Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Intelligente Netzwerke: Die Entmystifizierung von SD-WAN

Zwar stellen einige Großunternehmen bereits auf SD-WAN um, die breite Masse an Unternehmen beobachtet die Entwicklungen jedoch noch abwartend. Warum? Wie um viele Dinge, die neu und komplex sind, rankt sich auch um SD-WAN der ein oder andere Mythos, den es aufzuklären gilt.

Tarotkarten Bildquelle: © fs-Isoon Wasukitsawat-123rf

Mythos 1: SD-WAN legt man „einfach“ über ein bestehendes physisches Netzwerk und verfügt sofort über ein stabileres Netz
Software-Defined Wide Area Networking bedeutet im Grunde tatsächlich, dass mit Hilfe einer softwarebasierten Lösung Netzwerke nicht mehr über die physische Infrastruktur an den verschiedenen Niederlassungen gesteuert werden, sondern über ein softwaregesteuertes, virtuelles privates Netzwerk. So können Unternehmen mit zahlreichen verschiedenen Standorten ihr Netzwerk auf einfache Art und Weise vereinheitlichen – über die verschiedensten privaten, lokalen Netzwerke wird das cloudbasierte SD-WAN gelegt und somit die Steuerung, Konfigurierung, Wartung und Überwachung des Netzwerks zentralisiert und damit auch beschleunigt. Durch diesen Aufbau werden WAN-Nutzern die Vorteile eines softwaredefinierten Netzwerkes (SDN) erschlossen: So sind beispielsweise eine dynamische Anpassung der Transportkanäle für Applikationen und bessere Einblicke in das Netzwerk möglich. Dennoch ist die Einrichtung eines SD-WANs nicht „einfach nur“ das Darüberlegen des softwarebasierten Netzwerkes. Auch wenn mit dieser einheitlichen Lösung die Schnittstellen deutlich einfacher zu verwalten sind, muss doch an den einzelnen Standorten zunächst das entsprechende Equipment installiert werden, das den Verkehr über das überlagernde Netzwerk leitet. Dieses Equipment kann ein physisches Gerät sein. Für Unternehmen mit einem komplexen Netzwerk können virtuelle Vorrichtungen genutzt werden, die auch die Netzwerkfunktionen, wie zum Beispiel Firewalls, unterstützen. Zudem existieren Hybridlösungen, die sowohl physische als auch virtuelle Anwendungen nutzen.

Mythos 2: Mit SD-WAN ist das Netzwerk sicher
Aufgrund der Software-Einstellungen ist es wesentlich einfacher, den Verkehr, der über das Netzwerk läuft, zu analysieren als es in herkömmlichen Netzwerken der Fall ist. Dieser umfassendere Einblick führt zu erhöhter Sicherheit, da Administratoren verdächtige Aktivitäten schneller identifizieren können. Zudem haben multinationale Unternehmen mit SD-WANs den Vorteil, dass sie nur noch einen Netzwerkanbieter haben und sich somit Sicherheitsvorfälle schneller erkennen und bekämpfen lassen, als mit den 23 verschiedenen Netzwerkanbietern, die Unternehmen entsprechender Größe im Schnitt unter Vertrag hat. Eine ganzheitliche, softwarebasierte Netzwerklösung bietet also Vorteile in puncto Sicherheit. Dennoch kann sie eine umfassende Sicherheitsstrategie nicht ersetzen, sondern muss vielmehr ein Teil dieser sein. So sollten Maßnahmen wie starke Verschlüsselung oder Authentifizierung auch im SD-WAN ergriffen werden, um eine umfangreiche Netzwerksicherheit zu gewährleisten.

Mythos 3: SD-WAN löst alle bestehenden Netzwerkprobleme  
Auch wenn SD-WANs das Management des Wide-Area-Verkehrs über das überlagernde Netzwerk regeln, ist das darunterliegende, physische Netzwerk dennoch von Bedeutung. Die neue Lösung kann Probleme, die durch ein Sammelsurium an qualitativ schlechten Verbindungen entstehen, nicht auf magische Weise lösen. Auch auf dem unteren Netzwerklevel ist solide Leistung von Bedeutung, damit SD-WANs den erhofften Erfolg bringen.