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Digitalisierung: Der Countdown läuft

Digitale Transformation gilt längst als Kernthema zur Stärkung und Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstandes Deutschlands. "Wir müssen nun vor allem endlich handeln und uns dem digitalen Wandel aktiv zuwenden", fordert Oliver Grün vom BITMi.

Sanduhr Digitalisierung Bildquelle: © funkschau

Die wesentlichen Voraussetzungen einer innovativen Infrastruktur und eines stabilen Bildungssystems sind in der Bundesrepublik im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Welt bereits in der Basis gegeben. Dennoch ist es unerlässlich, den digitalen Standort Deutschland weiterhin zu stärken, die Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle zu verbessern und in den Wachstumsfeldern der Zukunft Impulse zu setzen.

Stark ausgebaute Breitband- und Mobilnetze sowie gute Bildungseinrichtungen sind nur zwei von 52 Aspekten, die das World Competitiveness Center der IMD in Lausanne heranzieht, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit von insgesamt 63 Nationen in einer aktuellen Studie zu messen und zu vergleichen. Deutschland belegt in dieser Weltrangliste lediglich den 17. Platz und wird damit nicht nur von volkswirtschaftlichen Größen wie den USA, Kanada und Hongkong abgehängt, sondern auch von europäischen Nachbarländern wie den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Nun stellt sich die Frage, worauf diese doch enttäuschenden Ergebnisse zurückzuführen sind.

Don‘t panic
Tatsächlich war die Digitalisierung in Deutschland bis jetzt eher von Angst geprägt. Datenschutzdebatten, allgemeine Sicherheitsbedenken, die Sorge um eine sinnfreie Automatisierung von Arbeitsprozessen und die Gefährdung von Arbeitsplätzen hemmen die Bereitschaft deutscher Unternehmen zum digitalbasierten Wandel. Sicherlich kann eine unbegrenzte Digitalisierung auch zur reellen Gefahr werden, wenn gedankenlos alles umgesetzt wird, was Technik und Digitalisierung möglich machen. So könnten beispielsweise in der autonomen Kriegsführung Daten in Drohnen dazu genutzt werden, um automatisiert und ohne das Zutun menschlicher Entscheidungsträger zu töten. Solche Fälle zeigen die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen „digital awareness“ auf, sollten aber keinesfalls als genereller Grund gelten, sich vom digitalen Wandel bedroht zu fühlen. Denn damit würde die deutsche Wirtschaft auch dem enormen Potenzial beraubt, das der digitale Wandel mit sich bringt: Neue Technologien wie Cloud-Computing, Mobile Apps, Social Media oder Big Data können Flexibilität und Effizienz steigern, Fehlerquellen vermindern und neue Innovationen ermöglichen. Sie dürfen jedoch nicht nur eingesetzt werden, um bestehende Prozesse zu ersetzen, sondern sollten dazu dienen, neue Arbeitsmodelle zu schaffen und damit bisher ungeahnte Möglichkeiten auszunutzen. Denn das ist die Kernaufgabe der Digitalen Transformation. Doch während in den USA bereits digitale Plattformen wie Uber und Airbnb grundlegende wirtschaftliche Geschäftsmodelle darstellen, die Produkte durch Daten ersetzen, konzentriert sich Deutschland immer noch mehr auf die bloße Optimierung von Produktionsprozessen, als auf die Ergänzung um neue, datengetriebene Services. „In Deutschland haben wir die aktive Gestaltung neuer Geschäftsmodelle verpasst. Für deutsche Unternehmen ist es wichtig, nicht mehr nur klassisch gute Haushalts- oder Industrieprodukte zu liefern, sondern diese mit Services zu ergänzen und die anfallenden Daten für sich zu nutzen. Ansonsten werden schnell andere diese Aufgabe übernehmen und das produzierende Unternehmen zu einem leicht austauschbaren Hersteller herabsetzen“, so der Präsident des Bundesverband IT-Mittelstand e. V. (BITMi), Oliver Grün.

Deutschland sollte seine starke Produktion als gute Ausgangslage für die Gestaltung des digitalen Wandels nutzen, anstatt als verlängerte Werkbank von Plattformen aus anderen Kontinenten zu verkommen und wirtschaftlich abgehängt zu werden.