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All-IP: Löst das Internet die klassische Telefonie ab?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Mobilfunkanbieter setzen mit WiFi-Calling dagegen

Mit der WiFi-Telefonie, auch VoWiFi, legen die Mobilfunkanbieter nun nach und möchten sich die verlorenen Marktanteile zurückerobern. Das WiFi-Calling kann direkt in den Handy-Einstellungen eingeschaltet werden und funktioniert anschließend nicht anders als ein „normales“ Telefonat über das Mobilfunknetz auch. Voraussetzung ist lediglich ein entsprechender Tarif von Telekom, Vodafone oder Telefonica und ein LTE-fähiges Endgerät. Der Vorteil liegt auf der Hand: WLAN-Telefonie bietet selbst innerhalb von Gebäuden oder in Funklöchern eine exzellente Qualität.

Dennoch hat die WiFi-Calling Technologie auch ihre Grenzen: So sind beispielsweise keine Notrufe möglich, weder im Inland noch im Ausland. Zudem kann es bei Auslandsgesprächen zur Kostenfalle werden, denn WLAN-Anrufe werden stets nach dem deutschen Tarif abgerechnet, sprich es entstehen jene Kosten, die auch für einen Anruf über das Mobilfunknetz innerhalb von Deutschand entstehen würden. Somit können bei Anufen ins Ausland Roaminggebühren anfallen, obwohl es sich um einen WiFi-Call handelt. Auch die Regulierung der Roamingkosten innerhalb der EU konnte daran nichts ändern. Bis zu einem Euro pro Minute kosten solche Tarife bei Anrufen ins EU-Ausland, noch teurer wird es unter Umständen, wenn die Nutzer in Nicht-EU-Länder telefonieren.

Vorsicht mit dem WiFi-Calling im Ausland

Der Haken an der Sache ist also, dass sich das Smartphone bei der WLAN-Telefonie nicht, wie bei der „normalen“ Telefonie via Mobilfunknetz, beim Aufenthalt im Ausland in ein inländisches Netz einwählt. Stattdessen gilt stets das deutsche Netz als Ausgangspunkt, was wiederum die Roaming-Gebühren in die Höhe treiben kann. Wer also nicht von Deutschland ins Ausland telefoniert, sondern sich selbst im EU-Ausland befindet, sollte auf den WiFi-Call verzichten. Doch die Sache wird noch komplizierter: Wer sich im Nicht-EU-Ausland befindet, sprich abseits der regulierten Roaming-Tarife, kann wiederum durch den WLAN-Call eine Menge Geld sparen. Denn Anrufe aus der Ländergruppe 3 nach Deutschland sind bei den heimischen Mobilfunkanbietern über das Internet kostenlos, während sie über das Mobilfunknetz mit mehreren Euro pro Minute zu Buche schlagen würden.

Das Telefonieren mittels WiFi kann also tatsächlich eine kostengünstigere Variante für Anrufe über Ländergrenzen hinweg sein – allerdings sind die Gebühren aus Verbrauchersicht sehr undurchsichtig und genau deshalb erfreut sich das WiFi-Calling bislang eher geringer Beliebtheit. Ob die Mobilfunkanbieter sich damit langfristig gegen andere VoIP via Smartphone Anbieter durchsetzen können, beispielsweise eben Skype oder Whatsapp, bleibt zum Status Quo also fraglich.

Und wie sieht die Zukunft der Cloud-Telefonie aus?

Vor allem für Geschäftskunden stellt mittlerweile die Cloud-Telefonie eine echte Alternative zu anderen VoIP-Angeboten dar. Eine solche virtuelle Telefonanlage bringt wiederum spezifische Vorteie mit sich. Dazu gehört beispielsweise das Wegfallen unnötiger Hardware sowie von langjährgen und teuren Wartungsverträgen. Stattdessen ist für die Infrastruktur lediglich eine zuverlässige sowie leistungsstarke Internetverbindung notwendig – welche in vielen Unternehmen ohnehin unverzichtbar ist. Ausfallsichere Server, abhörsichere Verschlüsselung, exzellente Sprachqualität, günstige Kosten, Bedienerfreundlichkeit sowie die Möglicheit, die virtuelle Telefonanlage individuell auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse anzupassen, versprechen der Cloud-Telefonie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine rosige Zukunft.

Jedoch gibt es auch hier einen Haken: In Deutschland herrschen in puncto Cloud-Technologie nach wie vor Sicherheitsbedenken. Weiterhin herrscht in vielen Unternehmen Unklarheit darüber, inwiefern sich die Cloud-Telefonie mit den strengen Datenschutzbestimmungen aus der EU-DSGVO vereinbaren lässt. Das Potenzial ist zwar groß, jedoch bleibt auch die Cloud-Telefonie aus diesen Gründen bislang noch hinter den Erwartungen – und anderen Ländern wie den USA – zurück und verbreitet sich hierzulande eher schleppend. Irgendwie scheint es also trotz der zahlreichen technologischen Möglichkeiten aus Verbrauchersicht an einer wirklichen Alternative zu ISDN zu fehlen. Dennoch wird VoIP in den verschiedensten Ausprägungen die Zukunft der Telefonie sein, so viel scheint zum Stand heute sicher. Ob sich hierbei aber die klassischen Mobilfunkanbieter durchsetzen können oder ihre Konkurrenten, bleibt abzwuarten. Das Fazit lautet somit: Ja, das Internet löst die klassische Telefonie ab – aber inwiefern, kann aktuell noch niemand mit Sicherheit sagen. Es bleibt also spannend!