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Gastkommentar von Huawei: Viele Bäcker, ein globaler Kuchen

Lange Zeit galt China als zwar großer Markt, aber ansonsten günstiger Produktionsstandort ohne Innovationskraft. Die Werkbank der Welt war ein beliebtes Schlagwort und Made in China stand lange Zeit für Massenproduktion ohne hohe qualitative Ansprüche. Dieses Image hat sich gewandelt.

Carsten Senz Huawei Bildquelle: © Huawei

Carsten Senz ist Senior Manager Public Affairs & Government Relations bei Huawei Technologies Deutschland

Auch chinesische Unternehmen setzen zunehmend auf eigene Innovationen und hochwertige Produkte können durchaus chinesischer Herkunft sein. Diese Entwicklung wird in der westlichen Welt auch mit Sorge gesehen, weil neue Wettbewerber mit konkurrenzfähigen Produkte auftreten. Gleichzeitig gibt es in China ambitionierte Innovationsstrategien wie Made in China 2025, die – vom deutschen Konzept der Industrie 4.0 inspiriert – Zukunftstechnologien zur Markt- und Anwendungsreife bringen wollen. Häufig wird, gerade wenn es um Digitalisierung geht, von drei Blöcken ausgegangen: den USA mit ihren Internet- und IT-Giganten wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft und Apple, China mit Alibaba, Tencent oder eben auch Huawei und die europäische Wirtschaft. Die zwar auch bedeutende globale Player wie SAP, Ericsson oder Nokia ihr Eigen nennen kann, aber insgesamt doch eher weniger Gewicht auf die Digitalisierungswaage zu bringen scheint. In Deutschland heißt es dann, man habe die erste Halbzeit bei der Digitalisierung verloren und müsse jetzt dringend in der zweiten Halbzeit aufholen. Aber stimmt dieses Bild wirklich?

Wir glauben: Nein. Richtig ist sicher, dass wirtschaftliche Erfolge in der Vergangenheit und Gegenwart noch kein Garant für Erfolge in der Zukunft sind. Wie in fast allen anderen Lebensbereichen gilt: Man muss sich stets auf das Neue anstrengen – das ist so wahr wie banal. Richtig ist auch, dass gerade Deutschland in manchen Bereichen der Digitalisierung noch mehr tun kann: Beispiel Breitbandausbau oder E-Government. Falsch ist aber die Vorstellung, dass die Digitalisierung der Wirtschaft wie ein Fußballspiel funktioniert, bei der die eine Mannschaft zwingend verliert, wenn die andere gewinnt. Und auch nicht richtig ist die Vorstellung, dass wir es hier mit statischen Blöcken zu tun haben: Made in USA versus Made in Europe versus Made in Asia. So funktioniert eine globalisierte Weltwirtschaft schon lange nicht mehr. Wir haben globale Wertschöpfungsketten, die sowohl Innovation als auch Produktion umfassen. Beispiel Huawei: Wir haben letztes Jahr beim Europäischen Patentamt die meisten Patentanträge aller Unternehmen eingereicht, nicht wenig davon ist auf unser eigenes Europäisches Forschungsinstitut zurückzuführen. Unser größtes Forschungszentrum befindet sich in München mit über 400 Mitarbeitern. Das heißt in Huawei-Produkten steckt sehr viel Made in Germany und Deutschland profitiert auch von hochqualifizierten, gut bezahlten Arbeitsplätzen, die hier geschaffen wurden. Umgekehrt forschen und entwickeln deutsche Firmen auch in China, sodass in Made in Germany manchmal auch ein wenig Made in China steckt. Auf der konkreten Produktebene werden diese Ketten noch komplexer. Hightechprodukte vereinen Komponenten aus vielen Ländern und alle tragen einen Teil der Wertschöpfung bei und profitieren. In den wenigsten Fällen sind solche Produkte Made in one country, sondern es sind ihrem Wesen nach globale Produkte.

Die andere wichtige Dimension über die globalisierten Innovations- und Produktionsketten hinaus sind Partnerschaften und Kooperationen, die mindestens ebenso wichtig sind wie Wettbewerb. Huawei kooperiert mit Leica, wenn es um Smartphone-Fotografie geht, wir haben mit der Deutschen Telekom die Open Telekom Cloud geschaffen, wir arbeiten mit Audi und anderen deutschen Autoherstellern an Connected-Car-Technologien, wir engagieren uns mit vielen deutschen Firmen in der Smart-Factory-Initiative und wir haben mit SAP eine globale Partnerschaft. Wir nennen das Win-Win-Partnerschaften, weil beide Seiten profitieren und gemeinsam werden Innovationen geschaffen, die weder rein deutsch noch rein chinesisch sind, sondern nationale Grenzen sprengen. Und deswegen muss auch niemand eine imaginierte zweite Halbzeit der Digitalisierung gegen jemand anderen gewinnen, sondern wir müssen gemeinsam durch Innovationen daran arbeiten, dass der globale Kuchen wächst, anstatt zu glauben, es ginge darum, sich um größere Stücke eines schrumpfenden Kuchens zu streiten. Die Bäckerei dieses Kuchens wird nicht in China, nicht in Deutschland und nicht in den USA stehen, sondern überall.