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Made in Germany: Qualität macht den Unterschied

Gigaset hat Mitte des Jahres als erster ITK-Hersteller die Smartphone-Produktion von Asien nach Deutschland verlagert. Dies soll sich im Kontext von Industrie 4.0-Produktionsverfahren im Werk in Bocholt als Wettbewerbsvorteil für das Telekommunikations-Traditionsunternehmen erweisen. Ein Interview.

Gigaset Einsteiger-Smartphones GS185, GS180, GS100 Bildquelle: © Gigaset

Mit den Modellen GS185, GS180 und GS100 (von links nach rechts) erweiterte Gigaset seine Smartphone-Familie Mitte des Jahres gleich um drei neue Einsteiger-Smartphones und präsentiert damit zeitgleich die ersten 2018er-Modelle "made in Germany".

funkschau: Gigaset konzentriert sich auf die Entwicklung von hochwertigen Produkten in den Geschäftsfeldern Business Customers und Mobile Devices und setzt dabei verstärkt auf das Label „Made in Germany“. Was verstehen Sie unter dem Begriff?

Klaus Weßing: Nicht nur unsere Produkte aus den Bereichen Mobile Devices und Business Customers sind in Deutschland produziert. Die Fertigung in Deutschland war für Gigaset schon immer ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb. Begonnen hat dies 1941 im Werk Bocholt mit der Produktion von Telefonen. Das ist auch heute noch so. Auch unser Smart-Home-Portfolio wird in Bocholt gefertigt. Entsprechend haben wir mit der Produktion von Smartphones in Deutschland nun die letzte Lücke geschlossen. Konkret verstehen wir unter der Fertigung in Deutschland, dass wir versuchen, einen möglichst großen Wertschöpfungsanteil ins Land zu holen. Aktuell sind dies bei Smartphones rund 60 Prozent gegenüber einer Wertschöpfung von 40 Prozent bei den zur Herstellung benötigten Komponenten aus dem Ausland. Darüber hinaus wird die komplette Produktdefinition, also das Produktdesign, das technische Produktkonzept und die individuellen Leistungsmerkmale des Geräts durch uns definiert. Auch die Qualitätssicherung während der Entwicklung und während der Produktion wird von uns durchgeführt. Die Qualitätssicherungsmaßnahmen  werden analog zu den schon immer in Bocholt produzierten DECT- und Business-Customers-Produkten durchgeführt. Hierzu gehören unter anderem Klima-, Akustik-, Dauerbeanspruchungs-, Überspannungs-, Software-, Netzwerk-, Material- und Feld-Tests. Die Fertigung in Deutschland bedeutet für uns also, dass tatsächlich eine Wertschöpfung durch lokale Arbeitskräfte in Deutschland stattgefunden hat.

funkschau: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Label „Made in Germany“ gemacht?

Weßing: Der Markt hat sich verändert und damit auch die Anforderungen der Kunden. Daher würde ich diese Frage gerne differenziert angehen. Die Produktion in Deutschland hat uns schon immer begleitet. Somit hat das Label für uns eine gewisse historische Tragweite. Allerdings haben wir nicht das Ziel gehabt, die Produktion in Deutschland einfach auch für Smartphones möglich zu machen. Vielmehr haben wir, wie eingangs gesagt, Signale aus dem Markt wahrgenommen. Gerade Europa – der Kernmarkt von Gigaset – ist mit Blick auf Smartphones übersättigt und hochgradig ausdifferenziert. Kunden wünschen sich mehr Individualität im Produkt, mehr Einzigartigkeit.

Klaus Weßing, CEO von Gigaset Bildquelle: © Gigaset

Klaus Weßing, CEO von Gigaset: “Wir müssen uns immer wieder neu erfinden, um am Markt erfolgreich zu bleiben und anspruchsvolle Arbeitsplätze zu sichern.”

Gleichzeit hat sich im Rahmen von Industrie 4.0 die Fertigung deutlich verändert. Es kommen zunehmend Roboter zum Einsatz. So auch in unserer Produktion. Wir sind diesen Schritt mitgegangen und konnten so erstmals die Produktion nach Deutschland holen – in einem ganz neuen Setup auf modernstem Fertigungsniveau mit hohem Standardisierungs- und Mechanisierungsanteil. Die modernen Fertigungsmethoden ermöglichen uns Mensch-Maschine-Kooperations-Prozeduren. Somit steigern wir die Qualität unserer Produkte und können selbst kleinste Losgrößen bedienen. Somit schließt sich der Kreis. Einmal ist für uns „Made in Germany“ historischer  Begleiter und einmal ein Ergebnis, das aus dem Markt heraus an uns herangetragen worden ist und das wir bedienen konnten. Damit steht das Label „Made in Germany“ auch heute unvermindert für Innovationsgeist, Qualität und präzise Fertigung. Das schätzen Kunden in Deutschland wie auch in der ganzen Welt. Gerade beim Thema Smartphones sind neue USPs dringend gesucht. Ständig nur die Pixeldichte oder die Auflösung der Kamera zu verbessern ist zwar schön, aber differenziert eben nur zu einem gewissen Grad. Die Produktion in Deutschland bringt neuen Schwung in die Sache und wir erhoffen uns eine positive Implikation auf unser Geschäft. Unsere Handelspartner sind auf jeden Fall bereits sehr angetan.

In Summe profitieren wir durch unseren Standort in Bocholt von dem enormen Vorteil, dort alle relevanten Instanzen an einem Standort gebündelt zu haben: Entwicklung, Produktmanagement, Qualitätssicherung, Service, Produktion, Logistik, etc. Die Nähe garantiert eine effiziente Kooperation zwischen  den einzelnen Bereichen und fördert das gegenseitige Verständnis. Die seit Jahren im DECT-Schnurlostelefon-Bereich etablierten Entwicklungsprozesse haben zu einem großen Erfahrungsschatz geführt, den wir nun auch für den Smartphone-Bereich einsetzen können und so eine reibungslose und termingerechte Produktbereitstellung sicherstellen können. Die Vernetzung von Gigaset in der Region führt zu ökologisch, nachhaltigen Lösungen zum Beispiel im Bereich der Druckerzeugnisse und der Logistik, da wir hier recyclingfähige Materialen und kurze Zulieferwege einsetzen können. Die eigens entwickelten automatisieren Systeme generieren in Konzeption, Aufbau und Betrieb neuartige Arbeitsplätze, die gut ausgebildete Fachkräfte benötigen und um ein vielfaches über die reinen Arbeitsplätze in der unmittelbaren Produktionslinie hinausgehen.