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Bechtle im Interview: "Die IT kämpft oft gegen interne Hürden"

Bechtle, Deutschlands größtes IT-Systemhaus, treibt bei seinen Kunden die Modernisierung des Arbeitsplatzes voran. Noch ist der Markt aber heterogen, gerade Mittelständler seien oft "sehr starr" in ihren Strukturen. Eine Chance für die IT, als Innovator aufzutreten.

Hürdenläufer Bildquelle: © ostill-123rf

Der Digital Workplace bietet der IT die Möglichkeit, Hürden zu überwinden und als Innovator aufzutreten.

funkschau: Das Thema „Modern Workplace“ ist in Ihrer Kommunikation und auf Bechtle-Veranstaltungen sehr präsent. Herr Wilker, spiegelt sich diese Bedeutung auch in der aktuellen Nachfrage aus dem Markt wider?

Andreas Wilker: Wir haben in vielen deutschen Städten Demo-Räume rund um den digitalen Arbeitsplatz etabliert, nach denen es eine sehr hohe Nachfrage gibt. Unsere Kunden wollen das Thema live erleben. Förderlich für ein steigendes Interesse ist dabei vor allem die Diskussion rund um die All-IP-Umstellung im Bereich der Telefonie. Aber auch die Modernisierung der Arbeitswelt und die damit einhergehenden Anforderungen der Mitarbeiter sind wichtige Treiber.

Andreas Wilker, Mitglied der Geschäftsleitung, Bechtle Bildquelle: © Bechtle

Andreas Wilker, Mitglied der Geschäftsleitung, Bechtle

funkschau: Welche Unternehmen sind es konkret, die bereits Digital-Workplace-Konzepte anstoßen? Lässt sich hier ein Muster erkennen?

Wilker: Die Öffentliche Hand ist noch sehr zurückhaltend, wenn es im Speziellen um das Thema Cloud geht. Der Mittelstand öffnet sich aber immer weiter für die Cloud, beispielsweise für Office 365, und interessiert sich im nächsten Schritt dafür, was sich mit der Lösung noch umsetzen lässt. Office 365 ist für den digitalen Arbeitsplatz ein wichtiger Grundstein. Unsere Erfahrung zeigt aber auch, dass viele Unternehmen die zahlreichen Möglichkeiten der Collaboration-Lösung noch gar nicht nutzen.

funkschau: Ist der Digital Workplace ohne Cloud also nicht möglich?

Wilker: Ohne die Cloud wird es sehr schwierig. Wenn ein Unternehmen die Cloud kategorisch ausschließt, dann muss es letztendlich immer mit Behelfslösungen arbeiten. Die Cloud ist die absolute Basis und viele Hersteller werden in Zukunft nichts anderes mehr anbieten. Daher bleibt es nicht aus, dass sich Unternehmen weiter öffnen müssen.

funkschau: Wie sollte ein Digital-Workplace-Projekt über die Cloud hinaus aussehen? Gibt es eine Blaupause, ein anwendbares Gesamtkonzept?

Wilker: Nein, dafür sind die Ausgangssituationen unserer Kunden viel zu unterschiedlich. Wir gehen bei jedem Kunden hin und segmentieren das gesamte Projekt. Oft beginnt das Unternehmen dann mit der Einführung von einfachen Werkzeugen und kleinen Facetten, die sich nach den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten richten. Dieses langsame Vorgehen ist aber auch wichtig, um die Menschen nicht zu überfordern. Technisch ist der Digital Workplace kein Problem mehr, aber es ist entscheidend, wie ich den Anwender mitnehme. Die Einführung eines Mobile Device ist eben noch kein Digital Workplace, ich muss einen Spirit im Unternehmen etablieren. Die Nutzer müssen Spaß daran haben, das ist der große Schlüssel.  

funkschau: Und wie kann das gelingen? Ist jeder Arbeitsplatz gänzlich individuell?

Wilker: Entscheidend ist eine rollenbasierte Ist-Aufnahme. Beispielsweise sieht ein Arbeitsplatz in der Logistik anders aus als ein typischer Büroarbeitsplatz. Die meisten Anwender arbeiten jedoch mit der gleichen Basis, das spiegelt sich auch in der Planung des Projektes und der Lösung wider. Es funktioniert hingegen nicht, dass sich jeder Mitarbeiter für eine andere Collaboration-Lösung entscheidet. Stattdessen empfiehlt es sich, Key User mitzunehmen, die Neuerungen wiederum in ihre Abteilung tragen.