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Digital Workplace: Es wird persönlich

Der moderne, digitale Arbeitsplatz lässt sich nicht pauschalisieren. Er ist die Summe vieler Einzelteile – wie User Experience, Sicherheit und Gerätemanagement –, die Ralf Gegg vom Virtualisierungs-Spezialisten Vmware im Interview näher beleuchtet.

Ralf Gegg von Vmware Bildquelle: © Vmware

"Gerade, wenn es um so etwas Persönliches wie den eigenen Arbeitsplatz geht, dürfen die Befindlichkeiten der Arbeitnehmer nicht unterschätzt werden. Der Mitarbeiter sollte deshalb bei allen Projekten im Mittelpunkt stehen", sagt Ralf Gegg. Er ist als Senior Director End User Computing, CEMEA, zuständig für das Business Mobility-Geschäft in Zentral- und Osteuropa sowie Russland/CIS bei Vmware.

funkschau: Was sind für Sie die derzeit wichtigsten technologischen Entwicklungen im Bereich Digital Workspace?

Ralf Gegg: Die wohl wichtigste Entwicklung findet meiner Meinung nach in den Bereichen User Experience und Security statt. Viele Nutzer arbeiten heute auf mehreren Endgeräten. Am wichtigsten für den Anwender ist das Nutzererlebnis und das Vertrauen, unabhängig vom Endgerät sicher und effektiv arbeiten zu können. Durch Single Sign-On und einen zentralen Anwendungskatalog können wir heute geräteübergreifend alle Arten von Applikationen bereitstellen. Zudem kann der gesamte Lebenszyklus von Endgeräten für alle gängigen Betriebssysteme über eine zentrale Managementkonsole verwaltet werden. Natürlich ist die Sicherheit in diesem Zusammenhang besonders wichtig, weshalb hier ein entsprechender Ansatz auf mehreren Ebenen erforderlich ist, der Nutzer, Endpunkte, Anwendungen, Daten und Netzwerke umspannt.

funkschau: Welche Trends sehen Sie beim Thema Digital Workspace?

Gegg: Besonders das Thema Künstliche Intelligenz. Denn mit intelligenter Software lassen sich Ereignisse vorhersagen und auf Basis von definierten Regeln und Richtlinien Prozesse automatisieren, um negative Ereignisse zu vermeiden oder Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Kontextbasierte Aktionen helfen dabei, die Effizienz im gesamten Unternehmen zu steigern und die Komplexität und Belastung durch manuelle Aufgaben erheblich zu verringern.

Auch der Themenkomplex Internet of Things (IoT) findet in diesem Rahmen Einzug und spielt besonders bei mobilen Devices eine große Rolle. Denn bei der Vernetzung internetfähiger Geräte werden nicht nur Sicherheits-, sondern auch klassische IT-Management-Aspekte immer wichtiger. Hier sind Lösungen notwendig, die IT-Teams die nötige Sichtbarkeit und Kontrolle über ihre IoT-Anwendungsfälle bieten und gleichzeitig über die gesamte IoT-Wertschöpfungskette Sicherheit und Compliance garantieren.

funkschau: Was sind die derzeit größten Herausforderungen für Unternehmen in dem Zusammenhang?

Gegg: Die größte Herausforderung ist es aktuell, unterschiedlichste mobile Endgeräte-Typen in die bestehende IT-Infrastruktur eines Unternehmens einzubinden. Mittlerweile handelt es sich nicht mehr nur um Laptops und Smartphones, sondern eben auch um IoT-Devices. Die Bandbreite der Geräte und die Anforderungen der Mitarbeiter sind sehr vielfältig und individuell. Zudem kommt in Deutschland auch noch die Herausforderung durch die EU-DSGVO hinzu. Denn dort wird in Artikel 25 „Privacy by Design und by Default“ vorausgesetzt, also „Datenschutz nach Design und nach Standard“. Das bedeutet, dass die Absicherung der Geräte sowie die Absicherung der Daten höchste Priorität haben.

funkschau: Auf welche Kriterien sollten Kunden bei der Auswahl einer Digital-Workspace-Lösung achten?

Gegg: Aufgrund der Vielfalt an Anforderungen haben viele Unternehmen über die Jahre für jede Endgeräteplattform Silos gebaut. Dieser Ansatz ist aus meiner Sicht überholt, da er nicht skaliert und die Komplexität nur sehr schwer zu beherrschen ist. Dies bedingt hohe Kosten und auf neue Herausforderungen kann nur sehr langsam reagiert werden. Daher ist meine Empfehlung, in eine intelligente Plattform zu investieren. Damit können IT-Administratoren alle Arten von Anwendungen auf jeglichen Geräten sicher bereitstellen und verwalten. Eine integrierte, kontextbasierte Zugriffskontrolle und Anwendungsmanagement sowie plattformübergreifendes Endgerätemanagement sind weitere notwendige Komponenten. Unverzichtbar ist außerdem der Sicherheitsaspekt. Auch zur Verwaltung von IoT-Devices ist eine solche plattformunabhängige Verwaltung aus meiner Sicht unerlässlich.

funkschau: Wie lässt sich der digitale Arbeitsplatz umsetzen?

Gegg: Die Transformation zum digitalen Arbeitsplatz erfordert eine ganzheitliche Veränderung der IT-Servicebereitstellung. Benötigt wird eine Plattform, die digitale Arbeitsplätze unterstützt und die erforderliche Infrastruktur liefert, um Anwendungen und Daten auf praktisch jedem genutzten Gerät bereitzustellen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch ein vereinfachtes Anwendungs- und Zugriffsmanagement sowie ein einheitliches Endpunktmanagement und eine Veränderung bei der Verwaltung von Windows-Endgeräten.

Im Rahmen der Transformation sollte jedoch nicht nur der rein technologische Prozess im Vordergrund stehen, auch die organisatorische Veränderung spielt eine Rolle. Denn gerade, wenn es um so etwas Persönliches wie den eigenen Arbeitsplatz geht, dürfen die Befindlichkeiten der Arbeitnehmer nicht unterschätzt werden. Der Mitarbeiter sollte deshalb bei allen Projekten im Mittelpunkt stehen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Technologie letztendlich auch akzeptiert wird.