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DSAG-Investitionsreport 2019: Es geht voran, aber nicht so schnell wie gedacht

Dass der digitale Wandel in der Umsetzung nicht so schnell geht wie geplant, zeigt sich immer wieder – auch die Ergebnisse des DSAG-Investitionsreports 2019 deuten in diese Richtung. Das Wort "Ernüchterung" fällt bei der Vorstellung des Reports durch den DSAG-Vorstandsvorsitzenden Marco Lenck.

Die Frage nach der digitalen Reife eines Unternehmens ist so eine Sache. Einerseits ist da die objektive und faktenbasierte Bewertung gefragt, anderseits auch eine ehrliche und realistische Einschätzung des Status quo. Eine gute Portion Realismus scheint bei den Unternehmen, die die DSAG für ihren Investitionsreport 2019 befragt hatte, nun eingezogen zu sein. Teilgenommen hatten 244 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gefragt, wie weit das eigene Unternehmen bei der digitalen Transformation sei, antworten nur noch 27 Prozent mit „Weit“ (2018: 39 Prozent), 62 Prozent dagegen mit „Nicht sehr weit“ (2018: 52 Prozent).

Digitalisierung Transformation Bildquelle: © DSAG e.V.

Bei der Einschätzung des eigenen Unternehmens nimmt die Skepsis zu – oder der Realismus.

Marco Lenck erklärt diese Einschätzung bei der Präsentation der Ergebnisse damit, dass sich die Themen heute besser greifen ließen und erkannt wurde „welche organisatorischen oder technischen Brocken bei den Digitalisierungsvorhaben noch vor den Unternehmen liegen.“

Kernthemen der Digitalisierung
Doch DSAG-Mitgliedsunternehmen investieren nach wie vor allgemein in die IT. Bei 40 Prozent der Befragten steigt das Budget um rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei rund der Hälfte bleiben die Budgets gleich. Die Investitionen differenzieren sich nicht nach Branchen. Handel, Dienstleistungen und produzierendes Gewerbe verhalten sich ähnlich.

Thematisch steht Big Data bei den Unternehmen ganz oben auf der Liste. 46 Prozent der Befragten gaben an, dass hierzu Projekt geplant oder bereits angestoßen worden sind. Auf Platz zwei rangiert das Internet of Things (43 Prozent), Künstliche Intelligenz und Machine Learning belegt Platz drei (32 Prozent). Die andere Seite der Medaille: 19 Prozent planen zu diesen und weiteren aktuellen Themen keine Projekte.

Digitalisierung Transformation Bildquelle: © DSAG e.V.

Viele Unternehmen sind schon mittendrin in Projekten der digitalen Transformation. Doch 19 Prozent haben noch keine Projekte zu den aktuellen Digitalthemen geplant.

Neu abgefragt wurde in diesem Jahr, ob das Budget für Software-gestützte Geschäftsprozesse von der Fachabteilung bereitgestellt und verantwortet wird. Bei 41 Prozent der befragten Unternehmen ist dem nicht so, die IT-Budgets liegen dort weiterhin bei der IT. Bei 28 Prozent jedoch ist dafür bereits die Fachabteilung zuständig. Somit wandert die Verantwortung und auch das Know-how sowie das Budget für die Abbildung von Geschäftsprozessen allmählich in die Fachabteilungen.

S/4HANA: Noch kein Durchbruch
Was SAP-Produkte betrifft, so wurde auch in diesem Jahr nach der Umstellung der Business Suite auf S/4HANA gefragt. Zusammengefasst: Ein Durchbruch wurde hier bislang noch nicht erzielt.

Digitalisierung Transformation Bildquelle: © DSAG e.V.

Umstieg auf S/4Hana? Ja, aber noch nicht jetzt.

Erst drei Prozent der befragten Unternehmen haben bereits umgestellt, fünf Prozent wollen dies in diesem Jahr noch tun. 39 Prozent haben das in den kommenden drei Jahren vor, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von sechs Prozentpunkten. 30 Prozent planen erst in drei und mehr Jahren nachzuziehen, ein Plus von zehn Prozentpunkten. Projekte die länger dauern oder auf Brownfield-Implementierungen setzen, bei denen der Komplettumzug von einem System ins andere komplex ist, sind mögliche Erklärungsansätze, die Marco Lenck anführt. Auch eine falsche Aufwandsschätzung sei ein möglicher Grund.

Digitalisierung Transformation Bildquelle: © DSAG e.V.

Wenn es um Investitionen geht, nimmt die Relevanz der Business Suite (ECC 6.0) nimmt deutlich ab. Allerdings steigen die Investitionen in S/4HANA nicht in gleichem Maß.

Hand in Hand mit diesen Ergebnissen geht die Entwicklung, dass die SAP-Investitionen der befragten Unternehmen im Hinblick auf ERP-Lösungen in der jüngsten Vergangenheit nur gering gestiegen sind. Gleichzeitig nehmen die Investitionen in die ERP-Lösung Business Suite zwar deutlich ab, doch hat sie weiterhin Bestand. Daher fordert Marco Lenck: „SAP-Kunden, die mit der Umstellungsgeschwindigkeit nicht mithalten können, dürfen nicht abgehängt werden, etwa durch eine deutliche funktionale Ausdünnung der Business Suite.“ Nach Lencks Einschätzung dürfte es „noch eine lange Übergangszeit geben, in der beide Lösungen zum Einsatz kommen.“ Gemeinsam mit SAP wolle die DSAG daher weiter daran arbeiten, DSAG-Mitglieder mit Hilfestellungen und Informationen zu unterstützen.

Erhebungsgrundlage der Umfrage:
Die DSAG hat im Dezember 18/Januar 19 eine Online-Umfrage zu geplanten Investitionen für das Jahr 2019 ausschließlich bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Pro Unternehmen wurde eine Person befragt. 244 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Umfrage teil. Rund die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 2.500 Mitarbeitern.