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Deutsche Telekom im Interview: "Die Zahl tatsächlicher Ausfälle ist verschwindend gering"

Viele kritisierten die Deutsche Telekom für ihr Vorgehen bei der IP-Umstellung, es gab Berichte über Ausfälle und Störungen. Im Interview erklärt Transformations-Leiter Klaus Müller, dass die Migration ganz im Gegenteil fast reibungslos abläuft und dass 2018 weiterhin ein realistisches Ziel ist.

Netzausbau Bildquelle: © Deutsche Telekom

funkschau: Herr Müller, die Telekom steckt mitten im IP-Umstieg. Können Sie einen Einblick geben, wie dieser Prozess im Geschäftskundenbereich voranschreitet? Wie gehen Sie genau vor?

Klaus Müller: Wir haben bereits mehr als eine Million Geschäftskunden-Anschlüsse auf IP umgestellt. Schon heute kontaktieren wir bundesweit Unternehmen und bieten ihnen den Wechsel auf einen IP-basierten Anschluss an. Für solche mit mehreren Standorten und Anschlüssen erstellen wir im engen Austausch mit ihnen einen unternehmensspezifischen Migrationsplan und ein entsprechendes Angebot. So passen wir die Umstellung den zeitlichen Vorstellungen der Unternehmen an. Dabei empfiehlt es sich, Schritt für Schritt vorzugehen – etwa wenn ohnehin neue Telefone angeschafft werden.

funkschau: Bereiten sich die Unternehmen in Hinblick auf ihre Infrastruktur denn schon ausreichend auf die Umstellung vor oder sehen Sie Nachholbedarf?

Müller: Einige Unternehmen sind überrascht, wenn sie auf einmal Post bezüglich der Umstellung auf IP im Briefkasten haben, obwohl wir sehr transparent und offen über die Umstellung kommunizieren. Andere hingegen kommen auf uns zu und wollen auf IP umsteigen, damit sie bereits heute von den Vorteilen profitieren können. Mit vielen Unternehmen veranstalten wir persönliche Workshops beim Kunden vor Ort, um den Ablauf der Migration zu besprechen – im vergangenen Jahr waren es deutschlandweit mehr als 20.000 Veranstaltungen; dieses Jahr sind es bereits 15.000. Kleinere Geschäftskunden werden auf Wunsch außerdem über unseren Kundenservice oder im Telekom-Shop beraten.

funkschau: Um eine Zwangsumstellung handelt es sich trotz der klaren Fristen aber nicht. Warum ist dies der Fall und was bedeutet das für die Verträge sowie Geräte der Kunden?

Klaus Müller, Leiter Strategische Entwicklung Geschäftskunden Transformation, Telekom Deutschland Bildquelle: © Telekom Deutschland

Klaus Müller, Leiter Strategische Entwicklung Geschäftskunden Transformation, Telekom Deutschland: "Den Wechsel auf IP hinauszuzögern hat keinen Vorteil."

Müller: Aus formal juristischen Gründen muss die Telekom immer einen neuen Vertrag mit Unternehmen abschließen, wenn sie auf einen IP-basierten Anschluss wechseln. Schließlich kann der bestehende Vertrag nicht zu denselben Konditionen weitergeführt werden: Die AGB bei IP-Anschlüssen sind anders als bei den derzeitigen Anschlüssen.  Der neue Vertrag läuft in der Regel über die branchenüblichen 24 Monate. Aber: Es gibt keine Entscheidung für oder gegen IP, denn an IP führt kein Weg vorbei – auch nicht bei anderen Anbietern.

funkschau: Zumindest auf lange Frist. Aber einige Mitbewerber wollen ISDN über 2018 hinaus anbieten. Warum sprechen Sie sich gegen diese Strategie aus?

Müller: Ja, manche Wettbewerber versprechen, dass sie ISDN länger anbieten als wir. Aber: Auch sie arbeiten zum Großteil auf Basis der Telekom-Infrastruktur. Um ISDN weiterhin zu realisieren, müssen sie Gateways einsetzen, die das IP-Signal zurück in ein ISDN-Signal umwandeln. Das birgt allerdings auch Risiken. Lokal verteilte Telekommunikationsanlagen etwa benötigen für die Synchronisierung der Übertragungsstrecke einen Takt – den bekommen sie derzeit aus dem Netz. Mit einem dazwischen geschalteten Gateway ist das nicht mehr möglich.

funkschau: Viele Ihrer Kunden haben aber gerade die zu kurz empfundenen Übergangsfristen und die damit verbundene Kommunikation angekreidet. Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Müller: Für mittlere und große Geschäftskunden besprechen wir zum Teil schon seit 2014 in Workshops gemeinsam die Umschalttermine. Kleinere Geschäftskunden sprechen wir gezielt auf den Wechsel auf das Internetprotokoll an. Um die geplante Umstellung aller Anschlüsse auf IP zeitgerecht zu realisieren, werden bestimmte Regionen priorisiert. In großen Ortsnetzen, darunter Hamburg, München und Berlin, werden wir deshalb die Umstellung auf das IP-basierte Netz in Kürze abschließen, um den weiteren Netzausbau, etwa mit Vectoring, realisieren zu können – von dem Kunden abermals profitieren. Daher werden Kunden, die Telefon und Internet oder Telefon, Internet und Fernsehen nutzen, in großen Ortsnetzen bereits heute zu einem Vertragswechsel aufgefordert. Diese Kunden informieren wir frühzeitig und umfassend schriftlich und telefonisch. Hierbei wird ihnen der Wechsel auf einen IP-basierten Anschluss angeboten.