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Der Telekommunikationsmarkt 2018: Weniger Sprachtelefonie, mehr Datenhunger

VATM und Dialog Consult haben ihre alljährliche Studie zum deutschen Telekommunikationsmarkt vorgestellt. Die Studie konstatiert unter anderem, dass der Gesamtumsatz mit TK-Diensten stabil bleibt. Mit Blick auf die Zukunft fordert der VATM Klarheit für den Gigabit-Ausbau.

Breitbandausbau Bildquelle: © Fotolia / James Thew

Der Erlös der Telekommunikationsanbieter wird in diesem Jahr laut Studie ähnlich hoch ausfallen wie in 2017. Lag der Gesamtumsatz mit TK-Diensten in Deutschland im vergangenen Jahr bei 59,3 Milliarden Euro, werden es 2018 voraussichtlich 59,4 Milliarden Euro sein. Dabei wird der Kabelmarkt weiter wachsen (+3,6 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro), bei der Telekom (-0,5 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro) und den Wettbewerbern (31,9 Milliarden Euro) bleiben die Gesamtumsätze nahezu konstant. Ähnliches gilt für den Umsatz im Mobilfunkmarkt, der rund 26,6 Milliarden (2017: 26,5 Milliarden Euro) umfassen wird – 18,6 Milliarden Euro (im Vorjahresvergleich +1,1 Prozent) entfallen auf die Wettbewerber und 8,0 Milliarden Euro auf die Telekom (-0,1 Prozent). Zum ersten Mal macht der Umsatz mit Datenverkehr mit 53 Prozent (14,1 Milliarden Euro) mehr als die Hälfte des Mobilfunkumsatzes aus. Das sind Ergebnisse der 20. gemeinsamen TK-Marktstudie, die Dialog Consult und VATM am 9. Oktober in Berlin vorgestellt haben.
 
„Drei gegenläufige Trends bewirken den nahezu gleichen Gesamtumsatz wie im Vorjahr: 1. Ein anhaltender Wettbewerb führt zu Preissenkungen für den Endverbraucher. 2. Die Anschlusszahlen steigen bei höheren Bandbreiten und die übertragenen Datenvolumina nehmen zu. 3. Steigerungen bei der Nutzung von Datendiensten können preislich nicht immer komplett an die Kunden weitergegeben werden. Oder anders gesagt: Der Kunde bekommt mehr Leistung für sein Geld“, sagte Studienautor Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, wissenschaftlicher Beirat der Unternehmensberatung Dialog Consult und Inhaber des Lehrstuhls für TK-Wirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Während die durchschnittlichen Umsätze pro Mobilfunk-SIM in 1998 bei 57,26 Euro lagen, betragen sie heute nur noch 16,68 Euro. Für 2019 erwartet Prof. Gerpott im Mobilfunk erneut einen leichten Preisrückgang.
 
Im Festnetzmarkt werden die Unternehmen wie im Vorjahr 32,8 Milliarden Euro umsetzen – 13,8 Milliarden Euro davon entfallen wie 2017 auf die Telekom, die Wettbewerber verbuchen dieses Jahr 13,3 Milliarden Euro (2017: 13,5 Milliarden Euro/-1,5 Prozent). Bei den Kabelnetzbetreibern setzt sich das Wachstum fort. Einen großen Beitrag zum Festnetzumsatz der Telekom leisten die Einnahmen durch Vorleistungsprodukte, die die Wettbewerber beim Ex-Monopolisten einkaufen (Abb. 13). „Vor allem infolge der zweiten Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur müssen viele Wettbewerber verstärkt auf Bitstrom-Vorleistungen zurückgreifen. Das hat die Abhängigkeit der alternativen Festnetzanbieter von Telekom Deutschland in den letzten Jahren deutlich erhöht“, erläutert Prof. Gerpott. Bei Zugängen auf Basis eines virtuellen Bitstrom-Zugangs fließen pro Euro Umsatz direkt 70 Cent an die Telekom Deutschland.
 
Trotz teils stagnierender Umsätze erreichen die Investitionen in Sachanlagen laut Studie dieses Jahr rund 8,3 Milliarden Euro – und damit den höchsten Wert seit dem Jahr 2001. Das sind rund 0,1 Milliarde Euro mehr als in 2017. Seit der Marktliberalisierung haben die Wettbewerber rund 78 Milliarden Euro investiert, die Telekom 73 Milliarden Euro.
 
Erstmals eine Million FTTB/H-Kunden
Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse steigt in diesem Jahr erneut: Sie nimmt um rund 1,1 Million auf 34,3 Millionen zu (+3,3 Prozent) (Abb. 10). Etwa 3,4 Millionen Haushalte (+ 520.000) werden Ende 2018 an Glasfasernetze bis ins Gebäude/bis in die Wohnung (FTTB/FTTH) angeschlossen sein – 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Haushalte, die diesen Anschluss auch buchen, legt insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel auf erstmals über eine Million zu. Neun von zehn Haushalten, die Ende 2018 einem FTTB/H-Anschluss nutzen, beziehen diesen nicht von der Telekom, sondern von einem alternativen Carrier. Die Wettbewerber bauen drei Viertel der Glasfaseranschlüsse bis zum Gebäude (FTTB) oder in die Wohnung (FTTH) in Deutschland. „Während die Wettbewerbsunternehmen bei FTTB/H eine Take-Up-Rate von mehr als 35 Prozent erreichen, liegt diese bei der Telekom Deutschland nur bei etwa 13 Prozent“, so TK-Experte Prof. Gerpott: „Die Wettbewerbsunternehmen haben mehr echte Glasfaser-Kunden als die Telekom hier FTTB/H-Anschlüsse besitzt.“   Die Kunden wollen mehr Geschwindigkeit. Der Anteil der nachgefragten Festnetzanschlüsse mit mindestens 50 MBit/s Downstream-Bandbreite wird 2018 auf ein Drittel zulegen – rund ein Fünftel mehr als noch im Vorjahr. Der Datenhunger in Deutschland nimmt weiter rasant zu: Über mobile Anschlüsse werden in diesem Jahr 2,5 Milliarden Gigabyte in Mobilfunknetzen verschickt oder heruntergeladen – das bedeutet eine Steigerung um 86 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Festnetz übertragen die Nutzer 2018 rund 36,5 Milliarden Gigabyte – das bedeutet eine Steigerung von 12,3 Prozent. Beim Telefonieren setzt sich der seit 2014 bestehende Trend weiter fort: Es wird weniger gesprochen. In diesem Jahr sind es 896 Millionen Minuten täglich (-13 Millionen Minuten pro Tag). Im Festnetz sinkt die Zahl der Gesprächsminuten deutlicher von 340 auf 325 Millionen pro Tag, im Mobilfunknetz um „nur“ drei Millionen Minuten auf 306 Millionen Minuten pro Tag. Software-basierte Telefonie-Anwendungen, wie unter anderem Skype und Whatsapp, gewinnen insgesamt an Bedeutung (+2 Prozent; 265 Millionen Minuten täglich).