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Migration: Das Zeitfenster schließt sich

Seit 2016 wurden erstmals mehr Anschlüsse auf Basis von VoIP-Zugängen über DSL realisiert als über die herkömmlichen Anschlussvarianten - somit ist definitiv die letzte Lebensphase des klassischen ISDN-Netzanschlusses angebrochen.

Sanduhr Bildquelle: © pogonici-123rf

Mit der Abschaltung des ISDN-Netzes der Deutschen Telekom 2018 beginnt das IP-Zeitalter endgültig auch im Festnetz. Für den ITK-Fachhandel beginnt jetzt die wirklich heiße Phase der All-IP-Umstellung, da das Augenmerk der Telekom zunehmend auf die Umstellung der Geschäftskunden-Anschlüsse gerichtet ist. Spätestens mit der Verfügbarkeit des für Ende 2016 angekündigten SIP-Trunk-Anschlusses der Deutschen Telekom steht die bislang fehlende Lösung für die meisten Business-Kunden bereit, die Handlungsdruck auf die Geschäftskunden-Segmente ausübt. Für den Fachhandel muss das bedeuten, so schnell wie möglich auf die eigenen Kunden zuzugehen und Lösungskonzepte zu erarbeiten, da auch die Vertriebsbereiche der Telekom in den Startlöchern stehen.

Ende 2017 dürfte dann die finale letzte Phase der All-IP-Umstellung erreicht sein, denn bislang hat die Deutsche Telekom noch keine Lösung für Unternehmen mit ISDN-Primärmultiplex-Anschlüssen auf dem Markt – was sich in der stagnierenden Zahl von etwa 87.000 Anschlüssen widerspiegelt. Eine besonders interessante Zielgruppe für den beratungsintensiven ITK-Fachhandel.

Die Chance für den Fachhandel

Dem Fachhandel kommt im Zuge der ISDN-Abschaltung eine enorme Bedeutung zu, da die All-IP-Umstellung gerade für Unternehmenskunden häufig nicht nach einem einheitlichen Schema erfolgt und individuelle Gegebenheiten berücksichtigt, die ausgearbeitet werden müssen. Letztendlich stellt sich dann zwar immer die Frage, ob eine Migrationslösung sinnvoll ist oder ob eine vollständige Neu-installation der ITK-Infrastruktur die bevorzugte Variante darstellt. Mit der Beantwortung dieser Frage sollte sich ein jedes Unternehmen eingehend befassen, um künftige Probleme und damit verbundene Kosten zu vermeiden. Es empfiehlt sich in diesem Zusammenhang, bereits frühzeitig mit dem ITK-Partner die Vor- und Nachteile beider Lösungen zu analysieren. Allerhöchste Zeit also für den Fachhandel – sofern nicht bereits geschehen – All-IP-Know-how aufzubauen.

Die Beratungsleistung steht im Vordergrund

Eine detaillierte Analyse der aktuell genutzten Infrastruktur zeigt dabei sehr schnell eventuell vorhandene Problemstellungen und Schwierigkeiten auf, denn es geht bei der Betrachtung der vorhandenen Systeme nicht nur um die Telefonanlage, sondern um die gesamte ITK-Infrastruktur – also etwa Telefonie-Endgeräte, Fax-Lösungen, Türkamerasysteme, aber auch um Alarmanlagen und Kassensysteme, bis hin zu Fahrstühlen. Es geht also auch um Systeme, die zunächst nicht zwingend mit dem Thema ISDN-Abschaltung in Verbindung gebracht werden. Gerade bei der falschen Beurteilung dieser Subsysteme können Fehlanalysen durchaus kostspielige Folgen haben.

Zudem ist im Rahmen der Bewertung abzuwägen, wie alt die Anlage ist, beziehungsweise, ob eine Neuanschaffung nicht ohnehin geplant ist – oder, ob die Anlage erst seit wenigen Jahren in Betrieb ist und bereits VoIP unterstützt. Ein weiterer Entscheidungsparameter kann aber auch ein vorhandener Wartungsvertrag sein. Bereits anhand dieser kurzen Auflistung, die bei weitem nicht abschließend ist, wird ersichtlich, wie wichtig eine detaillierte, individuelle Analyse der Infrastruktur und des künftigen Bedarfs ist. Und genau da gilt es für den Fachhandel, seinen Mehrwert unter Beweis zu stellen. Letztendlich muss eine umfassende betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse aufgestellt und bewertet werden.

Grundsätzlich stehen zwei Lösungsansätze zur Auswahl: Die Migration der bestehenden Telefonanlage mit Hilfe eines All-IP-Media-Gateways oder deren Austausch und die damit verbundene Integration einer All-IP-Kommunikationslösung für Sprache und Daten.