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Start-up-Porträt Gideon: "Zehn verschiedene Apps mit entsetzlichem Nutzererlebnis"

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Nicht bekämpfen, sondern vereinen

Michele Galli, CEO bei Gideon Bildquelle: © Gideon

Michele Galli, CEO bei Gideon

Einfach ist der Start in die Start-up-Welt aber bekanntermaßen nicht. Die Konkurrenz ist groß, trotz guter Ideen bleibt die entscheidende Herausforderung, schnell Investoren zu finden. Daher entschied sich Gideon für London, laut Galli das beste und am weitesten entwickelte Umfeld für junge Unternehmen in Europa. Aber die Stadt habe einen enormen Nachteil: „Es ist verdammt teuer!“ Das Team habe große Opfer für das Unternehmen gebracht und würde diese immer noch bringen, vor dem ersten Investment soll es laut der Gründern schwer gewesen sein, überhaupt zu überleben. Für zusätzliche Herausforderungen bei der Investorensuche habe darüber hinaus gesorgt, dass der Smart-Home- und IoT-Markt noch relativ jung war und keine klaren Ertrags- sowie Geschäftsmodelle vorweisen konnte.

Seit diesen Tagen hat sich die Branche rasant entwickelt – sowohl im B2B- als auch im B2C-Umfeld. Vernetzung ist mittlerweile die Grundlage zahlreicher Geschäftsmodelle, immer mehr Anbieter adressieren diesen Bereich und nicht zuletzt haben Weltkonzerne wie Amazon oder Google das Thema IoT durch „Google Home“ und „Amazon Echo“ besonders im Massenmarkt entscheidend vorangetrieben. Das sei laut Gideon aber noch lange kein Garant für ein perfektes IoT-Produkt. In einem Blog-Eintrag erklärt das Unternehmen selbstbewusst: „Google und Amazon sind nicht die IoT-Lösungen, die Nutzer brauchen“. Es seien zwar die aktuell dominantesten Marken, sie würden aber auf strategischer und technologischer Ebene nicht zusammenarbeiten und die Fragmentierung des Marktes auf diesem Weg weiter festigen. „Ich denke, das Wichtigste am Internet of Things ist die Zusammenarbeit der Anbieter“, sagt Galli. „Aufgrund des Durcheinanders des Marktes ist es unerlässlich, dass die Unternehmen so offen wie möglich sind, um den Nutzern die bestmögliche Erfahrung zu bieten.“ Entsprechend wolle Gideon die großen Marken auch „nicht bekämpfen“. „Wir schließen uns ihnen an und vereinen ihre Ökosysteme von innen heraus“, so der Gideon-CEO.

Bis es soweit ist, hat der Markt aber noch einen langen Weg vor sich. Auch wenn seitens vieler Hersteller und Verbände die Themen IoT, Smart Home und Smart Building als zukunftsweisende Wachstumstreiber gepriesen werden, hat sich die tatsächliche Verbreitung oftmals langsamer entwickelt als prognostiziert. Dennoch sieht Galli wichtige Meilensteine passiert. „Mit einem externen Blickwinkel mag es so aussehen, als wäre IoT immer noch ein Nischenmarkt, aber aus Sicht eines Marktteilnehmers lässt sich in der Tat eine unglaubliche Entwicklung über die vergangen drei Jahre hinweg beobachten.“ Einen wahren Boom erwarte er jedoch für die kommenden zwei Jahre. Bis Ende 2018 sollen Hunderttausende Geräte mit der Gideon-Cloud vernetzt sein, bis 2019 drei Millionen und 2020 sogar zwölf Millionen Devices. Möglich machen soll das vor allem die Geeny-Plattform von Telefónica Next, die wiederum Lösungen verschiedener Anbieter mit einem Nutzerprofil verknüpft.

Ein Vorteil in Europa

Der Grundstein des eigenen Erfolgs ist gelegt. Gideon hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Nutzer und Investoren für sich gewinnen können. Auch wenn der Kampf um Gelder in Europa deutlich schwerer ist als in den USA. Junge Unternehmen finden in den Vereinigten Staaten wesentlich schneller Investoren. „Aber im Gegensatz zu den USA haben wir meiner Meinung nach einen großen Vorteil“, sagt Galli. „Meistens sind sich US-Start-ups weniger darüber bewusst, was im Rest der Welt vor sich geht.“ Gerade im Silicon Valley würden sie in einer Art Blase leben und Produkte entwickeln, die dort hervorragend arbeiten – aber keinen Nutzwert in der „wirklichen Welt“ hätten. Und unausweichlich für den Gesamterfolg des IoT-Marktes sei laut dem Gideon-CEO letztlich, dass Technologien weit mehr als Insellösungen sein müssen. „Wie schon zuvor gesagt, ist es für Unternehmen unerlässlich zu verstehen, dass sie miteinander kooperieren und, noch vor allem anderen, sich mit Software-Anbietern wie uns zusammentun müssen, da Ein-Marken-Apps keine existenzfähige Lösung für Nutzer sind“.