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Cyberkriminellen auf der Spur

Wie Netzwerkanalyse das Internet rettet

01. Juli 2020, 08:53 Uhr   |  Autor: Stefano Marmonti / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Wie Netzwerkanalyse das Internet rettet
© alphaspirit - 123rf

Immer komplexer werdende Strategien von Cyberkriminellen machen es unerlässlich, dass Unternehmen so schnell wie möglich auf Angriffe reagieren. Ein adäquates Mittel hierzu ist die Netzwerkanalyse, die valide Aussagen zum Internet beinahe in Echtzeit erlaubt.

Im Falle eines Verbindungsproblems im Internet agieren die meisten Nutzer immer nach einem ähnlichen Schema: Lädt eine Seite nicht, wird zunächst versucht diese erneut zu laden. Bleibt auch dieser Schritt ohne Erfolg, wird er im Zweifel ein weiteres Mal wiederholt, bevor mittels einer anderen Seite die allgemeine Internetverbindung getestet wird. Fällt dieser Test positiv aus, scheint es ein Problem mit der angeforderten Website zu geben und oft erfährt der Nutzer erst am nächsten Tag mehr über die Gründe des Ausfalls von einer der großen Nachrichtenseiten. Einen solchen Ausfall gab es beispielsweise Anfang September durch die DDoS-Attacke auf das Online-Lexikon Wikipedia.

Während sich der Nutzer nur einige Augenblicke mit einem für ihn ärgerlichen Problem aufhält, können die Folgen auf der anderen Seite der Netzwerkverbindung sehr viel gravierender sein. Ein Ausfall der eigenen Website kann viele Ursachen haben, die Auswirkungen sind aber in jedem Fall fatal. Insbesondere wenn der Dienst von einer großen Zahl an Menschen genutzt wird und rund um die Uhr verfügbar sein sollte, können hier schwerwiegende Reputationsverluste auftreten, die auch den Verlust von Kunden zur Folge haben können. Bei Diensten wie Cloud-Anwendungen, sozialen Netzwerken oder Suchmaschinen sind Ausfälle der Internetverbindung damit nicht nur für die Nutzer unangenehm, sondern können vor allem für die Unternehmen selbst Konsequenzen haben.

Was das Internet im Innersten zusammenhält
Was oftmals einfach nur als Verbindungsproblem kommuniziert wird, ist bei genauerer Betrachtung ein Problem, das fast immer vielschichtiger aufgebaut ist. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Internet eine komplexe Struktur ist, die letztlich nach wie vor auf Grundlage der ersten Schritte der digitalen Welt liegt. Während in den Jahren, in denen das Internet eine absolute Neuheit war, die Grundsteine und Eckpfeiler für das weltweite Netzwerk festgelegt wurden, rechnete noch niemand mit dem durchschlagenden Erfolg in den darauffolgenden Jahrzehnten. Da sich jedoch im Laufe der Zeit immer mehr Menschen an der digitalen Revolution beteiligten, wuchs das Internet und damit auch die Zahl der damit verbundenen Geräte immer weiter an. Diese Entwicklung ist nach wie vor nicht abgeschlossen, da im Zuge des IoT (Internet of Things) zunehmend auch z. B. Haushaltsgeräte, Glühbirnen und Teile der Infrastruktur vernetzt werden.

Neue Technologien und an das Internet angeschlossene Geräte machen die digitale Kommunikation nicht übersichtlicher. Die Grundlage der Kommunikation über das Internet stellt das Border Gateway Protocol (BGP) dar. Vergleicht man das Internet mit einem weit verzweigten Straßensystem, ist das BGP eine Auflistung aller an dieses Netz angeschlossenen Adressen und eine dazugehörige Wegbeschreibung, wie man zu einem der anderen Knotenpunkte gelangen kann. Will ein Nutzer beispielsweise auf Wikipedia zugreifen, so weiß der jeweilige Browser schlicht die Adresse des BGP, unter der die relevanten Daten zu finden sind.

Um sich im Internet zu bewegen, sind noch weitere Helfer notwendig, die Verbindungen überhaupt erst möglich machen. Diese werden oftmals durch Internet Service Provider (ISP) arrangiert. ISPs sind Anbieter für Internetverbindungen und sorgen dafür, dass überhaupt eine Netzwerkverbindung aufgebaut werden kann. Ist das BGP die Adressliste in unserem Straßensystem, handelt es sich bei den ISPs um die Verkehrsmittel, die Daten übertragen und dafür sorgen, dass am Schluss die gewünschte Information beim Nutzer ankommen kann.

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