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Forderung nach mehr Innovationskraft: Ein Label unter Zugzwang

Made in Germany – da weiß man, was man hat. Und in der Tat: Regelmäßig verweisen Studien auf die Strahlkraft, über die der Herkunftsnachweis nach wie vor verfügt. Gleichzeitig wird angemahnt, dass das Image des Labels "angestaubt" ist. Zeigen sich erste Risse im guten Image der deutschen Produkte?

Made in Germany Bildquelle: © funkschau

Die Qualität des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Produkte der metallverarbeitenden Industrie haben das „Made in Germany“ begründet und lange Jahre geprägt. Es ist ganz klar: Deutsche Unternehmen produzieren nach wie vor hervorragende Erzeugnisse. Qualitäts- oder sogar Weltmarktführer stammen in vielen Branchen aus Deutschland. Noch heute profitieren deutsche Hersteller im globalen Geschäft davon. Doch es gibt auch unerfreuliche Gegenbeispiele: In den USA fielen die deutschen Premiumautomobile 2017 durch signifikant gestiegene und insgesamt alarmierend hohe Rückrufzahlen auf. Der Bau des Berliner Flughafens, von Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie lassen Zweifel aufkommen, ob Deutschland noch die Kompetenz für Großprojekte hat. Vielleicht rechtfertigen es diese Beispiele noch nicht, darin einen Trend zu erkennen. Fraglos werden sie aber auch im Ausland nicht immer ohne eine gewisse Schadenfreude wahrgenommen. Das über Jahrzehnte aufgebaute Image des Labels bröckelt.

„Made in China“ schließt auf
Es ist bezeichnend, dass es vor allem der deutsche Mittelstand ist, der „Made in Germany“ hochhält. Zahlreiche Hidden Champions besetzen Nischen mit innovativen Produkten. Nicht selten sind es inhabergeführte Unternehmen – vergleichsweise klein, aber dennoch weltweit agierend. Dieser Umstand führt zu einer weiteren Frage: Inwieweit lässt sich überhaupt noch von „Made in Germany“ sprechen? Denn im Zuge globaler Zulieferung, Outsourcing in Niedriglohngebiete und somit sinkender Wertschöpfungstiefe in Deutschland erfolgt nur noch ein Teil des „Made“ in Deutschland selbst. Aus „Made in Germany“ wurde zunehmend „Engineered in Germany“. Ein Siegel, das noch weltweite Wertschätzung erhält. Doch verbunden mit dem Transfer von Fertigungskompetenz in andere Länder ist auch die dortige Qualitätsfähigkeit in der Produktion gestiegen. China hat sich längst vom Billiglohn- zum Technologiestandort entwickelt. Ein ehrgeiziges und konsequent vorangetriebenes staatliches Programm soll bis 2025 „Made in China“ zur anerkannten Qualitätsmarke entwickeln. Aus Sicht deutscher und internationaler Verbraucher, aber auch mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung in China wäre diesem Programm viel Erfolg zu wünschen. Gerade das Beispiel „Made in China“ zeigt aber, dass ein solches Image nicht statisch ist, sondern sich mit der Zeit verändert. „Made in Germany“ bildet da keine Ausnahme.

Kein Garant für Innovation
Der einstmals große Qualitäts- und Innovationsvorsprung deutscher Produkte ist deutlich geschrumpft. Andere Nationen haben aufgeschlossen und Deutschland in manchen Bereichen ein- oder sogar überholt. Und beim Stichwort „Innovation“ fällt direkt auf, dass die disruptiven, zumeist digitalen Geschäftsmodelle in Nordamerika und Asien, aber nicht in Deutschland entstehen. „Made in Germany“ – das ist im internationalen Wettbewerb kein starkes Synonym für Innovation mehr. Wenn aber Qualität und Innovativität als Alleinstellungsmerkmale der deutschen Wirtschaft wegfallen, verliert Deutschland wichtige Garanten für seinen Wohlstand.

Rahmenbedingungen passen nicht mehr
Wenn das „Made“ im Sinne von industrieller Produktion zunehmend ins Ausland abwandert, wäre dann der vielbeschworene Dienstleistungssektor vielleicht noch glaubwürdiger Ausdruck eines „Made in Germany“? Nein, denn Deutschland galt nie als Qualitäts- und Innovationsführer in diesem Bereich. Bildung, Gesundheitsversorgung, öffentliche Verwaltung sowie Infrastruktur haben in Deutschland massive, langanhaltende Qualitätsprobleme. Sie schaffen nicht die geeigneten Rahmenbedingungen für ein Qualitätsniveau, das auch weiterhin das „Made“ oder „Engineered in Germany“ begründen wird. Insbesondere die unzureichende digitale Infrastruktur dieses Landes genügt schon seit langem nicht mehr den Ansprüchen eines Hochtechnologiestandortes. Vielleicht haben die Jahrzehnte des Wohlstands und des wirtschaftlichen Erfolgs zu selbstzufrieden gemacht. Vielleicht war auch der Veränderungsdruck nie konkret genug spürbar. Ganz gleich, welche Ursache man diagnostiziert, bleibt das Ergebnis gleich: Es fehlt zunehmend am Qualitätsfokus und an der notwendigen politischen und gesellschaftlichen Rahmensetzung.