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Made in Germany aus Herstellersicht: Zwischen Wohl und Wehe der Wertarbeit

Ein Blick auf Chancen und Herausforderungen für IT "made in Germany".

Made in Germany Bildquelle: © funkschau

Hersteller, die in Deutschland produzieren, haben das Privileg, sich das Prädikat „made in Germany“ auf die Fahnen zu schreiben. Diese drei Worte gelten immer noch als Gütesiegel – ja, auch in der modernen IT- und Software-Branche – und wecken eine ganze Reihe Erwartungen und Assoziationen wie Ingenieurskunst, Verlässlichkeit und konsistent hohe Qualität. Mit genau diesen Eigenschaften hat die deutsche Wirtschaft es nämlich geschafft, die Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich als Warnhinweis gedachte Bezeichnung in ein robustes, weltweit anerkanntes Wertversprechen zu verwandeln. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage, dass mit großer Kraft auch große Verantwortung kommt, nicht nur eine forsche Pop-Kultur-Referenz, sondern beschreibt ziemlich genau die tägliche Herausforderung, der sich deutsche Hersteller stellen müssen. Denn das Wertversprechen kann sich ganz schnell wieder in seinen Ursprungssinn kehren, wenn es nicht gehalten wird.

Will man dem Geist des „made in Germany“ als Unternehmen Rechnung tragen, ist das keine leichte Aufgabe. In einem Markt, dessen Wettbewerbsspektrum von globalen Schwergewichten mit zahlreichen Outsourcing-Partnern bis hin zu hyperagilen Digital-Start-ups reicht, ist der Druck immens. Dennoch halten sich die lokalen Player wacker, weil sie sich ihren Platz mit einer Mischung aus Innovationsgeist, robustem Wertegerüst und Fachkompetenz erarbeiten. Außer Acht lassen sollte man aber auch nicht die Risiken einer starken Marke. Wirtschaftliche Krisen oder politische Turbulenzen könnten am Image Deutschlands kratzen. Gleichzeitig unternehmen aufstrebende Länder wie Indien oder die Volksrepublik China große Anstrengungen, um in Schlüsseltechnologien eine führende Rolle zu erobern. Dabei gilt das Altern der deutschen Bevölkerung, und der damit verbundene Fachkräftemangel, gerade im traditionell so starken deutschen Mittelstand, als zentrale gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft.

Faktor Mensch
Um ein hochwertiges Produkt herzustellen, spielt der Mensch eine enorm wichtige Rolle. Das beginnt schon auf der Führungsebene. Dort werden die Maßstäbe und Stoßrichtungen definiert, an denen sich das gesamte Unternehmen ausrichtet. Im Gegensatz zu globalen Unternehmen, die quartalsgetrieben den besten Preis und die Produktivität an die erste Stelle setzen müssen, können und wollen sich lokale Hersteller eher auf die beste Lösung konzentrieren, weil sich der Chef oft noch persönlich mit dem Produkt identifiziert. Damit riskiert man zwar kurzfristig vergleichsweise verhaltene Margen, aber mittelfristig überwiegt die anhaltend hohe Qualität und sichert so langfristigen Erfolg.

Dieses Prinzip des „langen Atems“ setzt sich auch bei der Belegschaft fort. Auch und gerade im IT-Sektor sind Spezialisten, die das Produkt in der Tiefe kennen und die Materie verstehen, ein wichtiges Element zur Erfüllung des Wertversprechens. Man benötigt also ausgesprochen hochqualifizierte und spezialisierte Mitarbeiter, die zudem länger im Unternehmen sind. Und genau darin offenbaren sich zwei Schwierigkeiten: der berüchtigte Fachkräftemangel und ein Imageproblem. IT ist nicht gleich IT, und wenn es um sehr spezielle, komplexe Themen geht, wie beispielsweise um Netzwerkzugangskontrolle, braucht man einen sehr spezifischen Mix aus Fachkompetenzen. Solche Talente erst einmal zu finden, ist alles andere als einfach. Wird man endlich fündig, hat man mit besagtem Imageproblem zu kämpfen. Dem deutschen Mittelstand haftet immer noch eine gewisse Aura der Spießigkeit an – meist völlig zu Unrecht. Klischees halten sich jedoch hartnäckig und so müssen sich deutsche Unternehmen gegen die Sexiness der Microsofts und Googles dieser Welt behaupten. Auf der anderen Seite ist die Verweildauer derer, die sich nicht von Vorurteilen an der Nase herumführen lassen, umso höher. Durch die langfristige Ausrichtung des Unternehmens ist der Arbeitsplatz meist sicherer und bietet ein hohes Maß an Stabilität, da plötzliche Strategiewechsel und damit verbundene Rationalisierungswellen eher die Seltenheit sind. Gleichzeitig gibt es gerade im IT-Sektor viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Mitgestaltung: Der hohe Qualitätsanspruch verlangt ständige Verbesserungen und Anpassungen an Trends, sodass es nie langweilig wird. Die oft relativ überschaubare Unternehmensgröße gibt zudem die Möglichkeit, dass jeder Mitarbeiter sich einbringen, und so zum hohen Standard des Produkts beitragen kann.