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New Work: Das "destillierte" Studium

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Die Ausbildung: komprimiert, praxisorientiert, erfüllend

In nur drei Monaten zum IT-Consultant, das ist ein anspruchsvolles Ziel. Realisiert werden soll dies mithilfe der Accelerated-Learning-Methode, mit der sich komplexe Inhalte innerhalb kurzer Zeit vermitteln lassen. Dieser Ansatz wurde in den 80er-Jahren von dem US-Amerikaner Dave Meier und seinem „Center for Accelerated Learning“ geprägt. Der Erfolg soll durch drei Kernkomponenten gewährleistet werden:

  1. Praxisorientierung.
  2. Inhalte werden durch Teamarbeit gefestigt.
  3. Die Kursteilnehmer erhalten konstantes Feedback vom Kursleiter.

Diese Methode hat sich beispielsweise erfolgreich in Amerika in sogenannten Coding-Bootcamps durchgesetzt – und sie scheint auch für die Academy zu funktionieren.

So ist das Programm des Ausbildungs-Spezialisten hierzulande auf Kurse von 15 bis 30 Teilnehmern ausgelegt. Einzige Anforderungen an die Teilnehmer: Beherrschen der deutschen Sprache und Volljährigkeit. Um die passenden Auszubildenden zu akquirieren, setze man auf einen motivationsbasierten, primär anonymisierten und mehrstufigen Rekrutierungsprozess. Dazu gehört beispielsweise ein Online-Test, der Komponenten wie analytisches Denkvermögen, verbale Intelligenz, logisches Denken – denn Logik hat viel mit Programmieren zu tun – sowie Persönlichkeit und Motivation misst. Wer diese Schritte besteht, wird im Anschluss zu Telefoninterviews und persönlichem Gespräch eingeladen.

Dabei gilt es vor allem herauszufinden, wie groß die Motivation und die persönlichen Voraussetzungen der Teilnehmer sind. Denn ohne eine gewisse IT-Affinität und den unbedingten Willen, das Programm durchzuziehen, kann ein derart straffes Ausbildungsszenario nicht von Erfolg gekrönt sein. „Hier ist ein völlig anderes Auditorium gefordert  – und das ist es auch, was wir im Rekrutierungsprozess abklären“, sagt Leipold. „Würden wir das vorab nicht tun, funktioniert das Konzept nicht. Wir suchen Leute, die für die Sache brennen und dafür auch auf finanzielle Polster zurückgreifen.“ Besonders letzteres ist nicht ohne. „Drei Monatsgehälter muss man sich schon leisten können“, gibt Thomas (35) zu bedenken. Er hat knapp 20 Jahre in einem mittelständischen Betrieb in der Entsorgungsbranche, zuletzt im Vertrieb, gearbeitet und ist nun einer von 14 Teilnehmern, die das erste Academy-Programm im Juli angetreten haben. „Ich wollte schon immer nach der Schule in diese Richtung gehen, aber es hat nicht geklappt. Ich wollte mich beruflich verändern und habe dann die Anzeige auf Facebook gesehen. Bevor ich unterschrieben habe, habe ich gleich losgelegt zu lernen.“ Mit dem Programm der Academy ergebe sich für ihn die Chance, seiner Karriere einen neuen Schub zu geben. „Mir ist es das wert“, konstatiert er.

Academy lernen Bildquelle: © Academy

Rekrutierung in Potenzialen, die HR-Brille absetzen, destillieren und den Grundstein legen – das sind nur einige der Zutaten für das Erfolgsrezept der Academy-Ausbildung.

Der Kurs selbst besteht schließlich zu gewissen Anteilen aus Eigenstudium, Vorbereitung und  Action Learning: Einen Monat vor Kursbeginn bekommen die Teilnehmer einen  Laptop, Lehrbuch und den Zugang zum Learning-Management-System von Academy gestellt. In der vierwöchigen Pre-Study-Phase bilden sich alle primär selbst fort – sowohl mit Videos, Online-Materialien, dem Lehrbuch als auch auch im Austausch mit Lehrern und untereinander über das Management-System. Ziel ist es, ein gemeinsames Wissens- Fundament zu legen, auf dessen Grundlage im Anschluss in den kommenden zwölf Wochen an konkreten Themen gearbeitet werden kann. „Wir bieten so viel Theorie an, wie es notwendig ist“, sagt Philipp Leipold. „Aber vor allem bereiten wir die Menschen auf den Job vor, sodass sie ab Tag eins produktiv sind.“ Ein Ziel der Ausbildung sei es daher, den Teilnehmern ein Grundrüstzeug zu liefern. „Primär ist es uns aber auch ein Anliegen, dass die Leute lernen zu lernen. Dass sie wissen, sie können in unterschiedlichen Umfeldern eingesetzt werden“, ergänzt der Academy-Geschäftsführer. Denn es kann vorkommen, dass das, was man in Woche eins bespricht, in Woche zehn schon längst überholt ist. Bei Programmiersprachen durchaus denkbar.

Die zwölfwöchige Hauptkursphase schließlich ist sehr praxisnah, da vor allem projektorientiert. So kommen jede Woche neue Projekte mit neuen Anforderungen hinzu; die Teams werden stets neu gemischt. Ein solches Projekt könnte beispielsweise sein, dass Firma XY eine Datenbank braucht – und die Teilnehmer entwickeln dann dazu eine Applikation oder setzen die Datenbank selbst auf.  „Immer mit Bezug zur Praxis und immer miteinander. Immer auf neue Leute, Technologien und sich verändernde Rahmenbedingungen gemünzt“, ergänzt Leipold. Auf die Art und Weise würden die Teilnehmer in den zwölf Wochen an die 500 Stunden programmieren. „Das entspricht dem Programmieranteil von einem Bachelor-Informatikstudium an der Hochschule“, so Leipold. „Aber halt komprimiert und praxisorientiert – also destilliert.“

Dass das sehr intensiv ist, steht außer Frage. Aber genau das mache ja auch den Reiz aus: Das konzentrierte Arbeiten an konkreten Praxisaufgaben, die für die spätere Position im Unternehmen von Relevanz sein können. Erst dadurch würden steile Entwicklungskurven geschaffen, denn durch den intensiven Austausch festige man die Inhalte im Gedächtnis und Dozenten könnten auf individuelle Stärken und Schwächen reagieren. „Die Leute sind zwar fertig am Abend, aber auch sehr erfüllt“, so der Academy-Geschäftsführer. Teilnehmer Thomas sieht das ähnlich: „Das ist kein Spaziergang. Man nimmt das nicht eben mal mit.“ Eine Woche Krankheitsausfall oder gar nur ein bis zwei Fehltage wären da  schon fatal und würden einen extrem zurückwerfen. Auf der anderen Seite gibt Thomas zu: „Ich möchte das auch so intensiv haben.“ Außerdem spüre man in jeder Phase der Ausbildung das Wollen dahinter auf Seiten der Dozenten und Auszubildenden. „Man versteht sich sofort, redet miteinander und kommt klar. Oft hat man ja Klassenkonstellationen, die nicht passen, oder Grüppchenbildungen – hier ist das nicht der Fall.“

Extrem wichtig sei zudem der Austausch unter den Teilnehmern und mit den Dozenten. Bei letzteren lege man daher auch großen Wert auf  die Praxisnähe und die Leidenschaft, das eigene Wissen weitergeben zu wollen. Gut findet Thomas in dem Zusammenhang, der selbst vor 20 Jahre das letzte Mal die Schulbank gedrückt hat, dass man bei Problemstellungen nicht immer auf das Resultat gestoßen wird. „Man muss selbst schauen, wie man auf die Lösung kommt. Ich finde diesen Ansatz sehr gut, weil es wirklich dazu anregt, selbst herauszufinden, wie was geht“, so der angehende IT-Consultant.