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Interview mit Brightsign: Digital Signage heute und morgen

Im Interview spricht Brightsign-CEO Jeff Hastings über Digital-Signage-Technologie, die heute im Einsatz ist und über die Entwicklung für morgen.

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Jeff Hastings, CEO von BrightSign Bildquelle: © BrightSign

Jeff Hastings, CEO von BrightSign

funkschau: Was war für Sie die spannendste neue Technologie der letzten zwölf Monate und warum?

Jeff Hastings: Ich begeistere mich immer wieder darüber, was mehrere Technologien kombiniert hervorbringen können – mehr als eine einzelne für sich allein. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Geschäft inklusive einem integrierten eigenständigen Mini-Supermarkt in einem Shoppingzentrum in Las Vegas. Es verdeutlicht auf den Punkt die Art von erlebnisorientiertem durch digital erweitertem Einkaufserlebnis, das zum Greifen nahe uns unmittelbar bevorsteht.

Über einen einzigen interaktiven Touchscreen können die Wettervorhersage geprüft, nach passenden Produkten gesucht, Instagram aufgerufen und sogar Selfies aus den diversen Läden ausgetauscht werden. Mit dem Steuer in der Hand sorgt der Kunde selbst für seine eigenen einzigartigen digitalen Erlebnisse. Das verbindet auf natürliche Weise mit den Besuchern, die Verweildauer steigt - und letztendlich der Umsatz auch.

Von allen DOOH- Technologien im Handel, die nicht unmittelbar den Bildschirm, das Playout oder das Content-Management betreffen – welche waren Ihrer Meinung nach am wirkungsvollsten und erfolgreichsten? Ich denke da an Gesichtserkennung, Eye-Tracking, Bluetooth, Interaktion mit Mobilgeräten, NFC, Displays am Regal und mehr …

Hastings: Inhalte, die die unmittelbare Umgebung betreffen, sind auf dem Vormarsch. Bluetooth und die Beacon-Technologie erlauben eine ganz neue Art der Publikumsbeteiligung. Der Kunde erhält Optionen zur Interaktion und Steuerung der Signage vom eigenen Mobilgerät aus. Diese Zielgruppen-basierte Inhalte bringen auch immer mehr auf den Betrachter maßgeschneiderte Erlebnisse hervor. Mit diesen Technologien können Einzelhändler durch einnehmende und zielgerichtete Point-of-Purchase- Promotionen ihren Umsatz steigern.

Kamera-basierte ‚Audience Recognition‘ kommt im Handel als mögliche Methode auf, bestimmte Ware einer bestimmten Kundschaft zuzuordnen. Diese Technologie ist jedoch noch jung und der Anwender sollte sich bewusst sein, dass die sich ergebenden Metriken und Analysen manchmal nur annähernd, aber nicht völlig richtig sind.

Viel Augenmerk in der digitalen Außenwerbung liegt auf dem Frontend darauf, dass Kunden mit den Displays interagieren. Was ist mit dem Backend? Was gibt es hier an aufregenden Neuigkeiten? Was wird getan um die Manager dieser Retail-DooH-Systeme in ihrer Produktivität und Effizienz zu unterstützen?

Hastings: Das Backend ist für den Ladenkunden unsichtbar, wird für den Betreiber aber immer wichtiger. Zumal dann, wenn die Fläche wächst und komplexer wird. Immer mehr unserer Retail-Kunden gehen zu einem zentralisierten Content-Verteilungssystem über. Hinsichtlich CMS stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung – hauseigene Lösungen im Zusammenspiel mit den besten Plattformen am Markt, oftmals mit Funktionalitäten für spezifische Branchen oder Anwendungsgebiete.

Oft ist die Rede davon, wie transformativ sich Künstliche Intelligenz im Bereich DooH auswirken könnte. Wie sehen Sie das? Wie ließe sie sich einsetzen? Noch konkreter: wird sie bereits genutzt – und wie, mit welchem Erfolg?

Hastings: Künstliche Intelligenz wird vorangetrieben als ein weiteres mögliches Mittel zur Generierung von möglichst passendem Content. Natürlich benötigt man aber eine Datenquelle dafür. Viele Kunden setzen eher auf das größere Bild – und passt Display-Inhalte etwa bloß der Tageszeit an. Persönlicher wird es allerdings, wenn man die mit dem Display interagierende Person tatsächlich erkennt und daraufhin markieren kann. Was diese wiederum jedoch möglicherweise beunruhigend findet ...

Welche DooH-Technologien dürften 2018/2019 immer wichtiger werden?

Hastings: Ein großer Hype als nächster großer Schritt, wie Digital Signage mit dem Betrachter kommuniziert, ist in der Branche derzeit die Sprachintegration. Und da ich nicht bezweifle, dass Voice Integration in den kommenden Jahren deutlich wichtiger wird, haben wir Branchenakteure diesbezüglich schon heute wichtige Herausforderungen zu meistern.

Wir sollten uns realistisch klar machen, wie wir Spracherkennung nutzen wollen, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu erwecken. Technisch gesehen muss die ausreichend Prozessorgeschwindigkeit verfügbar sein, um gesprochene Befehle zu erkennen und erfüllen. Um diese benötigte Rechenleistung zum Verständnis und zur adäquaten Beantwortung sprachlicher Eingaben jedoch möglichst gering zu halten, ist eine möglichst vereinfachte Interaktion unabdingbar.

Weitere Punkte sind eine nicht immer verfügbare durchgängige Internetanbindung und das Verhalten des Kundenpublikums im öffentlichen Raum. Manche mögen vielleicht in ihrem privaten und gewohnt geschützten Zuhause frei mit Amazon Echo oder Google Home interagieren. Im öffentlichen Raum neigen viele Menschen jedoch zu einer vorsichtigeren, zurückhaltenderen, nüchterneren und weniger emotionalen Form der Kommunikation.