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Smart City: Gegen den urbanen Verkehrskollaps

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Praxisbeispiele zeigen die Wirksamkeit

Dass es sich dabei nicht um bloße Zukunftsmusik handelt, zeigen Praxisbeispiele aus den USA, wo intelligente Verkehrskonzepte schon länger auf der Agenda stehen: Die Interstate 80 in Wyoming wurde beispielsweise mit Dedicated Short Range Communication (DSRC)-Sendern ausgestattet. Der Abschnitt ist aufgrund mangelnder Alternativen eine vielbefahrene und wichtige West-Ost-Verbindung für den Personen- und Güterverkehr. Mehr als 32 Millionen Tonnen Warenlieferungen werden dort durchschnittlich pro Jahr transportiert und zu Spitzenzeiten machen LKWs 70 Prozent der Auslastung aus. Ein effizienter Verkehrsfluss ist also essenziell, um wirtschaftliche Schäden zu verhindern. Daher senden die Sensoren Wetter- und Unfallwarnungen an ausgewählte Fahrzeuge, um vor drohenden Kollisionen, Straßenschäden oder Wetterausschlägen zu warnen.

Auch innerstädtisch kommen die V2V- und V2I-Technologien zum Einsatz. Ein vier Kilometer langer Straßenverlauf in Atlanta verfügt über Videokameras und adaptive Verkehrstechnik, die auf das jeweilige Aufkommen reagieren und den Verkehrsfluss entsprechend anleiten. Diese Aufrüstung soll die Reisezeit durchschnittlich um 25 Prozent reduzieren. Auch das Fußgängeraufkommen hat in urbanen Ballungszentren häufig einen Einfluss auf den Verkehrsfluss. Daher misst die Stadt Las Vegas in einem Pilotprojekt mithilfe der V2I-Technologie beispielsweise nicht nur das Fahrzeugaufkommen an einer stark frequentierten Kreuzung, sondern auch die Anzahl der Fußgänger. Fahrer erhalten im Falle einer drohenden Kollision eine Warnung. Für mehr Sicherheit ließe sich auch die Ampelschaltung verzögern, sollten sich noch Fußgänger auf der Straße befinden.

Auf die Zukunft vorbereiten
Neben der Menge der Fahrzeuge sowie den Straßen- und Wetterverhältnissen beeinflusst auch das menschliche Fahrverhalten den Verkehrsfluss. Stockender Verkehr verlangsamt sich durch Spurwechsler noch mehr, zusätzlich sind oft unvorhersehbare Brems- und Beschleunigungsverhalten verantwortlich für Staus. Autonom fahrende Fahrzeuge erleichtern nicht nur die Fortbewegung, sondern helfen dabei, den Verkehrsfluss optimal zu gestalten. Mithilfe der V2V-Technologie können Autos ihre Geschwindigkeit aufeinander anpassen. „Geisterstaus“, die durch dominowellenartige Bremsmanöver von mitten auf der Strecke befindlichen Fahrzeugen ausgelöst werden, würden somit der Vergangenheit angehören.

Innerstädtisch können Fahrzeuge gezielt freie Parkflächen ansteuern, deren Informationen sie von der Infrastruktur erhalten. So bleiben langwierige Suchfahrten aus und Autos sparen zudem Treibstoff, indem sie auf schnellstem Wege von A nach B kommen. Dieser Aspekt ist auch im Zuge des prognostizierten Anstiegs von Elektrofahrzeugen nicht zu vernachlässigen. Obwohl im ersten Quartal 2018 der Anteil von Fahrzeugen mit Benzin oder Diesel bei 95 Prozent lag, stieg die Anzahl der Elektrofahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent. Mit dem Aufbruch in die E-Mobilität in den kommenden Jahren werden Städte zunehmend in der Lage sein müssen, das Energiemanagement an den Bedarf anzupassen. Fahrzeugdaten zur Analyse von Bedarfsspitzen in Ballungsgebieten helfen bei der Bereitstellung erhöhter Energiemengen, außerdem können Fahrer Informationen zu verfügbaren Ladestationen in ihrer Nähe erhalten.

Technik zu nutzen wissen
Autos generieren bereits heute unzählige Daten, die jedoch hauptsächlich für die Instandhaltung genutzt werden. Stadtverwaltungen mangelt noch es an der technischen Ausrüstung und den nötigen Infrastrukturen, um diese Daten zu erfassen und in Echtzeit zu analysieren. Smart-City-Konzepte brauchen eine intelligente Verkehrsführung, um dem wachsenden Aufkommen Herr zu werden. Gerade in stark wachsenden Ballungszentren ist es unabdingbar, einen reibungslosen und möglichst unterbrechungsfreien Verkehrsfluss zu gewährleisten. Die technischen Möglichkeiten wären gegeben, um den Herausforderungen technisch unterstützte Lösungen entgegenzustellen. Man muss sie nur zu nutzen wissen.

Dirk Schlimm ist Executive Vice President bei Geotab