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Interview mit E-Learning-Anbieter Udemy: "Wir sehen uns nicht als Ersatz für Hochschulbildung"

Zeit- und ortsunabhängiges Lernen gewinnt in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. So bildet sich fast jeder Zweite online weiter. Ein Trend, den Plattform-Anbieter Udemy schon vor Jahren erkannt hat. Ziel des Unternehmens: lebenslanges Lernen fördern und ermöglichen.

Lernen Bildquelle: © ximagination - 123RF

Lea Bauer, ehemalige Head of DACH bei Udemy

funkschau: E-Learning-Formate gibt es viele – vom Teleteaching über digitale Lernspiele bis zum interaktiven Whiteboard. Wie sieht das Konzept von Udemy aus?

Lea Bauer: Udemy ist ein globaler Marktplatz für das Lernen und Lehren im Internet. Mehr als 20 Millionen Kursteilnehmer können auf eine umfangreiche Bibliothek von 65.000 Kursen zugreifen, die von Dozenten in über 50 verschiedenen Sprachen unterrichtet werden. Unser Ziel ist es, lebenslanges Lernen zu fördern und zu ermöglichen.

funkschau: Die Vermittlung der Lerninhalte erfolgt also ausschließlich über Videobeiträge und nicht in Echtzeit?

Bauer: Genau, alles wird asynchron vermittelt. Die Kurse setzen sich aus einzelnen Videoinhalten zusammen, die zum einem von einem Dozenten erstellt und zusammengestellt und auf der Kursplattform mit einem Preis versehen werden. Dort werden sie den Teilnehmern angeboten. Auf der anderen Seite haben wir die Kursteilnehmer, die einen weltweiten Katalog an Kursinhalten nutzen können – diese aber auch entsprechend ihrer eigenen Zeitansprüche einteilen können. Also ob man sich die Inhalte peu à peu aneignet oder alles in einem Zug schnell durchlernt, ist jedem selbst überlassen. Zusätzlich haben die Kursteilnehmer stets die Möglichkeit, dem Dozenten Fragen zu stellen, die beantwortet werden. In diesem Kontext ist es in gewisser Weise ein gemeinsames Lernen, da man die Unterstützung des Dozenten hat – eine Klassenzimmererfahrung hat man allerdings nicht.

Lea Bauer, Udemy Bildquelle: © Udemy

Im Interview mit Lea Bauer, ehemalige Head of DACH bei Udemy

funkschau: Wo liegen die Wurzeln von Udemy? Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Bauer: Udemy entstand vor acht Jahren in der Türkei. Unsere Gründer haben das Konzept dort entwickelt – sie stammen von dort – und sind dann ins Silicon Valley gewechselt. Damals war ja auch das Thema „Wie können wir globalisieren“ interessant, weshalb im Zuge dessen einige Unternehmen im Silicon Valley gleichzeitig entstanden sind. Udemy setzte jedoch als einzige Firma auf die zu dieser Zeit noch relativ neue Idee des „Crowd-sourced Content“ – dass man einen Marktplatz schafft, wo die Dozenten selbst Inhalte erstellen und den Kursteilnehmern anbieten können. Wir produzieren die Inhalte also nicht selbst.

Dann sind wir in den letzten sechs Jahren gut gewachsen. Der Hauptsitz ist immer noch im Valley, wir haben jedoch mittlerweile auch ein Büro in Dublin, von dem teilweise die europäischen Märkte mitbetreut werden, und weitere Büros in Brasilien und der Türkei. In Europa ist Deutschland einer der erfolgversprechendsten Märkte. Deshalb bauen wir diesen seit circa zweieinhalb Jahren aktiv auf und haben seit 2015 einen Marktmanager für Deutschland. Unser Ziel ist es, im deutschsprachigen Markt zu wachsen, lokale Inhalte zu fördern, ein Marketingsystem aufzubauen sowie Dozenten zu fördern, um die Inhalte auch an den Mann zu bringen. Hierzu sei gesagt, dass sich unsere Marktzugänge in den verschiedenen Ländern so genau nicht datieren lassen, was damit zusammenhängt, dass unsere Inhalte ja immer weltweit zugänglich sind – also auch da, wo wir eigentlich noch nicht groß agieren.