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Agfeo feiert 71-Jähriges: "Wir haben immer eigene Entscheidungen getroffen"

Agfeo blickt auf eine lange Firmengeschichte, die sich durch Tradition und viele Konstanten auszeichnet. Aber auch dem Wandel wollen sich die Bielefelder nicht verschließen, steht doch mit der IP-Umstellung ein Umbruch an, der nicht nur das eigene Geschäft, sondern den gesamten TK-Markt umkrempelt.

Die Geschäftsführer von Agfeo Bildquelle: © Agfeo

Michael Born und Michael Boelke, Geschäftsführer von Agfeo

Agfeo – eine Name, der in der deutschen Kommunikationslandschaft neben TK-Anlagen und einem markanten Sportwagen mit Filmhistorie allem voran für Tradition sowie Langlebigkeit steht. Immerhin hat das Bielefelder Unternehmen im vergangenen Jahr sein 70-jähriges Jubiläum begangen – heutzutage keine Selbstverständlichkeit und sicherlich kein Massenphänomen, ist die TK-Branche doch im Wandel begriffen, der nicht zuletzt durch IP-Umstellung und neue Mitbewerber aus der Telekommunikation, noch massiver aber aus der IT befeuert wird. So sorgen Software- und Cloud-Anbieter für einen sich zuspitzenden Wettbewerb um das PBX-Geschäft und für seit einiger Zeit rückläufige Absatzzahlen im Hardware-Bereich. Der Markt habe sich in den letzten Jahren massiv gewandelt, resümiert Michael Born, Geschäftsführer bei Agfeo und seit 1985 im Unternehmen an Bord. „Früher gab es deutlich mehr Hardware-Hersteller, heute ist hingegen die Zahl der Cloud-Anbieter stark gewachsen.“

Für Unruhe sorgt diese Umwälzung bei Agfeo aber nicht. Immerhin hat das Unternehmen die eigene Marke spätestens seit den 90er-Jahren als sattelfeste Größe im deutschen Kommunikationsmarkt etabliert und sich zusehends auf Bereiche wie TK-Anlagen und Telefone konzentriert. Zuvor fertigen die Bielefelder hingegen ein breites Spektrum unterschiedlicher Technologien und Produkte – darunter Morse-Übungsgeräte, Schweißbrillen und zuletzt Amtsgebührenzähler für die Deutsche Post.

Agfeo auf der CeBIT 1995 Bildquelle: © Agfeo

Auf der CeBIT 1995 stellte Agfeo erstmals seine TK-Anlagen unter eigener Marke der Öffentlichkeit vor.

Erst 1994 folgte die Entwicklung einer Telefonanlage unter eigener Marke, ein Jahr später der erste eigenständige Auftritt auf der CeBIT in Hannover und damit die Adressierung eines breiten Publikums – jedoch nicht ohne Gegenwind aus der Branche. „Die anderen Hersteller haben zu uns gesagt: `Was wollt ihr denn hier´?“, berichtet Born im Gespräch mit funkschau. Was dem Hersteller trotz der anfänglichen Skepsis seitens der Mitbewerber die Treue der Kunden eingebracht hat? „Wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen, es gibt keine Stakeholder, keine Übernahmen, wir haben immer die eigenen Entscheidungen getroffen“, so der Agfeo-Geschäftsführer. „Da liegt wohl die größte Wahrheit drin.“ Aber auch die Beständigkeit in den eigenen Reihen soll einen wichtigen Beitrag zur Marke Agfeo leisten. Immerhin liegt die Fluktuation unter den Mitarbeitern laut Born im Promillebereich. Vergleichbare Unternehmen soll es im Markt kaum noch geben. „Wir verändern uns mit den technischen Ansprüchen. Gleichzeitig sind wir aber sehr stetig.“

Gewachsene Strukturen
Die Kontinuität soll jedoch keine Absage an den teils rasanten technologischen Wandel und die Digitalisierung sein – im Gegenteil. Während einige Traditionsunternehmen teils eine Bedrohung, oft aber eine enorme Herausforderung in der voranschreitenden Transformation sehen, zeigen sich die Bielefelder im Gespräch mit funkschau in Anbetracht der vierten industriellen Revolution gelassen. „Wir machen uns keine Zukunftssorgen“, betont Born. Zwar geht er von weiterhin rückläufigen Zahlen im Hardware-Markt aus und einem parallel dazu steigenden Cloud-Anteil. „Die TK-Anlage wird es aber immer irgendwie geben“, ist sich Born sicher. Agfeo soll darüber hinaus in Zeiten des schnellen Wandels den Vorteil haben, auf langjährig gewachsene Strukturen vertrauen zu können – bei Mitarbeitern, aber auch in Hinblick auf das Vertriebsnetzwerk und die Produkte. „Allgemein ist der Markt globaler und schneller geworden“, sagt der Geschäftsführer. „In Anbetracht dessen sind wir froh, dass wir nicht jedes Jahr ein neues Smartphone-Modell auf den Markt bringen müssen.“