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Video-Dienste und Konferenztechnik: WebRTC - Hoffnungsträger der Videokommunikation

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Standardisierung und Sicherheit

Die API-Sammlung soll der Videokommunikation neuen Schwung geben und UCC-Lösungen entscheidend beeinflussen. Beispielsweise können Unternehmenskunden an einer Telefonkonferenz teilnehmen, ohne zuvor eine Anwendung auf ihrem Rechner installieren zu müssen. Darüber hinaus ist es möglich, dass verschiedene Lösungen dank WebRTC übergreifend miteinander kommunizieren. Die Fragmentierung des Marktes würde zu einem großen Teil aufgehoben, selbst mobile Geräte mit eingeschlossen. Allerdings ist Standard nicht gleich Standard. Noch ist der Prozess nicht abgeschlossen und nicht alle Browser unterstützen WebRTC. Aktuell sollen etwas mehr als 60 Prozent der enthaltenen APIs mit allen gängigen Browsern kompatibel sein. Besonders Chrome und Firefox sind für den WebRTC-Einsatz geeignet, bei Edge hat Microsoft mit ORTC ein eigenes Protokoll entwickelt und Apple verzichtet bei seinem Safari-Browser noch gänzlich auf die Implementierung. „Von Chrome zu Videoanbietern unter Windows und Mac funktioniert WebRTC in den meisten Fällen sehr gut“, erklärt Albrecht. „Ein Firefox-WebRTC-Browser beispielsweise oder ein Edge-Browser mit ORTC können nicht zwangsläufig gleichwertig miteinander kommunizieren, da es keinen einheitlichen Standard gibt.“ Daher müsse auf Applikationsebene gute Arbeit geleistet werden, damit diese Clients miteinander sprechen lernen, so der Blue Jeans-Sales Engineer.

Noch befindet sich WebRTC im Standardisierungsprozess und entsprechende Anwendungen können noch nicht über alle Plattformen und Endgeräte hinweg eingesetzt werden. Hinzu kommt die Frage der Sicherheit, die aktuell noch ein Stolperstein für die Standardisierung sowie den Einsatz im Unternehmensumfeld darstellt. „Bei WebRTC muss der Nutzer bei der erstmaligen Anmeldung angeben, ob er beispielsweise die Nutzung der Videokamera zulassen oder Bildschirminhalte teilen möchte. Der Nachteil: Unternehmen haben weniger Kontrolle über WebRTC-Einstellungen, da diese dem Nutzer selbst überlassen werden“, so Albrecht. „Nach unserer Einschätzung geben Unternehmen damit ein wenig ihre Kontrollmöglichkeiten aus der Hand.“ Die Nachfrage nach Plug-ins bei Enterprise-Kunden sei daher sehr hoch. „Für sie kann eine MSI-Datei erstellt werden, die dann auf den Desktops Tausender Mitarbeiter verteilt wird.“ Der Vorteil sei, dass Unternehmen entscheiden könnten, zu welchem Zeitpunkt beispielsweise ein Update des Videokonferenz-Clients erfolgen soll, so der Sales Engineer. Es gelte, eine gesunde Balance zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit zu finden und genau abzuwägen. Unternehmen können hier individuell nachbessern und Sicherheitsaspekte selbst modifizieren. Bezüglich des grundlegenden technischen Gerüsts der WebRTC-Kommunikation gibt es jedoch nur wenige Bedenken im Markt. „WebRTC setzt zwingend die Verschlüsselung von Medienströmen voraus und ist daher vielen herkömmlichen Video- und Telefonie-Diensten voraus“, so die Einschätzung von Michael Wolfgang.

Brückenschlag zwischen B2C und B2B

Schon jetzt zeigt sich, welche Bedeutung WebRTC für die Verbreitung und letztendlich den Einsatz von Videokommunikation im Unternehmensumfeld hat und haben wird. Besonders, da der Standard auch die Grenzen zwischen Consumer- und Business-Lösungen überwinden könnte. „Aus unserer Perspektive ist WebRTC ganz sicher das Mittel der Wahl, um eine schnelle und einfache Kommunikation zwischen dem Consumer- und dem Business-Markt zu ermöglichen“, sagt Albrecht. Es öffne die Tür zu professionellem Video und einer einfachen Implementierung. „Außerdem etablieren sich bereits WebRTC-Gateways, die beide Welten verheiraten können, ohne bestehende Infrastruktur ändern zu müssen“, fügt der Visocon-CTO hinzu.

Dass derzeit schon Hunderte Anbieter an entsprechenden Lösungen arbeiten, veranschaulicht ebenfalls, wie groß das Potenzial des Standards ist. Nicht nur Videokommunikation, auch Cloud-Applikationen und Unified Communications im Ganzen werden in den kommenden Jahren maßgeblich von der steigenden Implementierung von WebRTC profitieren. „WebRTC belebt Unified Communications definitiv“, bekräftigt Albrecht. Die Einstiegshürde sei eine viel geringere, wenn Kunden erfahren würden, dass sie für die Nutzung eines cloudbasierten Videokonferenz-Services nichts vorab installieren müssten.