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Migration: Das Zeitfenster schließt sich

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Die Migration der ISDN-TK-Anlage

Weiterbetrieb einer bestehenden ISDN-TK-Anlage Bildquelle: © Bintec Elmeg

Weiterbetrieb einer bestehenden ISDN-TK-Anlage

Der Migrationsansatz ermöglicht den Weiterbetrieb der aktuellen ISDN-Telefonanlage, indem ein All-IP-Media-Gateway zwischen ISDN-Anlage und All-IP-Anschluss geschaltet wird. Vorteil dieser Lösung ist zum einen, dass die bislang eingesetzte Hardware weiter genutzt werden kann und keine Änderungen an der ISDN-Anlage durchgeführt werden müssen – vorteilhaft, wenn man mit der Programmierung der installierten Telefonanlage nicht vertraut ist.

Unabdingbar für ein erfolgreiches Migrationskonzept ist es, auf professionelle Media-Gateway-Systeme zu setzen – ein Beispiel dafür ist die „be.IP“-Serie von Bintec Elmeg: Sie stellt genügend ISDN-Anschlüsse bereit und ermöglicht so zusätzlich etwa die Anbindung eines vorhandenen Faxgerätes oder Cash-Terminals. Es lassen sich hier bis zu vier Sprachkanäle bereitstellen, die „be.IP 4 ISDN“ stellt gar acht Sprachkanäle zur Verfügung und kann zusätzlich kaskadiert werden – somit können auch für typische KMU-Anlagen die Lebenszeit problemlos um einige Jahre verlängert und die getätigten Investitionen nachhaltig geschützt werden.

Weiterhin sollte sich der Fachhändler auf Systeme konzentrieren, die für den Geschäftsalltag konzipiert und etwa mit spezieller Hardware zur Sprachdatenberechnung (Digitaler Signal Prozessor, DSP) und Quality of Service-Mechanismen (QoS) ausgestattet sind, um die notwendige Sprachqualität und Robustheit der Lösung zu gewährleisten. Geräte, die üblicherweise im privaten Umfeld eingesetzt werden, sind hier fehl am Platz. Der Fokus solcher Systeme liegt auf einem vermarktungswirksamen Feature-Set und Kostenoptimierung, hierbei geht es also um Einsparungen in der Hardware. Weder aus technischer noch aus wirtschaftlicher Sicht stellen diese Geräte eine businesstaugliche und zukunftssichere Alternative dar.

Die All-IP-Neuinstallation

Sofern eine Migration der bestehenden ISDN-TK-Anlage technologisch oder wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, steht die Anschaffung und Integration einer ALL-IP-fähigen Sprach-Datenlösung auf der Agenda. In diesem Fall muss jedoch unbedingt bedacht werden, dass neben der reinen Telefonanlage auch die bislang verwendeten Endgeräte zumeist nicht oder nur zu einem kleinen Teil weiter genutzt werden können. Die Anschaffung und Integration neuer IP-basierter Endgeräte muss genau kalkuliert werden, da dieser Aspekt insbesondere in Unternehmen mit einer größeren Anzahl an digitalen und meist proprietären System-Endgeräten einen nicht zu unterschätzenden Kostenpunkt darstellt. Eine durchgängig IP-basierte Infrastruktur bietet jedoch erhebliche Chancen, die Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse zu optimieren und stellt letztendlich in der digitaler werdenden Arbeitswelt die zukunftsorientierte Lösung dar.

Den Zeitpunkt der Umstellung bestimmt der Kunde

Wenn die Entscheidung zugunsten einer Neuinstallation gefallen, der Umschalttermin vom Provider aber noch nicht abschließend terminiert ist, bietet es sich an, einen gezielten „vorweggenommenen“ All-IP-Umstieg vorzunehmen. In diesem Fall kann beispielsweise eine „bintec elmeg be.IP plus“, also eine vollwertige All-IP-TK-Anlage, mit einem entsprechenden NT-Adapter an das ISDN-Netz angeschlossen werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Unternehmen macht sich von der providerseitigen Netzumstellung unabhängig und bereitet die eigene Infrastruktur soweit vor, dass bei Bedarf lediglich noch der NT-Adapter entfernt werden muss, um in der All-IP-Welt zu sein.  Das bedeutet in diesem Fall, das bereits ein echtes All-IP-System inklusive des zugehörigen Breitbandanschlusses in Betrieb ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der oft ignoriert wird, ist die Tatsache, dass  All-IP nicht ausschließlich auf VoIP, also Sprache, reduziert werden darf. Häufig werden TK-Anlagen als „All-IP-fähig“ bezeichnet, dabei ist lediglich gemeint, dass diese Systeme IP-basierte Telefonie beherrschen. Zu einer All-IP-Lösung  gehört immer ein Router oder ein Gateway mit integriertem ADSL2+ / VDSL-Modem für den Breitbandanschluss. Zudem sind QoS-und Loadbalancing-Mechanismen unabdingbar, um einen reibungslosen und stabilen Sprach- und Datentransfer zu garantieren. Auch die Unterstützung des zunehmend eingesetzten Internetprotokolls IPv6 ist sicherzustellen. Der Router oder das Gateway muss durch integrierte Firewall-Mechanismen für Sicherheit am Netzzugang sorgen und zum Beispiel mittels VPN eine gesicherte Remotekonfiguration zu ermöglichen. Die Unterstützung des Clear Modes (RFC4040) zeichnet professionelle All-IP-Systeme aus und ermöglicht auch zukünftig die Fernwartung von ISDN-TK-Anlagen.

Eine individuelle Entscheidung

Bereits an der einfachen Fragestellung, ob Migration oder Neuinstallation, wird deutlich, dass das Thema All-IP ein individuelles Beratungsthema ist. Es dreht sich grundsätzlich immer nur um zwei mögliche Alternativen, aber es bedarf immer einer individuellen Analyse des einzelnen Geschäftskunden. Für den Fachhandel bedeutet das, dass eine ganzheitliche Beratungsleistung deutlicher in den Vordergrund gestellt werden muss, als es bei typischen ISDN-Anlagen- Installationen in der Vergangenheit erfolgte. All-IP bietet zudem die Chance, vollständige Ökosysteme anzubieten, und neben der Telefonanlage und den zugehörigen Endgeräten weitere Technologiefelder zu erschließen. So stellen etwa die „be.IP“-Systeme von Bintec Elmeg standardmäßig professionelle WLAN-Management-Lösungen bereit. Gerade bei derartigen Themen zeigt sich der Vorteil konvergenter IP-Netze, die verschiedene Technologien – ohne Technologie-Bruch – vereinen.

Dirk Treue ist Director Marketing Communications bei Bintec Elmeg