Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Datex-P: Abschaltung nach bald 40 Jahren: Ein Datendienst verschwindet

Fortsetzung des Artikels von Teil 3.

Die Verdrängung durch IP-Breitband-Anschlüsse

Doch mit der Verbreitung von IP-Breitbandanschlüssen wurde bei der Telekom entschieden, die nächste Generation der Netztechnik für Telefonie auf ein Subsystem im Internet zu migrieren, mit dem Ziel das ISDN mit seinen bewährten, digitalen Kundenanschlüssen vollständig aufzugeben. Dann entschied man, den ISDN PH schon zum lanjährig angekündigten Schlusstermin (Ende 2018) endgültig abzuschalten, unabhängig von der tatsächlich noch erforderlichen Restlaufzeit des ISDN. Denn der PSPDN-Kundenanschluss über den ISDN PH ist dort ein Sonderdienst, der den Wechsel von noch verbliebenen ISDN-Anschlüssen auf IP zusätzlich erschweren könnte. Wegen der Abhängigkeit des Datex-P von dieser Art des Kundenanschlusses ist damit auch das Ende des Produktes Datex-P absehbar. Hier ist ein wesentlicher Aspekt, dass eine von IP-Breitbandanschlüssen unabhängige digitale Kundenanschlusstechnik ersatzlos verschwindet. Anstelle des noch vorhandenen Telefonanschlusses (Plein Old Telephone Service = POTS) für eine Einwahl mit Modem zu verwenden ist zwar standardisiert, kommt jedoch nicht in Frage, da einerseits die Verbreitung eingeschränkt ist (nicht über Glas), und andererseits die wesentlichen Eigenschaften einer schnellen oder dauerhaften Anschluss-Aktivierung damit verloren gehen. Eigentlich könnten auch alle ISDN-Kundenanschlüsse, wie bereits schon die schnellen direkten an Datex-P,  auch auf einen IP-Anschluss migriert werden, denn auch die neuste Generation der PH Netztechnik hat dies implementiert. Eine größere Kapazität dafür ist nur noch am PH vorhanden, aber ein eigenständiges PH-Netz wäre nicht mehr erfordelich, da von einem IP-Anschluss der Zugang zu jedem PSPDN möglich ist.

Dann ist dieses Szenario nur mit IP-Anschlüssen nur noch eine weitere Variante für Zugangs-VPN von Kundenanwendungen und damit in Konkurrenz zu schon vorhandenen VPN-Produkten am IP-Anschluss, welches jedoch die verwendete Technik außer Acht lässt. Deshalb besteht beim Produktmanagement, weder bei der Itenos, die neben Datex-P auch das IP-VPN Produkt Protect Service anbieten, noch bei der Telekom Deutschland, verantwortlich für ISDN und auch Geschäftskunden-Produkte, kein Interesse mehr am Fortbestand von PSPDN-Produkten.

Technologien im Vergleich
Die beiden Netztechnologien PSPDN und Internet sind in ihrer prinzipiellen Funktionsweise artverwandt und können sich gegenseitig gut unterstützen, wie es seit Jahrzehnten schon angewendet wird. Dazu sind aber immer meist separate Geräte für eine Anpassung erforderlich, denn die verwendeten Schnittstellen und die Methode der Netzsteuerung sind technisch völlig inkompatibel. Das heißt praktisch, dass in einer Anwendung als Netzanschluss für die Geräte des Kunden entweder nur PSPDN oder nur IP verwendet werden kann. Hybridgeräte sind dabei, hauptsächlich aus Kostengründen, eine Ausnahme. Beim Wechsel auf eine andere Netztechnologie muss der Kunde entweder alle seine Anwendungsgeräte durch einen anderen Typ ersetzen oder bis dahin für alle seine alten Anwendungsgeräte noch ein geeignetes Anpassungsgerät einsetzen. Solche speziellen Router sind schon für den direkten Datex-P-Kundenanschluss im Einsatz, aber auch nur für diese spezielle Verwendung geeignet. Sonst kann jedoch weder die Itenos noch die Telekom geeignete Router bereitstellen.

Der Lösungsansatz von Virtual Access
Die irische Firma Virtual Access, die auch die neueste Netztechnik für Datex-P und den ISDN PH geliefert hat, bietet ein neues Modell eines geeigneten Routers für die Anpassung von PSPDN-Kundenanschlüssen an. Eigentlich sind diese für den Zugang an eine zentrale PSPDN-Netztechnik über IP vorgesehen, so wie Datex-P schon arbeitet. Jedoch kann für eine überschaubare Anzahl an Anschlüssen auch nur mit diesen Routern eine Vernetzung aufgebaut werden, ohne eine zentrale Netztechnik aber auch ohne die nur damit möglichen, besonderen PSPDN-Vermittlungsfunktionen.

Patrick Conway ist Produktmanager bei Virtual Access