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funkschau-Interview: Snom: "Telefone lassen sich in den digitalen Arbeitsplatz integrieren"

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

"Es geht um die Spezialisierung der ganzen Kommunikationslösung"

funkschau: Im Zuge der All-IP-Umstellung wird das Telefon zu einem potenziellen Angriffsziel im Netzwerk. Sind sich Unternehmen dieser sich verändernden Sicherheitsanforderungen bewusst?

Wiegleb: Die IP-Telefonie ist für Snom kein Neuland. Schon seit 2000 baut und vertreibt die Firma IP-Telefone. Und die potenziellen Gefahren bestanden auch schon damals. Gerade weil wir ein deutsches Unternehmen sind, haben für uns die Themen Sicherheit und Datenschutz oberste Priorität. Dies unterstreichen wir auch als Mitglied in der TeleTrust Initiative „Security made in Germany“.

funkschau: Was müssen Unternehmen beachten, um das Telefon nach außen abzusichern?

Wiegleb: Fast alle Telefone im professionellen Umfeld werden heutzutage nicht mehr per Hand konfiguriert, sondern automatisch von der Telefonanlage mit allen notwendigen Einstellungen versorgt (Auto-Provisioning). Hierbei ist es natürlich wichtig, dass der Anbieter der Telefonanlage oder Service Provider alle Vorkehrung vornimmt, um das Telefon bestmöglich gegen etwaige Angriffe abzusichern. Hierzu gehören vor allem: Starke Passwörter vergeben, Weboberfläche des Telefons entweder abschalten oder mit HTTPS verschlüsseln und sowohl die Signalisierung als auch die Sprachpakete verschlüsseln (SIPS und SRTP).

Falls man Angriffe aus dem internen Netzwerk fürchtet, könnte es außerdem sinnvoll sein, den Zugang zum Unternehmensnetzwerk über den zweiten Netzwerkport am Telefon mit Authentifizierungsmechanismen wie beispielsweise 802.1x zu schützen.

funkschau: Netzbetreiber bieten verstärkt Dienste wie Voice over LTE oder Voice over WLAN an. Könnten diese Technologien auch die klassische Unternehmenstelefonie beeinflussen?

Wiegleb: Voice over LTE (VoLTE) spielt für Mobilfunkbetreiber eine entscheidende Rolle in ihrem Bestreben, ihre Netze komplett auf IP umzustellen. Durch die Sprachübertragung in Form von Datenpaketen, wird eine höhere Auslastung der Netze (Frequenzbereiche) ermöglicht, was den Betreibern Kosten spart und außerdem die Basis für das Angebot weiterer, multimedialer Inhalte für die Kunden darstellt. Für die klassische Unternehmenstelefonie in Form von Tischtelefonen und DECT Schnurlosapparaten, ist LTE als eine Option für eine schnelle Internetanbindung (oder als Backup für den primären Internetzugang) anzusehen – speziell in Gebieten, wo ADSL / VDSL nicht verfügbar ist.

WiFi nach dem Standard 802.11 ist per Design hingegen nicht dafür ausgelegt, zeitkritische Applikation wie die Sprachkommunikation zu unterstützen. Um mit Voice over WLAN eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Sprachkommunikation zu ermöglichen, bedarf es Netzwerkkomponenten (Switche, Access Points), die den erweiterten Standard IEEE802.11e unterstützen. Nur so sind eine Priorisierung der Sprache, vor allen anderen Datenpaketen und das schnelle und unterbrechungsfreie Roaming zwischen den verschieden Access Points, möglich. Aber gerade in Gebäuden, in denen eine Neuverkabelung bautechnisch nicht möglich oder schlichtweg zu teuer ist, ist Voice over WLAN sicherlich eine sinnvolle Alternative.

funkschau: Sehen Sie in der zunehmenden Individualisierbarkeit der Telefongeräte die Möglichkeit, sich weiterhin gegen Wettbewerber wie Smartphones und andere Kommunikationskanäle zu behaupten?

Wiegleb: Es geht nicht so sehr um die Individualisierung der Endgeräte, als vielmehr um eine Spezialisierung der gesamten Kommunikationslösung, die ein Provider seinen Kunden anbieten möchte. Verschiedene Industrien und Segmente verlangen nach verschiedenen Kommunikationslösungen in Bezug auf Endgeräte, Schnittstellen zu industriespezifischen Applikationen und rechtlichen Auflagen. Wenn man dann noch innerhalb dieser „Verticals“ unternehmensspezifische Anforderungen und Wünsche durch Individualisierung erfüllen kann, hat man sicherlich in diesem hart umkämpften Markt die Nase vorn.