Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Ein Jahr nach Equifax: Was wir aus der Mega-Datenschutzverletzung (nicht) gelernt haben

Vor genau einem Jahr passierte der Datensicherheits-GAU, als beim amerikanischen Credit Bureau Equifax Datensätze von über 143 Millionen US-Amerikanern in die Hände von Cyber-Kriminellen gefallen sind. Ein Kommentar von Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis.

Bildquelle: © ra2 studio - fotolia
Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis Bildquelle: © Varonis

Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis

Equifax ist in etwa vergleichbar mit der Schufa. Bei der Datenschutzverletzung gigantischer Ausmaße gelangen die Datensätze von über 143 Millionen US-Amerikanern mit deren Namen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern, Adressen und teilweise auch Führerscheindaten in die Hände von Cyber-Kriminellen.

Man sollte annehmen, dass ein solcher Datenskandal einen weltweiten Lerneffekt bei Unternehmen auslöst – die Wahrheit sieht aber anders aus, wie Thomas Ehrlich in seinem Kommentar schildert.

Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis: “Nichts wäre mir lieber als zu konstatieren, dass Unternehmen in den letzten zwölf Monaten enorme Fortschritte bei der Datensicherheit gemacht hätten, aber dies ist eher die Ausnahme als die Regel. Der Fall Equifax zeigt deutlich, dass noch nicht allen Unternehmen der Wert ihrer (anvertrauten) Daten bewusst ist und welches Risiko diese Daten bergen.

Es wäre aber falsch, nur auf die Unternehmen zu zeigen. Auch bei den Verbrauchern hat sich – erschreckenderweise – seitdem kaum etwas verändert. Nach wie vor scheint das Thema Datensicherheit für sie kaum Relevanz zu haben. Sie verlangen offensichtlich immer noch nicht von den Unternehmen einen besseren Schutz ihrer Daten bzw. ziehen kaum Konsequenzen aus Datenvorfällen – genauso wenig wie die meisten Unternehmen ihrerseits proaktive Maßnahmen für mehr Datensicherheit ergreifen.

Stellen wir uns vor, diese Datenpanne wäre vor zehn Jahren passiert: Wie schockiert wären die Verbraucher gewesen?! Mit welcher Vehemenz hätten sie Änderungen gefordert?! Jetzt wirken sie eher abgestumpft und müde angesichts der Reihe von Datendiebstählen und Datenschutzvorfällen der letzten Monate und Jahre. Die meisten sind offensichtlich der Meinung, dass ihre persönlichen Daten ohnehin schon in den falschen Händen sind. Und es ist genau diese Art Akzeptanz, die uns zeigt, wie gleichmütig die Gesellschaft in dieser Hinsicht geworden ist, wenn Unternehmen es mangels effektiver Sanktionierungsmöglichkeiten möglich ist, die Daten wie Nebensächlichkeiten zu behandeln.

Genau diesen anscheinend nötigen Druck schafft die DSGVO. Wenn man sie ernst nimmt (und Angesicht der oft thematisierten Sanktionsmöglichkeiten sollten Unternehmen sie ernstnehmen), wird man alles daransetzen, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen und den Schutz personenbezogener Daten zur Priorität zu machen.

Selbstverständlich kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, dass der Equifax-Breach nicht passiert wäre, hätte die DSGVO gegolten. Aber es ist durchaus bemerkenswert, dass gerade in den USA zahlreiche gesetzgeberische Initiativen in Gang gesetzt wurden, die die DSGVO zum Vorbild nehmen. Hoffen wir also, dass wir in zwölf Monaten echten Grund zur Freude haben werden.”