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Glasfaserausbau: Datenautobahn unter dem Asphalt

Beim Glasfaserausbau ist Trenching eine Alternative zum herkömmlichen Tiefbau. Das Verfahren ist schneller und kostengünstiger, kann jedoch nicht überall zum Einsatz kommen – und die Kommunen müssen dafür erst die Genehmigung erteilen.

Breitbandausbau Bildquelle: © Fotolia / James Thew

Rund 40.000 Kilometer Glasfaserleitungen hat die Deutsche Telekom nach eigenen Angaben im Jahr 2017 bundesweit verlegt – für 2018 sind 60.000 Kilometer anvisiert. Auf der Homepage der Telekom wächst die Liste der Orte, in denen der Glasfaserausbau abgeschlossen ist. Dennoch geht es vielen Unternehmen und Endnutzern beim Thema „Schnelles Internet“ zu langsam. Das mag unterschiedliche Gründe haben, an einer Stellschraube lässt sich aber offensichtlich drehen: bei der Beschleunigung der Kabelverlegung. So gibt es Alternativen zum klassischen Tiefbau – eine, die mittlerweile vermehrt zum Einsatz kommt, ist das Trenching. Es gibt dieses Verfahren in mehreren Varianten (siehe Grafik), hier soll das Micro-Trenching näher beleuchtet werden.

Grafik Bildquelle: © Deutsche Telekom

Eine Universallösung ist das Trenching nicht, aber in vielen Fällen durchaus eine Alternative.

Die Beschreibung dieser Methode ist schnell erzählt: Eine Maschine fräst einen zwei bis sechs Zentimeter breiten und etwa zehn Zentimeter tiefen Spalt in den Asphalt eines Bürgersteigs oder einer Straße. In diesen werden die Schutzrohre eingelegt. Die ausgebrachte Erdmasse kann aufbereitet und nach der Kabelverlegung wieder in den Spalt gefüllt werden. Nach der Verdichtung wird der offene Streifen mit einer Trag- und Deckschicht versiegelt. Die eigentlichen Glasfaserkabel werden danach mit Druckluft eingeblasen. Filmbeiträge des Verfahrens im Netz sind mitunter mit dem Zusatz „Echtzeit“ gekennzeichnet. Denn die Geschwindigkeit, mit der die Trenching-Maschine über eine unversehrte Straße fährt und einen feinsäuberlichen Kabelkanal hinterlässt, ist in der Tat beeindruckend.

Das Verfahren erinnert an minimalinvasive Operationstechniken: Da, wo früher das Skalpell einen langen Schnitt und eine ebensolche Narbe verursacht hat, sind dank innovativer Technologien und Geräte nur mehr deutlich kleinere Operationsöffnungen nötig. So verhält es sich auch beim Trenching. Das bestätigt ein Blick auf den herkömmlichen Kabelbau, bei dem wesentlich mehr Arbeitsschritte und vor allem Gerätschaften nötig sind: Die Straßen- und Tiefbaubroschüre des Baumaschinen-Herstellers Wacker Neuson gibt dazu einen kurzen Überblick: Um die Asphaltdecke zu öffnen, ist Schneidgerät nötig. Danach wird der – wesentlich breitere und tiefere – Kabelkanal mit einem Bagger ausgehoben. Ist das Kabel verlegt, gibt beispielsweise ein Muldenkipper das Füllmaterial ein. Vibrationsstampfer verdichten es anschließend, bevor die Stellen mit neuem Asphalt überzogen werden können. Eine Walze stellt eine plane Ebene her, sodass die Übergänge zwischen neuem und bestehendem Asphalt möglichst nahtlos sind. Das bedeutet: etliche Arbeitsschritte sowie den An- und Abtransport unterschiedlicher Baumaschinen.

Die Fräsmaschine ist die Baustelle
Die Glasfaserverlegung 2016 in Bad Honnef gehörte zu den Pilotprojekten, bei denen die Telekom das Micro-Trenching einsetzte. Die Anwohner profitierten von den Vorteilen des Verfahrens: geringere Belastung durch Lärm und Emissionen. Auch der Straßenverkehr wird durch die geringere Baustellengröße weniger behindert und es ergeben sich in der Regel seltener baustellenbedingte Staus. So müssen „die Abschnitte für die Kabelverlegung nur kurze Zeit gesperrt werden“, sagt auch Tobias Schubert, Marketing-Manager bei Corning, das könne an kritischen Verkehrsknoten zum ausschlaggebenden Kriterium werden „und bei den Genehmigungsverfahren helfen“. Corning ist auf dem Gebiet der Werkstoffkunde tätig und produziert auch Glasfaserprodukte. Letztlich stellt eine tatsächliche Behinderung lediglich die Fräsmaschine dar – und die bewegt sich kontinuierlich fort. Die Schätzungen, wie viele Meter Kabelkanal am Tag per Trenching tatsächlich möglich sind, gehen durchaus auseinander; die optimistischsten gehen von bis zu 600 Metern pro Tag aus.