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CEBIT 2018: Interview mit Cisco: "Es geht um Vielfalt"

Alle sprechen darüber, jeder meint etwas anderes. Für Oliver Tuszik von Cisco ist die Digitalisierung vor allem "das Einsammeln von Daten und Informationen, um schneller bessere Entscheidungen treffen zu können". Im Interview mit funkschau über den Megatrend, der gerade erst Fahrt aufgenommen hat.

Oliver Tuszik, Cisco Bildquelle: © funkschau

Oliver Tuszik, Vice President und Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco Deutschland

Erste Berührungspunkte mit der Digitalisierung hatte Tuszik schon zu Studienzeiten, als die „Umwandlung von analog in digital“ erfolgte. Später gab es dann mit ersten Ansätzen der Heimvernetzung via Smartphone die „Digitalisierung zum Anfassen“. Heute ist für den Cisco-VP die Digitalisierung „DER Megatrend, der alles verändert, aber gerade erst begonnen hat“ und es sei für ihn als Cisco-Sprecher vor allem das Einsammeln von Daten und Informationen, um schneller bessere Entscheidungen zu treffen. 

Digitalisierung = auch neue Geschäftsmodelle
„Dass die Digitalisierung Veränderung hervorruft war der Augenblick, wo wir erkannt haben, dass ganz neue Modelle entstehen, die alte aushebeln“, sagt Tuszik, und nennt im gleichen Atemzug Beispiele wie Uber und Airbnb. Diese Entwicklung ist auch an Cisco nicht vorbeigezogen. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren radikal verändert, auch wenn man das von außen nicht immer sehe. „Die Art und Weise, wie wir Lösungen an den Markt und an den Kunden bringen, hat sich komplett verändert“, so Tuszik. „Denn Kunden wollen nicht nur immer feste Lösungen kaufen, Produkte oder Hardware, sondern wollen mehr Flexibilität.“ Cisco spricht in diesem Zusammenhang auch von „Recurring Value“: Man kauft einmal ein Modell, eine Lizenz, das in Folge stets geupdatet wird und somit kontinuierlich Mehrwert für den Kunden liefere – Beispiel die Cloud-managed WLAN-Lösung „Meraki“ von Cisco. Bei Cisco selbst habe sich die Digitalisierung besonders darin manifestiert, dass alle Prozesse angepasst worden sind. Selbstlernende Netze, sogenannte „intuitive networks“, würden dazu beitragen, noch besser und schneller auf Veränderungen reagieren zu können. „So ändert sich auch das Netzwerkmanagement komplett“, fasst der Cisco-VP zusammen. 

© funkschau
Oliver Tuszik, VP und Vorsitzender der Geschäftsführung Cisco Deutschland, im Interview mit funkschau-Redakteurin Diana Künstler über den Megatrend der heutigen Zeit: die Digitalisierung.

Diversity ist gefordert
Digitalisierung ist weitaus mehr als „nur Automatisierung“. „Aus meiner Sicht geht es um Vielfalt“, bekräftigt Tuszik. In der Vergangenheit habe es gereicht, wenn man ein technischer Experte in einem bestimmten Bereich war. „Wenn wir heute über Digitalisierung reden, ist das vergleichbar mit dem Hochziehen einer Mauer im Gegensatz zum Bau eines kompletten Hauses.“ Während man für das Hochziehen einer Mauer lediglich einen guten Maurer benötige, sind für den Bau eines kompletten Hauses unendlich viel mehr Fähigkeiten gefragt. „Und so ist es auch mit der Digitalisierung. Die Digitalisierung ist weitaus komplexer, braucht viel mehr Partner, braucht mehr Vielfalt,“ sagt Tuszik. So bräuchte es unterschiedliche Skills und Typen, um Kreativität, Erfahrung und Innovation zusammenzubringen.

Die (Fort-)Bildung als Basis
Kinder müssten keine Programmierexperten werden, so Tuszik, aber sie sollten verstehen, wie Systeme funktionieren. Dieser Grundsatz sei entscheidend, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. „Wir müssen mehr technisches Verständnis aufbauen, brauchen trotzdem aber auch die alten Skills und die Teamfähigkeit“, führt der Cisco-Verantwortliche weiter aus.  Als Reaktion darauf hat Cisco schon vor langer Zeit – mit viel Weitblick  –  die „Networking Academies“ ins Leben gerufen. Seit mittlerweile 20 Jahren arbeitet Cisco mit Partnereinrichtungen in Deutschland zusammen, um in der Cisco Networking Academy aktuelle technische Bildung für viele Menschen zu ermöglichen. Jahr für Jahr lernen in Deutschland Tausende von Academy-Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sie Computernetze planen, aufbauen und warten können. Absolventinnen und Absolventen haben somit das Wissen, Netze so einzurichten, dass die Sicherheit der Daten gewährleistet ist. Solche IT-Fachkräfte haben sehr gute Job- und Karriereaussichten. An über 330 Networking Academies in Deutschland werden Lernmaterialien von Cisco im Unterricht verwendet. Das pädagogische Konzept orientiert sich an einer „blended learning"-Situation und umfasst Online-Kurse zum Selbststudium wie für den Klassenraum, Simulationswerkzeuge sowie Praxisübungen. „Wir wollen nicht nur bessere IT-Experten. Wir wollen, dass in jedem Bereich ein Grundwissen aufgebaut wird“, sagt Oliver Tuszik. Auch und gerade der Wille zum lebenslangen Lernen sei in diesem Kontext entscheidend. Dies sei nicht immer einfach: Schließlich bringe Veränderung auch immer eine gewisse Unsicherheit mit sich. Hinzu kommt: Nicht immer ist Veränderung gut. Zumindest wenn Veränderung nur um der Veränderung angestrebt werde. Dinge, die sich bewährt hätten, würden es auch verdienen, fortgeführt zu werden. „Wir haben in Deutschland einen Reisenvorteil“, ergänzt Tuszik in diesem Kontext. „Wir verstehen was von dem, was gerade vorgeht, weil wir hierzulande auch die entsprechende Industrie haben –  Stichwort IoT und Industrie 4.0.“ 

Kultur und Technologie Hand in Hand
Wie gut eine Technologie ist, hängt auch von ihrer Akzeptanz im Unternehmen ab und wie sie angewendet wird. Wie lassen sich „Arbeitskultur“ und Technologie also gleichermaßen weiterentwickeln? „Das ist eine der der großen Herausforderungen unserer Zeit“, gesteht Tuszik. Denn: „Kein Mensch mag per se Veränderung.“ Neue Modellen müssen gefunden werden, wie wir zusammenkommen. Gerade als Leader müsse man daher lernen, was es heißt, in einer verändernden Realität zu kommunizieren und zu arbeiten.