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Technologien und Performance: Datenübertragung auf kurzen Strecken

Der Bandbreitenbedarf in Deutschland wächst ungebremst, und damit der Druck auf die Netzbetreiber, bestenfalls überall hohe Bandbreiten anzubieten. Große Einigkeit besteht beim mittel- bis langfristigen Ziel Fibre-to-the-Home.

Rennbahn Bildquelle: © Chin Leong Teoh - 123RF
G.fast mit 106 MHz hat gegenüber VDSL2-Vectoring mit Profil 17a oder Profil 35b bis zu einer Streckenlänge von 500 m deutliche Vorteile – das gilt um so mehr für das 2019 verfügbare G.fast mit 212 MHz. Bildquelle: © Keymile

G.fast mit 106 MHz hat gegenüber VDSL2-Vectoring mit Profil 17a oder Profil 35b bis zu einer Streckenlänge von 500 m deutliche Vorteile – das gilt um so mehr für das 2019 verfügbare G.fast mit 212 MHz.

Wo FTTH kurzfristig nicht ausgebaut werden kann, setzen die Netzbetreiber auf VDSL2-Vectoring in seinen Varianten Profil 17a und Profil 35b. Zudem ermöglicht G.fast in FTTB-Installationen sehr hohe Bandbreiten. KEYMILE hat nachgemessen, erläutert die wichtigsten Unterschiede und worauf Netzbetreiber bei der Wahl der FTTC-/FTTB-Technologie achten sollten.

Um den Breitbandausbau voranzutreiben, setzt die Mehrzahl der deutschen Netzbetreiber auf einen Technologiemix aus VDSL2, Vectoring, G.fast und Glasfaser bis zum Teilnehmer. Während sich die Deutsche Telekom auf den Glasfaseranschluss bis zu Hauptverteilern und Kabelverzweigern (FTTC) sowie auf VDSL2-Vectoring konzentriert, gehen die regionalen und lokalen Wettbewerber meist mehrgleisig vor. Parallel zum Ausbau ihrer VDSL2-Vectoring-Infrastrukturen verlegen sie zunehmend FTTB- und FTTH-Glasfaseranschlüsse.

Netzbetreiber erzielen mit VDSL2-Vectoring-Anschlüssen mit Profil 17a im Frequenzspektrum bis zu 17 MHz Downstream-Datenübertragungsraten zwischen 50 und 100 Mbit/s. Vectoring mit Profil 35b nutzt das Frequenzspektrum bis 35 MHz und ist in Deutschland seit einigen Monaten verfügbar; mit VDSL2-Vectoring im Profil 35b können Provider Downstream-Datenübertragungsraten von bis zu 300 Mbit/s erzielen.

Mit G.fast steht ein Übertragungsverfahren bereit, das deutlich höhere Bandbreiten verspricht. Es ist die erste Kupferübertragungstechnologie, die tatsächlich die Datenraten liefert, wie man sie sonst nur über die Glasfaser erreicht. Die verhältnismäßig neue Technologie - G.fast wurde erst 2014 von ITU  verabschiedet – eignet sich für kurze bis sehr kurze Streckenlängen und liefert dort sehr hohe Datenraten. Ursprünglich ging man von bis zu 1.000 Mbit/s auf 100 m aus, als Summenrate von Upstream und Downstream. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen sind es heute jedoch sogar deutlich mehr. Netzbetreiber nutzen G.fast zumeist in FTTB-Architekturen. Dabei kommt G.fast zur Datenübertragung auf der hausinternen Kupferleitung zum Einsatz.

Keymilehat G.fast in seinen FTTB-Micro-DSLAMs im Einsatz. In einer Testumgebung hat Keymile mit dem Micro-DSLAM MileGate 2012 (ausgestattet mit acht G.fast-Schnittstellen) und dem MileGate 2112 (ausgestattet mit 16 G.fast-Schnittstellen) umfangreiche Messreihen zu Datenübertragungsraten und Streckenlängen durchgeführt. Ziel dabei war es zu ermitteln, welche Technologien am besten für bestimmte Anwendungsfälle geeignet sind.

Performance-Betrachtung

Keymile und andere Hersteller nutzen derzeit G.fast mit einem Frequenzbereich von 106 MHz. Getestet wurde auch G.fast mit 212 MHz; diese sich aktuell im Feldversuch befindliche Variante wird ab 2019 verfügbar sein. Ebenfalls im Test liefen Netzknoten mit Vectoring Profil 17a und mit Profil 35b. Betrachtet wurden Streckenlängen bis 500 m (siehe Grafik).

Bis zu einer Streckenlänge von 500 m lassen sich mit G.fast im Vergleich zu VDSL2-Vectoring deutlich höhere Datenraten erzielen. Interessant ist die Messung bis 50 m. Hier erreicht G.fast mit 212 MHz aggregierte Datenübertragungsraten von 1,8 Gbit/s. Ab einem Bereich von 250 m betragen die Übertragungsraten noch rund 700 Mbit/s und ab circa 250 m gleichen sich die Datenübertragungsraten von G.fast mit 106 MHz und G.fast mit 212 MHz an. Der gemessene Maximalwert bei einer Streckenlänge von unter 100 m beträgt bei G.fast mit 106 MHz bis zu 1.000 Mbit/s; bei G.fast mit 212 MHz sind es rund 1,4 Gbit/s. Unter 50 m sind sogar fast 2 Gbit/s möglich.

Ab einer Streckenlänge von mehr als 500 m erreichen G.fast und VDSL2-Vectoring vergleichbare Datenübertragungsraten. Dies bedeutet, dass bei längeren Kupferstrecken VDSL2-Vectoring mit Profil 17a und mit Profil 35b die geeigneteren Verfahren sind, wobei auch hier noch einmal zu differenzieren ist: Bis zu einer Streckenlänge von ca. 700 m hat VDSL2 Profil 35b Vorteile gegenüber VDSL2 Profil 17a.