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Messtechnik: Den Bandbreitenhunger stillen

Der Bandbreitenbedarf im WLAN-Bereich wird immer größer. Neue Standards und Technologien versuchen den wachsenden Anforderungen Rechnung zu tragen. Eine neue Generation von Qualifizierern, sogenannte "Multi-Gig"-fähige Geräte, unterstützt Übertragungsleistungen von bis zu zehn GBit/s.

Glasfaser Nudel Bildquelle: © funkschau

Moderne Access Points bieten bereits Bandbreiten von mehreren GBit/s pro Client. Ebenso werden Tricks angewendet, wie mehrere gleichzeitige Streams über mehrere Antennen oder Beamforming, um der steigenden Anzahl der Clients Herr zu werden. Besonders bizarr verhält sich dabei die Tatsache, dass die Anbindung der Access Points über viele Jahre hinweg auf ein GBit/s beschränkt war. Zwar gab es vereinzelt Geräte, die in der Lage waren, über mehrere Anschlüsse auch mehrere Ein-GBit/s-Links zu vereinen oder direkt Glasfaser genutzt haben. Allerdings konnten sich diese Modelle auf Grund des höheren Installationsaufwands nie durchsetzen.

Seit 2017 gibt es nun Standards, die es ermöglichen, 2,5 GBit/s über CAT5E-, fünf GBit/s über CAT6- und bis zu zehn GBit/s auf CAT6A-Leitungen zu übertragen. Dies löst mit einem Schlag mehrere Probleme – gerade im Bereich der Anbindung von schnellen WLAN Access Points. Zum einen wird bei Neuinstallationen nur eine Leitung pro Access Point benötigt, was erhebliche Kosteneinsparungen mit sich bringt. Zum anderen können bestehende Installationen ohne Eingriff in die Kabelinfrastruktur auf den neuesten Stand gebracht werden. Bei Neuinstallationen ist es seit vielen Jahren Standard, die installierten Komponenten dienstneutral zu zertifizieren. Das bedeutet, dass die elektrischen Eigenschaften der passiven Übertragungskomponenten ermittelt und mit den Vorgaben aus den internationalen Standards abgeglichen werden. Dafür werden überwiegend externe Dienstleister beauftragt, die das System quasi „schlüsselfertig“ übergeben.

Qualifizierer zur Bestimmung von Leistungsparametern
Doch wie sieht die bisherige Praxis bei bestehenden Systemen aus oder wenn keine aufwendige Zertifizierung benötigt wird? Im Gegensatz zu klassischen Neuinstallationen sind hier verstärkt die hauseigenen Systembetreuer gefragt, die allerdings oftmals nicht über einen Leitungszertifizierer und das dafür nötige Wissen verfügen. Vielmehr ist es notwendig, die Funktionalität zu testen und Fehler schnell zu lokalisieren. Die Anforderungen an die Dokumentation der Testergebnisse sind dabei ähnlich hoch wie an Abnahmemessungen mit Zertifizierern. Aus diesen Anforderungen entstand vor über zehn Jahren eine neue Generation von Testgeräten in der Datennetzwerkwelt: Die mittlerweile als Qualifizierer bekannten Geräte zur Überprüfung des Leistungsvermögens einer strukturierten Verkabelung wurden mit dem Ziel entwickelt, eine einfache und preiswerte Methode zur Bestimmung der Leistungsparameter von Datenstrecken nach der Verlegung zu ermöglichen. Auch sollen sie einfache Tests bei der Inbetriebnahme und Fehlersuche an bestehenden Anlagen ausführen können. Im Unterschied zu einem Zertifizierungstester gewährleisten diese Qualifizierungstester jedoch keine „dienstneutrale“ Bewertung wie von den klassischen Normen der strukturierten Verkabelung vorgeschrieben. Stattdessen ermöglichen sie einfache OK/Fehler-Tests für spezifische Anwendungsnormen. Diese Qualifizierer waren bisher ebenso wie die verfügbaren aktiven Netzwerkkomponenten auf eine maximale Übertragungsrate von einem GBit/s limitiert.