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Arbeitsplatz der Zukunft: Umdenken in allen Bereichen

Der Digital Workplace ist nicht nur eine technische Entwicklung, sondern ein teils drastischer Umbruch der Arbeitskultur. Wandeln muss sich aber meist, wer wettbewerbsfähig bleiben will. Für Unternehmen geht damit ein Umdenken einher, das jeden Mitarbeiter einschließen muss.

Umdenken Bildquelle: © Sipgate

Die Arbeitswelt steht vor einem massiven Umbruch, sind sich Experten aus Politik und Wirtschaft einig. Arbeitsministerin Andrea Nahles erklärt im „Weißbuch Arbeiten 4.0“: „Die Arbeitswelt der Zukunft wird anders als heute sein. Aber wird sie auch besser sein?“ Eine Antwort auf diese Frage ist aktuell schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Fest steht für Nahles aber: „Schon jetzt ist erkennbar, dass die Digitale Transformation – vor allem mit Blick auf die Arbeitswelt – polarisiert.“ Für die einen sei sie Verheißung und Lebensgefühl, für die anderen bedeute sie Unsicherheit.

Noch stecken Entwicklung und Digitalisierung des Arbeitsplatzes in den Kinderschuhen, stellen viele Unternehmen vor enorme Herausforderungen und sind Ursprung eben jener Unsicherheit. Besonders da der „digitale Arbeitsplatz kein rein technisches Thema ist“, wie Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom, erklärt. „Erfolgreich wird eine Einführung nur sein, wenn sich die Unternehmenskultur mit bewegt – zu mehr Transparenz und mehr Offenheit.“ Für Rickmann definiert sich der Arbeitsplatz der Zukunft durch Flexibilität, Mobilität und bessere Zusammenarbeit. Technologien wie mobile Endgeräte, As a Service-Modelle und eine breite Palette an Kommunikationswerkzeugen sollen Produktivität sowie den Austausch in Teams steigern und vereinfachen. Arbeit ist in diesem oft noch sehr theoretischen Konstrukt nicht an einen Ort oder eine Zeit gebunden, sondern weitestgehend auf die individuellen Wünsche des Mitarbeiters abgestimmt. „Viele Arbeitnehmer ziehen flexible Arbeitszeiten und einen mobilen Arbeitsplatz dem klassischen Nine-to-Five-Job vor“, sagt Manuel Ferre-Hernandez, Director Sales Germany bei Mitel.

Trotz der vielversprechenden Chancen haben sich viele Unternehmen, gerade im Mittelstand, bisher nur punktuell mit dem Digital Workplace auseinandergesetzt. „Aus unserer Beobachtung gehen die meisten Stück für Stück vor“, so Rickmann. Bei einzelnen Aspekten wie dem mobilen Arbeiten seien viele Unternehmen schon sehr gut unterwegs. „Nachholbedarf besteht zum Beispiel in Sachen Social Collaboration: Ein Großteil der Kommunikation in KMUs läuft weiterhin per E-Mail und Telefon“, so der Telekom-Geschäftsführer. Stefan Volmari, Director Systems Engineering bei Citrix, teilt diese Einschätzung: „Unternehmen kennen die Technologien und sie haben ihren Mehrwert erkannt. An der nahtlosen Einführung arbeiten viele dieser Firmen aber oftmals noch.“

Die Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Immerhin stehen jahrzehntelang erprobte Arbeitsmodelle zur Disposition, Sorge um Sicherheit und Compliance sowie Abstimmung zwischen Fachabteilung und IT bremsen den Prozess  aus und Aufwand sowie Kosten stellen aktuell wohl die herausforderndsten Hürden dar. Mangelnde Performance und die fehlende Anbindung an ein Breitbandnetz würden laut Andreas Wilker, Mitglied der Geschäftsleitung bei Bechtle, zusätzliche Aspekte sein, die das Vorankommen verlangsamen. Entsprechende Investitionen sollen langfristig aber alternativlos bleiben. „Wenn mir die Mitarbeiter weglaufen, weil meine Wettbewerber modernere und effizientere Arbeitsumgebunden und Arbeitsmittel bieten, dann entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, der wesentlich höher ist“, erklärt Volmari im funkschau-Interview. Gerade in Hinblick auf den sich zuspitzenden Fachkräftemangel gewinnt das Thema zusehends an Brisanz. Wer sich gegenüber Mitbewerbern behaupten will, muss über den Tellerrand der monetären Anreize hinausblicken.