 30 Milliarden Connected Devices geben wird. Gut 23 Prozent der gesamten Infrastructure- und Platform-as-a-Service-Dienste werden für IoT-Lösungen genutzt. Allein das entspräche einem Umsatz von schätzungsweise 19 Milliarden US-Dollar. Bis 2030 sei dann mit etwa 75 Milliarden Connected Devices zu rechnen.

Jan Rodig, Tresmo Bildquelle: © Tresmo

Jan Rodig, CEO von Tresmo: “Inzwischen entwickeln sich immer mehr IoT-Ansätze hin zu umfangreichen Services mit erheblichem Mehrwert für den Kunden. Das physische Produkt ist dabei nur noch Mittel zum Zweck.”

Was steckt hinter diesen Zahlen? „Der Markt entwickelt sich rasant“, sagt Jan Rodig, CEO des unabhängigen IoT-Dienstleisters Tresmo. Dabei hätten viele Projekte das Teststadium bereits hinter sich gelassen und entwickelten sich zum strategischen Bestandteil des Geschäfts oder definierten sogar das gesamte Geschäftsmodell neu. So könne ein IoT-Service zunächst als Abgrenzung zum Wettbewerb erschaffen werden, um bestehende Marktanteile zu sichern. Dies kann etwa die Bereitstellung einer Anwendung sein, die das ursprüngliche Produkt, zum Beispiel eine Maschine, digital überwacht. Condition Monitoring ist das Stichwort. Solche einfachen Zusatzfeatures, die das Stammprodukt ergänzen, würden nur selten monetarisiert und veränderten das Geschäftsmodell in der Regel nicht grundlegend, erklärt Rodig.

„Inzwischen entwickeln sich immer mehr IoT-Ansätze hin zu umfangreichen Services mit erheblichem Mehrwert für den Kunden. Das physische Produkt ist dabei nur noch Mittel zum Zweck“, so der CEO. Werde eine Maschine beispielsweise nur noch nach konkreter Nutzung abgerechnet, habe dies Einfluss auf das Erlösmodell und die Kundenbindung. Dabei führe nicht jeder neue digitale Service zu zusätzlichem Umsatz, wohl aber ließen sich neue servicebasierte Business Cases umsetzen. Die Prognose des Tresmo-CEOs: „Der Markt entwickelt sich zunehmend hin zu komplexen digitalen Ökosystemen mit vielen symbiotischen Angeboten verschiedener Unternehmen, die komplementär ineinandergreifen. Plattformen spielen dabei eine ganz zentrale Rolle.” Ein Smart Home beispielsweise ist dann nicht mehr nur ein Haus mit verschiedenen Connected Devices, sondern ermöglicht es dem Bewohner aus einer Vielzahl an IoT-Services auszuwählen.
 
Die Wahl der passenden IoT-Plattform
IoT-Projekte werden also strategischer und damit geschäftskritischer. Umso wichtiger ist es, die Umsetzung nicht nur im Geschäftssinn, sondern auch technisch gut zu planen. Grundlage einer IoT-Lösung, sobald sie die Testphase verlässt und skalieren soll, ist eine geeignete IoT-Plattform. Denn sie bringt wichtige Grundfunktionen wie Connectivity, Datenstandardisierung und Sicherheit gleich mit. Mehrere hundert am Markt verfügbare Angebote machen die Auswahl nicht leicht. Zudem sind die verschiedenen Plattformen oft kaum miteinander vergleichbar – es gibt keine allgemeingültige Definition, zu verschieden sind die Anwendungsfälle.

IaaS- und PaaS-Plattformen werden ebenso als IoT-tauglich angeboten wie wirklich für die End-to-End-Kommunikation zwischen Controller und Anwendung entwickelte Plattformen. Erste sind in vielen Fällen jedoch eher ein Backend, dem die notwendigen IoT-Funktionalitäten noch per Software hinzugefügt werden müssen. Die Grenzen zwischen den Anbietern verschwimmen hier zunehmend, wie beispielsweise das Engagement der großen Plattformanbieter Amazon, Google und Microsoft zeigt. Ihr Angebot basiert auf ihren Basis-Cloud-Diensten, wird aber nun um dedizierte IoT-Dienste erweitert. Mit dem „AWS IoT Core“, dem „Google Cloud IoT Core“ oder dem „MS Azure IoT Hub“ sind Unternehmen in der Lage, aus mehreren IoT-spezifischen Services auszuwählen. Diese drei globalen Player nehmen damit starken Einfluss auf den Markt. Zum einen sorgt ihr breiter Marktzugang und ihr umfangreiches Partnernetzwerk dafür, dass IoT-Technologien selbstverständlicher in Produktentwicklungen und strategische Überlegungen einfließen. Zum anderen wird dieses Engagement zu einer deutlichen Marktkonsolidierung führen. Denn Amazon, Google und Microsoft treten damit gleichzeitig in direkte Konkurrenz zu spezialisierten Anbietern, die die Infrastruktur dieser Cloud-Anbieter als Basis nutzen.

„Für die Unternehmen bedeutet das, sich mit Sorgfalt um die Auswahl der richtigen Plattform zu kümmern. Erfahrungsgemäß funktioniert das mit einer systematischen Evaluierung am besten, die die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen der späteren IoT-Lösung abfragt und dabei auch die langfristige Roadmap im Blick hat. Dabei sollten auch die Kosten und Geschäftsmodelle der Plattformanbieter genau beleuchtet und hinterfragt werden“, rät IoT-Experte Jan Rodig.