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Utopie vs. Realität: Industrie 4.0 - nicht um jeden Preis

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Design Thinking als wichtige Aufgabe der IT

Laufend werden Ideen und Lösungen entwickelt, die zwar charmant sind, aber in der Umsetzung scheitern – oder für die es schlichtweg kein Problem gibt. Die globale IT-Branche ist sehr euphorisch und wartet mit schnellen Innovationen auf – und trifft oft auf skeptische Produktionsleiter. Während im IT-Umfeld Ideen schnell entwickelt und im Falle eines Fehlschlags wieder verworfen werden, ist ein solches Vorgehen in der Industrie schlichtweg unmöglich. Jeder Maschinenstopp, jeder noch so kurze Ausfall einer Produktionsstraße wäre mit horrenden Kosten und immensem Mehraufwand verbunden. Daher fehlt auf Seite der Fachbereiche manchmal das Vertrauen in die IT-Abteilung, die ihr Image schärfen muss. Zu den wichtigsten Aufgaben der IT gehört dabei „Design Thinking“ – also die Entwicklung von Innovationen, die sich am Nutzer orientieren und dessen Bedürfnisse befriedigen. Unabhängige IT-Berater fungieren dabei als Mittler zwischen beiden Welten. Sie können aufgrund vielfältiger Praxiserfahrungen Optimierungspotenziale erkennen und helfen, sie mittels passender IT- und Fertigungslösungen zu heben. Es geht darum, den Produktions- und Geschäftsverantwortlichen zuzuhören und mit praktischen Erfolgen die Vertrauensbasis zu stärken.

Pragmatische Innovationskraft versus digitale Utopie
Jede Branche weiß selbst am besten, wie ihr eigener Markt tickt. Es gibt unterschiedliche Industrie-4.0-Reifegrade – manche Unternehmen sind weit fortgeschritten, andere wiederum sind zögerlich und warten lieber ab. Dass einem Unternehmen dadurch jedoch innerhalb kürzester Zeit das gesamte Geschäft wegbricht, wie manche IT-Propheten verkünden, ist die Ausnahme. Für den Großteil der Betriebe bringt die Digitalisierung definitiv große Vorteile, aber es wird auch ganze Branchen und Bereiche geben – Design und Entwicklung beispielsweise –, die von den neuen Technologien weniger profitieren. So werden auch in der Industrie weiterhin Menschen gebraucht, denn dass alle Prozesse automatisiert ablaufen, ist Utopie.

Gernot Hafner ist CTO beim Ulmer IT-Haus Fritz & Macziol