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Systemhaus-Interview: "Die Vorteile überwiegen ganz klar die Unannehmlichkeiten"

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Tipps zum Umstieg

funkschau: Was würden Sie Unternehmen raten, die den Umstieg auf IP aktuell noch vor sich haben?

Grant: Viele Firmen warten noch, bis sie eine Kündigung ihrer ISDN-Nummer von ihrem Provider erhalten. Die Kündigung der ISDN-Anschlüsse ist zwar nur eine Frage der Zeit, allerdings muss man nicht auf den Brief warten! VoIP-Anlagen können unabhängig von der Anschlussart installiert werden. Sanfte Migration, eine Art Parallelbetrieb beider Anlagen, bietet für die Nutzer die Möglichkeit, Features und Funktionsweise kennenzulernen und den Ausbau Schritt für Schritt voranzutreiben, bevor die Anlage produktiv genutzt wird. Dies hat den Vorteil, dass Nutzer sich nicht überrumpelt fühlen, sondern in Ruhe die neuen Features und gegebenenfalls Funktionsweisen kennenlernen können. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Test-Trunk einzurichten, sodass es auch beim Anschluss eine Übergangsphase gibt. So erspart sich das Unternehmen Stress, zum Beispiel bei der Rufnummernportierung.

funkschau: Sie haben zuvor bereits die Möglichkeiten der IP-Technologie angesprochen. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Vorteile?

Grant: Bei SIP-Trunks hat man in der Regel einen klaren Kostenvorteil. So werden die normalen Gesprächsgebühren deutlich kostengünstiger. Oft kann man auch die genaue Anzahl der Sprachkanäle wählen, statt sich auf ein vordefiniertes Paket aus beispielsweise 15 oder 30 gleichzeitigen Gesprächen festlegen zu müssen. Das erlaubt Firmen etwas mehr Flexibilität als bei bisherigen ISDN-Anschlüssen.

funkschau: Und wie kann sich eine moderne Kommunikationsinfrastruktur auf Basis von IP gestalten?

Grant: Eine moderne Kommunikationsinfrastruktur kann natürlich viele Funktionen umfassen. Am wichtigsten ist, dass die Infrastruktur auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist. Werden viele Mitarbeiter mobil arbeiten müssen, entweder im Homeoffice oder auf Dienstreisen? Dann erleichtert eine VoIP-Client-Software auf dem Smartphone die Kommunikation von unterwegs enorm.

Die Möglichkeit, Videokonferenzen zu nutzen, kann beispielsweise die Vernetzung verschiedener Niederlassungen der Firma verbessern und auch die Kundenkommunikation erleichtern.

Zu der Infrastruktur selbst gehören unter anderem Sicherheitselemente und ein robustes IP-Netzwerk, denn alle Funktionen der VoIP-Welt hängen natürlich von diesem Netzwerk ab.

funkschau: Für ein so umfassendes Konzept ist jedoch ein Umstieg der gesamten Kommunikationsinfrastruktur auf IP notwendig. Gehen bereits viele Unternehmen diesen Weg und setzen auch auf UCC-Funktionen oder Cloud-Telefonie – oder doch auf einen Parallelbetrieb und die Überbrückung via Media Gateway?

Grant: Es gibt nur wenige Firmen, die die alte TK-Anlage weiterhin parallel produktiv nutzen. Meistens ist diese Konstellation eher als Übergangsphase gedacht, wie zum Beispiel bei der sanften Migration. Der Grund ist, dass VoIP vieles im Bereich Unified Communications and Collaboration ermöglicht, ohne viele Kopfschmerzen zu bereiten.

UCC ist eine Art Sammelbegriff für viele Funktionen. Dieser geht von einfachen Statusanzeigen mittels Besetztlampenfeld bis hin zu Videokonferenzen. Die konkret unterstützten Features hängen von der gewählten Lösung ab, aber im Allgemeinen werden immer mehr UCC-Features in VoIP-Lösungen zunehmend unterstützt und integriert. Die Lösung von 3CX bietet zum Beispiel standardmäßig dedizierte Videokonferenz-Räume für jeden Nutzer an. Das Thema Cloud-Telefonie wird auch von Firmen begrüßt, besonders denjenigen, die selbst die Infrastruktur nicht bereitstellen möchten oder können. Insofern kommen die Vorteile der Modernisierung bereits bei vielen unserer Kunden zum Einsatz.

funkschau: Die Telekom will den IP-Umstieg zum Ende des Jahres abschließen, die interne Migration der Anwenderunternehmen dürfte sich jedoch noch einige Jahre hinziehen. Wann wird sich ISDN Ihrer Meinung nach gänzlich aus der Geschäftswelt verabschieden?

Grant: Dazu kann ich nicht viel sagen, denn jedes Unternehmen wird die Entscheidung um seine Telefonie-Infrastruktur selbst fällen müssen. Es wird sicherlich Firmen geben, die zuerst ihre vorhandene Infrastruktur weiterverwenden werden. Aber der Zeitpunkt, an dem diese Infrastruktur aktualisiert werden muss, wird eher heute als morgen kommen.