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VoIP: Mentalität des Abwartens

2018 ist das Entscheidungsjahr der IP-Umstellung. Einen Ansturm auf entsprechende All-IP-Lösungen soll es aktuell aber noch nicht geben. Viele Unternehmen warten ab oder setzen aufgrund der knapp bemessenen Zeit auf temporäre Überbrückung. Auch Vorbehalte gegenüber VoIP spielen weiterhin eine Rolle.

Warten Uhr Bildquelle: © pascalkphoto - fotolia

2018, das Entscheidungsjahr ist angebrochen. Im Laufe der kommenden Monate will die Deutsche Telekom zumindest den Großteil der ausstehenden Unternehmen des Landes – laut Angaben des Providers HFO immerhin noch knapp 40 Prozent – sowie der Privatkunden auf IP-Anschlüsse migrieren und damit ISDN zu Grabe tragen. Der endgültige Abschied wird sich allerdings noch etwas verzögern. Bereits Mitte vergangenen Jahres hatte der Netzbetreiber erstmals durchblicken lassen, dass es in einigen schwierigen Fällen auch über 2018 hinaus dauern könnte, gerade den Großkunden werden die Bonner kaum eine rote Linie diktieren wollen.

Aber auch wenn sich die eine oder andere Migration etwas verzögern sollte: Dieses Jahr wird eine enorme Anzahl an Anschlüssen auf IP umgestellt und betroffene Unternehmen, die noch nicht die nötigen Schritte eingeleitet haben, müssen ihre Kommunikationsinfrastruktur notgedrungen prüfen und gegebenenfalls für die neue Technologie rüsten.

„Der Hype ist nicht eingetreten“
Eine Aufbruchsstimmung, die viele Anbieter und Netzbetreiber im Zuge der IP-Migration noch zu Beginn des Prozesses prognostizierten, scheint jedoch nicht überall aufgekommen zu sein. Besonders in Hinblick auf ihre TK-Anlagen zeigen sich viele Unternehmen traditionsbewusst. So belegen aktuelle Zahlen, dass rund 60 Prozent aller IP-Wechsler die Umstellung nicht gleichzeitig auch für die Einführung einer All-IP-Lösung nutzen, sondern vorhandene Infrastruktur beispielsweise über ein Media Gateway „IP ready“ machen. „Der Hype ist nicht eingetreten“, erklärte Mathias Pasquay, Geschäftsführer des Soft-PBX-Anbieters Pascom, im Rahmen des HFO Kick Off im vergangenen Januar. Die Veranstaltung im Oberfränkischen Hof bringt zu Beginn des Jahres Hunderte Vertriebspartner von HFO sowie zahlreiche Hersteller aus der Kommunikationsbranche zusammen und zeichnet ein gutes Stimmungsbild der anstehenden Monate. Trotz der positiven Effekte, die ein gigantischer Prozess wie die IP-Umstellung auf das Geschäft von Systemhäusern und Anbietern haben sollte, war eine überschwängliche Euphorie nicht zu beobachten. „Zahlreiche Technologien setzen auf IP auf, aber viele Unternehmen nehmen den Wechsel als unnötig wahr“, berichtete Florian Buzin, Starface-Geschäftsführer, im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Einer Einschätzung, der sich auch Snom-CEO Gernot Sagl anschloss: „Solange die TK-Anlage funktioniert, hat das Thema in Unternehmen einen relativ geringen Stellenwert.“ Sagl relativiert damit die außerordentliche Bedeutung für Business-Anwender, die viele  Anbieter der IP-Umstellung zuvor zugesprochen hatten.