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Intec-Gastkommentar: All-IP - das digitale Fräulein vom Amt

Telefonie ist im Wandel begriffen. Analoge Vermittlungstechnik wurde schon vor vielen Jahren durch digitale ersetzt. Auch wenn damit das Zeitalter schneller Verbindungen eingeläutet wurde, ist diese Technik leitungsgebunden – und damit sind ihr Grenzen gesetzt. Das ändert sich rasch.

virtuell telefonieren Bildquelle: © Štěpán Kápl / fotolia.com

Die Umstellung auf All-IP kommt – so viel steht fest. Bis 2018 wird ein Großteil aller ISDN-Anschlüsse in Deutschland modernisiert sein. Damit werden die Anwendungen, die bisher noch auf klassischer Leitungsvermittlung basieren, ebenfalls Telekommunikationsnetze auf Basis des Internet-Protokolls (IP) nutzen. Das betrifft vor allem die analoge Telefonie. Auch sie wird mit der Umstellung der Vergangenheit angehören. Der große Vorteil für Serviceanbieter ist, dass so nur noch eine Infrastruktur und nur eine „Vermittlungstechnik“ unterstützt werden müssen und Pflege sowie Wartung einer Technik entfallen, mit der sich kaum noch jemand richtig auskennt – und die von der modernen Telekommunikationsinfrastruktur längst überholt worden ist. Darüber hinaus bringt die Umstellung neben schnelleren Verbindungen auch erhebliche Kostenersparnisse mit sich. Zudem punktet der Ansatz durch hohe Zukunftsfähigkeit – führt insgesamt also zu einem besseren, moderneren und effizienteren Netz, das Breitbandinternet, Telefonie, TV und übrige Telekommunikation zusammenführt und jedem überall zugänglich macht.

Ganz oder gar nicht
Alles gut also? Nicht ganz. Denn mit dieser Umstellung wird es auch eine steigende Zahl von Fehlfunktionen geben, und das vor allem in der Übergangsphase: Verdrahtungsfehler, Kurzschlüsse, Vertauschungen oder Längenverletzungen in den Inhouse-Ethernet-Verkabelungen und unterschiedlichste LAN-Neu-, Misch- und Hybridverkabelungen (ISDN und All-IP) sowie parallel laufende Systeme werden zu einer technischen Herausforderung. Es kann aber auch vorkommen, dass das bisherige Nutzungsverhalten nicht richtig analysiert wurde und die neue Infrastruktur nicht zum Kunden passt. Zusätzlich gibt es Anwendungen, wie medizinische Notrufsysteme, EC-Karten-Terminals und Kassensysteme sowie Alarmanlagen, die auf den Betrieb über Festnetz ausgelegt sind.

Nach einer Umstellung auf All-IP hat ein Ausfall der Technik deutlich schwerere Konsequenzen als früher, denn wenn sie nicht funktioniert, dann bricht das gesamte Kommunikationsnetz eines Kunden – Telefonie, Internet, Fernsehen – zusammen. Da der Übergang zu neuen Technologien selten ohne Schwierigkeiten abläuft, kommt es immer wieder zu Störungen und Unregelmäßigkeiten. Und sie häufen sich, je mehr Kundenanschlüsse umgestellt werden.