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Made in Germany: Mehr Quickware, weniger Slowware

Die Strahlkraft der Marke "Made in Germany" ist seit Jahrzehnten Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Doch welchen Stellenwert hat das Gütesiegel in heutigen Zeiten noch? Und vor welchen Herausforderungen stehen Firmen, die ins Ausland exportieren, angesichts des Regierungswechsels in den USA?

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„Made in Germany“ ist fraglos noch immer eine starke Marke. Diese Einschätzung wird ein weiteres Mal gestützt durch das aktuelle Länderranking von Statista (März 2017). Rund 43.000 Konsumenten aus 52 Ländern haben abgestimmt. Ihr Urteil ist eindeutig: Deutschland ist weltweit das beliebteste Herstellerland. „Made in Germany“ punktet vor allem bei den Aspekten „Qualität“ und „Sicherheit“. Es stellt sich dennoch die Frage, inwieweit solche Länderlabel heutzutage überhaupt noch relevant sind und welchen Herausforderungen nationale Wirtschaftsstandorte gegenüberstehen.

Christoph Pienkoß, DGQ Bildquelle: © DGQ

Christoph Pienkoß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGQ, ist davon überzeugt, dass bisherige Unterscheidungen – wie die zwischen Soft- und Hardware – nicht mehr ausreichen. Slowware versus Quickware laute vielmehr die Devise.

Grundsätzlich lassen sich nach Jahren der Globalisierung aktuell vielerorts nationalistische Strömungen konstatieren. In Form von protektionistischen Bestrebungen reichen diese Tendenzen in den Bereich der Wirtschaft hinein. Obwohl Nationalismus und Populismus in einzelnen Ländern – wie den Niederlanden und Frankreich – bei den Wahlen wieder einen leichten Dämpfer erhalten haben, stellt sich gerade mit Blick auf die USA folgende Frage: Können die protektionistischen Bestrebungen von Präsident Donald Trump das Länderlabel „Made in Germany“ nachhaltig beschädigen und die boomende deutsche Exportwirtschaft dadurch einbremsen?

Risiko und Chance zugleich
Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine kurz- sowie eine langfristige Perspektive: Verweilt der Blick eher auf dem aktuellen Geschehen, so bedeutet Protektionismus für „Made in Germany“ Risiko und Chance zugleich. Die aktuellen Nationalisierungstendenzen erinnern in einem bestimmten Punkt an die Herkunft solcher Länderlabels. Die damalige Situation ähnelt der heutigen. Auch im 19. Jahrhundert bestand die Idee eines „Made in…“ darin, die eigene Wirtschaft zu schützen. Die von den englischen Urhebern unbeabsichtigte Markenkarriere von „Made in Germany“ ist bekannt. Insofern wird das Länderlabel auch jetzt durch die Protektionisten ungewollt wieder gestärkt, denn es tritt wieder deutlicher in Erscheinung. Dies ist für eine Exportnation langfristig wichtig. Die Stellung als Ausfuhrweltmeister macht Deutschland allerdings abhängiger von der globalen Wirtschaft und in dieser Hinsicht krisenanfälliger. Die ohnehin schon höheren Risiken globaler Geschäfte steigen in Zeiten von Protektionismus und Populismus vor allem durch unvorhersehbare, kurzfristige staatliche Eingriffe. Es bleibt allerdings abzuwarten, inwiefern sich eine Abschottung von Volkswirtschaften konsequent und langfristig durchsetzen lässt.