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Systemhaus-Interview: "Die Vorteile überwiegen ganz klar die Unannehmlichkeiten"

Joshua Grant, VoIP-Experte des Systemhauses IANT, erklärt im funkschau Interview, warum das interne Netzwerk wichtigster Baustein einer erfolgreichen IP-Umstellung ist, was eine sichere Migration voraussetzt und was für ihn die entscheidenden Vorteile von VoIP sind.

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Joshua Grant,  Head of Marketing bei IANT Bildquelle: © IANT

Joshua Grant, Head of Marketing bei IANT

funkschau: Herr Grant, notwendiges Übel oder nachvollziehbare Modernisierungsstrategie: Wie haben Ihre Kunden auf die IP-Umstellung reagiert? Werden die Vorteile und Möglichkeiten der Technologie wahrgenommen oder stehen ausschließlich die Kosten der Migration im Fokus?

Joshua Grant: Wenn man die Funktionen betrachtet, bietet Voice over IP viele Vorteile gegenüber herkömmlicher Technik. Unsere Kunden begrüßen die vielen neuen Features; zum Beispiel, dass man die gleiche Telefonnummer auf mehreren Geräten nutzen kann. Dies spart in vielen Fällen Aufwand bei der Verwaltung von Weiterleitungsketten. Man hat außerdem mehr Flexibilität bei der Verwaltung von wesentlichen Bestandteilen der Anlage, wie Voicemail-Ansagen oder Music on Hold. Und ja, die Kostenersparnisse sind natürlich auch von großer Bedeutung.

Man merkt allerdings, dass die Technologien verschieden sind. Ein Feature, welches unsere Kunden vermissen, heißt „Rückruf bei besetzt“. Dieses Feature wird bei VoIP-Systemen in der Form nicht unterstützt. Da hätten die Kunden natürlich gerne das gewohnte Feature, allerdings hält sie das nicht davon ab, sich für eine VoIP-Anlage zu entscheiden. Denn die Vorteile überwiegen ganz klar die Unannehmlichkeiten.

funkschau: Das können beispielsweise eine schlechte Sprachqualität oder Gesprächsabbrüche sein. Sind die deutschen Netze denn bereits gerüstet für eine umfassende All-IP-Strategie oder kommt es bei den Umstellungsprozessen Ihrer Kunden noch häufig zu Störungen?

Grant: Man muss unterscheiden zwischen der Infrastruktur bei den Providern und dem Kundennetzwerk. Voice over IP wird eher mit besserer Sprachqualität in Verbindung gebracht. Als Handy-Hersteller und Provider Unterstützung für Voice over WLAN oder Voice over LTE etabliert haben, haben viele Nutzer von klarer Gesprächsqualität berichtet. Dies ist bei VoIP nicht anders. Allerdings setzt eine gute Qualität genügend Bandbreite und eine robuste IP-Netzinfrastruktur voraus.

Das heißt, dass auch das Kundennetzwerk darauf ausgerichtet sein muss. Wenn zum Beispiel das Netzwerk Probleme bei der Zustellung von Echtzeitpaketen aufweist, dann werden Telefonate eine schlechtere Qualität haben, weil sie das IP-Netzwerk für den Transport nutzen. Hier sind Kunden aber keineswegs ausgeliefert; eine VoIP-Readiness-Messung identifiziert Schwachstellen im Netzwerk im Voraus und gibt somit dem Kunden die Chance, Vorkehrungen zu treffen, bevor es für die Telefonie kritisch wird.

funkschau: Worauf müssen Unternehmen darüber hinaus im Zuge der IP-Umstellung achten? Was sind die größten Stolpersteine der Migrationsprozesse?

Grant: Den größten Problemfall stellt in den meisten Fällen das lokale IP-Netzwerk des Kunden dar. Telefonie stellt höhere Anforderungen an das Netzwerk, als der bisherige Gebrauch beim Aufrufen von Webseiten oder Herunterladen von Dateien. Der Grund hierfür ist, dass Telefonie in Echtzeit erfolgen muss. Beim Laden einer Webseite fallen im Normalfall ein paar Millisekunden Unterschied nicht weiter auf. Im Gespräch hingegen lässt sich so eine Verzögerung aber deutlich merken. Auch für den Anrufaufbau muss das Netzwerk die Pakete zuverlässig durchstellen können. Wenn das nicht der Fall ist, haben wir erlebt, dass der Kunde von gelegentlichen Gesprächsabbrüchen, fehlender Erreichbarkeit und schlechter Gesprächsqualität berichtet.

funkschau: Wie herausfordernd ist es darüber hinaus, die VoIP-Infrastruktur auf der Seite des Anwenderunternehmens sicher zu gestalten? Im Gegensatz zu ISDN gibt es immerhin durch die Internetanbindung eine potenziell größere Angriffsfläche.

Grant: Bei VoIP müssen besonders für die Sicherheit zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden, die man beim ISDN nicht unbedingt gewohnt war. Hierzu gehören beispielsweise eine Trennung der Daten- und VoIP-Netze, Zugriffs- oder Authentifizierungskonzepte und der Einsatz eines Session Border Controllers (SBC). Wenn korrekt konfiguriert, agiert der SBC wie eine Art Firewall für die Telefonie und ist deswegen sehr wichtig. Signalisierung für den Anrufaufbau, Audio für die Gespräche und Registrierungen bei externen Teilnehmern laufen über den SBC. Somit schützt er die interne Infrastruktur wie die VoIP-Anlage oder die Telefone, weil die intern verwendeten Ports und IP-Adressen von der externen Welt verborgen bleiben.